Der Nebel hat sich gelichtet und die neue SAP-Landschaft für die Versorgungsbranche ist sichtbar.

Bild: Cortility; iStock, AvigatorPhotographer

Land in Sicht SAP-Branchenlösung für die Energiewirtschaft

04.02.2020

Die neue SAP-Landschaft für die Versorgungsbranche ist sichtbar, der Nebel hat sich gelichtet. Energieversorger können somit 2020 eine Strategie erarbeiten, die Routen in die zukünftige IT-Welt vorbereiten und die Mannschaft auf die Aufgaben einstimmen.

Am Anfang stand das Versprechen, für die deutsche Energiebranche integrierte Nachfolgelösungen für SAP R/3 und SAP IS-U anzubieten. Mittlerweile ist die Struktur klar und eine ganze Reihe von Anwendungen sind verfügbar. Mit dem Lösungspaket setzt SAP die drei langfristigen IT-Trends um:

  • informationszentriert statt applikationszentriert

  • Standardisierung und Automatisierung

  • Cloud-Anwendungen/Software as a Service (SaaS)

Hierdurch soll einerseits die Effizienz gesteigert und andererseits den Unternehmen eine flexiblere IT-Unterstützung zur Verfügung gestellt werden. Gerade letzteres ist für EVU essenziell, um Geschäftsmodelle an schnelle Marktveränderungen anzupassen und entstehende Chancen zeitnah nutzen zu können.

Mit dem Wechsel zu den auf SAP S/4 Hana basierenden Lösungen verabschiedet sich SAP in der Energiewirtschaft von historisch gewachsenen Systemen. Nach 20 Jahren Liberalisierung mit immer neuen Anforderungen aus Markt und Regulierung stößt die Branchenlösung SAP IS-U an Grenzen. Gerade auf Kostenseite spielt dabei eine Rolle, dass unternehmensindividuelle Entwicklungen immer wieder aufwendig an neue Vorgaben angepasst werden mussten.

Schritt in neue Landschaft

Mit SAP S/4 Hana Utilities und SAP Cloud for Utilities wurde die alte Software-Landschaft rund um SAP IS-U nicht nur zeitgemäß umgestaltet, sondern ist zu neuen Ufern aufgebrochen. Trotz des Neustarts bestehen für die Unternehmen viele Pfade, um in der alten und in der neuen Landschaft gleichzeitig unterwegs zu sein. „SAP hat einen klaren Schnitt gemacht – doch die Unternehmen haben unterschiedliche Möglichkeiten, um in die neue Landschaft zu wechseln“, betont Klaus Nitschke, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Cortility. So sind neben dem grundsätzlich immer möglichen Greenfield-Ansatz auch verschiedene Strategien für einen schrittweisen Umstieg möglich.

„Wir empfehlen unseren Kunden sowohl die Entscheidung für das Nachfolgesystem als auch die Strategie für die Einführung gemeinsam festzulegen“, rät Nitschke. Einerseits erforderten unterschiedliche Ausprägungen von Cloud und On-Premise-Strategie – also dem Betrieb der Software auf eigenen Servern – mit diversen hybriden Varianten prozessrelevante unternehmerische Entscheidungen. Und andererseits sei die Überlegung, zuerst neue Geschäftsfelder, regulierte Geschäftsfelder, Commodity-Geschäftsfelder oder bestehende Non-Commodity in der neuen Welt zu realisieren, immer von den individuellen Gegebenheiten des Unternehmens abhängig.

Herausforderungen für EVU

Während andere Branchen schon mit dem neuen System zur Unternehmenssteuerung SAP S/4 Hana unterwegs sind, befindet sich die deutsche Energiewirtschaft größtenteils noch im Hafen. „Vier Herausforderungen haben die EVU nun zu meistern“, stellt der Cortility-Chef fest. Wie auch in anderen Industriebereichen sei die Einführung des neuen Datenbanksystems SAP Hana mit einer grundsätzlich neuen Architektur eine dieser Klippen. Nicht einfach sei ebenso der Umstieg von dem langjährig eingesetzten SAP auf SAP S/4 Hana – doch auch hier unterscheiden sich die Aufgaben bei Energieversorgern nicht wesentlich von denen in anderen Branchen. Neu ist für Energieversorger, dass das sogenannte In-Memory-Computing, die Datenbanktechnologie auf der S/4 Hana basiert, vor allem für Geschwindigkeitsvorteile steht. Da in den Geschäftsmodellen der Energieversorger Big Data meist noch nicht genutzt wird, würden die Vorteile des In-Memory-Computings häufig noch nicht erkannt.

„Das entscheidende Gebiet ist jedoch der IS-U-Nachfolger“, weiß Nitschke. Hier sieht er in dem integrierten Daten-Ansatz von SAP einen wertvollen Vorteil. Spannend sei auch das Zusammenwirken von Anwendungen auf Basis der Hana-Datenbank und ausgelagerten Marktkommunikations-Prozessen in der Cloud. Hinter dem Schlagwort „MaKo-Cloud“ verbirgt sich die SAP-Lösung für die Marktkommunikation für die deutsche Energiebranche: „Der betriebliche Prozess bleibt beim EVU im Backend. Wenn alle Daten zusammengesammelt sind, gehen sie in die Cloud, werden dort aufbereitet und aus der Cloud als IDOC versendet“, erklärt Nitschke. Die Datenaufbereitung gemäß den Vorgaben der deutschen Regulierung werde also aus der serverbasierten Energiewirtschaftslösung herausgelöst und in einer Cloud-Lösung umgesetzt.

Keine akute Eile vonnöten

„Wirklich Eile zum Umstieg besteht zwar akut nicht“, sagt Nitschke. Die Zeit bis 2025 – solange werden SAP R/3 und IS-U sicher gepflegt – sei für die moderne IT eine halbe Ewigkeit. Doch einfach abwarten sei auch die falsche Strategie: „Es geht um ein gravierendes Umstellungsprojekt, das tief in die Geschäftsprozesse der Unternehmen eingreifen wird.“

Zu bedenken sei, dass die neuen Technologien attraktive Chancen zur Verbesserung der Kundenschnittstellen und Performance bieten würden. „Ich rate daher jedem EVU dringend, schnell in die Planungen für die Zukunft einzusteigen“. Ein erster Schritt sei dabei ein Basis-Workshop, der den Verantwortlichen einen Gesamtüberblick rund um die Themen SAP S/4 Hana sowie möglicher Alternativen bietet.

Bildergalerie

  • Klaus Nitschke, Geschäftsführer von Cortility.

    Bild: Cortility

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