Pens, Vials, Spritzen: Verpackungsprozesse ganzheitlich auslegen

Prozesssicherheit durch modulare Linienkonzepte

Der Boom injizierbarer Medikamente erhöht die Komplexität in der Pharmaverpackung – entscheidend sind deshalb ganzheitlich gedachte Linien, die Produktzuführung, Tray-Design und Track-&-Trace von Beginn an mitplanen. Modulare Maschinenkonzepte und integrierte Digitalisierung verkürzen Umrüst- und Validierungsaufwand, senken Ausschuss und machen Investitionen zukunftssicher.

Bild: iStock, AleksandarGeorgiev
18.03.2026

Neue Wirkstoffklassen und der Boom injizierbarer Medikamente verändern nicht nur Therapien, sondern auch die Art, wie Pharmaunternehmen verpacken müssen. Zwischen steigender Komplexität, regulatorischem Druck und kurzen Produktzyklen entscheidet heute die richtige Linienstrategie über Effizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Der globale Pharmamarkt wird derzeit durch den enormen Erfolg neuer Wirkstoffklassen sowie durch den Siegeszug von Parenteralia und injizierbaren Medikamenten transformiert. Für Pharmaunternehmen und Lohnverpacker bedeutet dieser Boom jedoch eine neue Dimension der Komplexität. Sie stehen vor der Herausforderung, wertvolle, vielteilige Produkte mit absoluter Prozesssicherheit zu verpacken, dynamische Produktlebenszyklen zu managen und strenge regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Investitionen in eine entsprechende Verpackungslinie beziehungsweise in die Umrüstung einer bestehenden Lösung sind deswegen eine wichtige strategische Entscheidung. Ziel ist die Implementierung einer flexiblen und nachhaltigen Lösung, die nicht nur den heutigen, sondern auch zukünftigen Anforderungen gewachsen ist.

Den Gesamtprozess verstehen

Eine strategische Investitionsentscheidung beginnt nicht bei der Maschine, sondern bei der Analyse des Gesamtprozesses. Isolierte Verbesserungen einzelner Schritte führen unweigerlich zu Engpässen an anderer Stelle und untergraben die Gesamteffizienz. Eine ganzheitliche Betrachtung ist daher das Fundament jeder erfolgreichen Automatisierung.

Der fundamentale Unterschied beim Verpacken verschiedener Parenteralia – seien es Pens, Vials oder Spritzen – liegt in der Produktzuführung. Die Art, wie ein Produkt in die Linie gelangt, gegriffen und gehandhabt wird, ist für jeden Produkttyp einzigartig und hat weitreichende Konsequenzen für alle nachfolgenden Prozessschritte. Die Auswirkungen dieser ersten Berührung durchziehen die gesamte Linie bis zum finalen Versandgebinde.

Ein Pen sollte im finalen Transportgebinde auf der Palette liegen, um Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten. Ein Vial hingegen muss auf der Palette stehen. Diese scheinbar simple Anforderung an das Endprodukt definiert den gesamten Prozess von Anfang an und beeinflusst kritische nachgelagerte Prozesse wie die Aggregation für Track & Trace, bei der die Position und Ausrichtung des Codes entscheidend für die Lesbarkeit sind.

Diese Abhängigkeiten verdeutlichen, warum die frühzeitige Abstimmung des Tray-Designs im „Dreiergespann“ aus Kunde, Maschinenhersteller und Packmittel-Lieferant erfolgskritisch ist. Reale Effizienzgewinne entstehen nur aus einer ganzheitlichen Perspektive auf den Prozess. Daraus ergeben sich auch die wichtigsten übergeordneten Anforderungen an die Verpackungslinie: hohe Flexibilität und Modularität.

Radikale Flexibilität und Modularität

In einem Marktumfeld, das von wechselnden Produkten und dynamischen Lebenszyklen geprägt ist, sind Flexibilität und Modularität keine Komfortmerkmale, sondern die Kernstrategie zur Absicherung einer Investition. Sie sind die technische Antwort auf die wirtschaftliche Notwendigkeit, schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können, ohne die gesamte Anlage in Frage zu stellen. Eine zukunftssichere Linie muss die Agilität besitzen, auf absehbare und unvorhersehbare Veränderungen im Produktportfolio reagieren zu können. Dazu gehören:

  • Veränderungen der Produktgeometrie: Der aktuelle Trend geht zu größeren Injektoren mit mehr Volumen. Die Linie muss den notwendigen Formatbereich abdecken können.

  • Neue Verpackungskonfigurationen: Ein häufiger Anwendungsfall ist der Umstieg von Einzelverpackungen auf Mehrfachverpackungen. Hier reicht die Variationsbreite von Einer bis 25er-Packs.

  • Kompletter Produktwechsel: Besonders für Lohnverpacker ist es essentiell, eine Linie von Vials auf Spritzen oder Autoinjektoren umrüsten zu können, um auf neue Kundenaufträge flexibel reagieren zu können.

Ein konsequent modulares Maschinenkonzept

Ein konsequent modulares Maschinenkonzept ermöglicht diese strategische Flexibilität auf technischer Ebene. Statt eine monolithische Maschine aufwändig umzubauen, werden einzelne Funktionsmodule gezielt ausgetauscht. Eine Produktzuführung für Pens kann demontiert und durch ein Modul für Vials ersetzt oder sogar erweitert werden – ein Umbau, der bei modular aufgebauten Verpackungslinien wie dem PTC 200 von Uhlmann Pac-Systeme vor Ort innerhalb von etwa einer Woche abgeschlossen werden kann. Der entscheidende Vorteil liegt in der Entkopplung der Prozessschritte: Wird das Zuführmodul der Tray-Maschine getauscht, bleiben vor- und nachgelagerte Prozessschritte davon unberührt.

Die Investition in ein modulares System ist eine Investition in die Zukunft. Kunden sichern sich damit nicht nur die langfristige Nutzbarkeit der Anlage, sondern investieren direkt in deren Wiederverkaufswert und die Agilität ihres gesamten Betriebs. Dieses technische Lösungskonzept entfaltet sein volles wirtschaftliches Potenzial jedoch nur, wenn sie von einer ebenso modularen und intelligenten digitalen Architektur gespiegelt wird. Ohne sie bleibt Flexibilität ein aufwendiger manueller Prozess.

Integrierte Digitalisierung und Automation

Moderne Digitalisierung ist weit mehr als Maschinensteuerung; sie ist die zentrale Säule für Effizienz, Prozesssicherheit und minimierte Umrüstzeiten. Ihre strategischen Vorteile manifestieren sich in drei Kernbereichen.

  1. Modulare Elektronik und vereinfachte Validierung: In einem durchdachten modularen System bringt jedes Maschinenmodul seine eigene Elektronik mit. Die Schnittstellen zu benachbarten Modulen sind auf die Mechanik, Energieversorgung und Netzwerk reduziert. Im regulierten Pharmaumfeld kann dies ein entscheidender Vorteil sein: Bei einem Modulwechsel muss eigentlich nur dieses eine Segment validiert werden. Der Gesamtaufwand für die Re-Validierung wird drastisch reduziert, da tiefgreifende Eingriffe in die Steuerung und Verdrahtung der Gesamtlinie entfallen.

  2. Präzise Batch-Produktion und Materialeffizienz: Eine intelligente Liniensteuerung ermöglicht die Funktion der „genauen Batch-Produktion“. Das System wird auf eine exakte Stückzahl programmiert. Am Ende des Batches stoppt die Zuführung, und die Linie läuft automatisch komplett leer. Die Vorteile sind doppelt: Erstens wird die Materialverschwendung von Produkten und Packmitteln minimiert. Zweitens werden die Umrüstzeiten signifikant verkürzt, da die Bediener die Linie nicht manuell für den nächsten Auftrag leerräumen müssen.

  3. Durchgängige Linienautomatisierung: Die digitale Integration ist die Voraussetzung für eine vollautomatisierte Materiallogistik. So kann die Versorgung mit Faltschachteln und Trays automatisiert werden. Fahrerlose Transportsysteme (AGVs) liefern Packungsmaterial auf Paletten. Robotersysteme entpacken das Material und legen dies vollautomatisch auf die entsprechenden Magazine. AGVs stellen die Entsorgung leerer Umverpackungen sicher und transportieren auch die Fertigware ab. Gerade bei Hochleistungslinien ist das eine enorme Erleichterung für das Bedienpersonal. So entstehen vollautomatisierte Hochleistungslinien, die mit minimalem Personaleinsatz maximale Effizienz erzielen.

Nachhaltigkeit ganzheitlich definieren

Nachhaltigkeit geht auch in der Pharmaverpackung weit über die Umstellung von Kunststoff auf Papier hinaus. An erster Stelle steht die Minimierung von Ausschuss. Wie schon dargelegt, sind technische Neuerungen wie die „genaue Batch-Produktion“ keine reinen Effizienz-Features, sondern direkte Treiber der Nachhaltigkeit, da sie Produkt- und Packmittelverluste an der Wurzel eliminieren. Parallel unterstützen moderne Linien den Trend zu Kartonagen und recyclingfähigen Monomaterialien. Flexibilität und Modularität sind außerdem Eckpfeiler der Nachhaltigkeit der eigenen Prozesse. Eine Maschine, die durch modulare Upgrades 30 bis 40 Jahre im Einsatz bleibt, stellt eine fundamental ressourcenschonendere Investition dar als eine Anlage, deren Lebenszyklus weitgehend davon abhängig ist, wie stabil Verpackungslösungen und Darreichungsformen der zu verpackenden Medikamente sind. Die Langlebigkeit einer Anlage wird durch einen starken Servicepartner sichergestellt. Dies umfasst nicht nur Wartung und Upgrades, sondern auch eine aktive Produktionsbegleitung (Ramp-up-Support), um die Linie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg auf maximaler Leistung zu halten.

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  • Werner Blersch, Strategic Product Manager Parenteral Packaging, ist der Ansprechpartner und langjährige Experte für Parenteralverpackungen bei Uhlmann Pac-Systeme.

    Werner Blersch, Strategic Product Manager Parenteral Packaging, ist der Ansprechpartner und langjährige Experte für Parenteralverpackungen bei Uhlmann Pac-Systeme.

    Bild: Uhlmann Pac-Systeme

  • Bewährte Kartoniertechnik, modulares Maschinenkonzept: Verpackungslinie PTC 200 und ECP 12 für die Verpackung von parenteralen Produkten in Papiertrays, Faltschachteln und Versandkartons.

    Bewährte Kartoniertechnik, modulares Maschinenkonzept: Verpackungslinie PTC 200 und ECP 12 für die Verpackung von parenteralen Produkten in Papiertrays, Faltschachteln und Versandkartons.

    Bild: Uhlmann Pac-Systeme

  • Zukunftssicherheit durch Agilität: Um modernen Anforderungen gerecht zu werden, müssen Maschinen in der Lage sein, verschiedene Verpackungsgrößen, -geometrien und -konfigurationen abzudecken.

    Zukunftssicherheit durch Agilität: Um modernen Anforderungen gerecht zu werden, müssen Maschinen in der Lage sein, verschiedene Verpackungsgrößen, -geometrien und -konfigurationen abzudecken.

    Bild: Uhlmann Pac-Systeme

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