Verpackungsmaschinen trotzen der Krise

„Made in Germany“ schlägt „Made in China“

Rekordproduktion, aber schwächelnde Aufträge: Die Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbranche feiert im Jahr 2025 einen Höchststand – und blickt zugleich mit Sorge auf das Jahr 2026.

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14.05.2026

Boom oder Blase? Der Hunger der Welt nach verpackten Lebensmitteln wächst und deutsche Maschinenhersteller profitieren davon. Doch Bürokratie, Energiekosten und globale Unsicherheit bremsen den nächsten Wachstumsschub.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verlief das Jahr 2025 für die Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen positiv. Laut Daten des Statistischen Bundesamts verzeichneten die Unternehmen im Jahr 2025 ein Wachstum von 4,9 Prozent am Standort Deutschland und erreichten damit einen neuen Rekordwert in der Produktion von fast 17 Milliarden Euro. Dieses Wachstum im drittstärksten Maschinenbau-Fachzweig beruht jedoch vornehmlich auf dem hohen Auftragsbestand, mit dem die Unternehmen in das Jahr gestartet waren.

„Unsere Branche weist in den letzten Jahren eine anhaltend positive Entwicklung auf, Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen sind weltweit hochgefragt. Insbesondere die Hersteller von Verpackungsmaschinen können auf ein starkes Jahr 2025 zurückblicken und einen Zuwachs von 8 Prozent auf 9 Milliarden Euro erzielen“, sagte Christian Traumann, Vorsitzender des Fachverbandes Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen, auf der VDMA-Pressekonferenz anlässlich der Interpack.

Auftragseingang unter Druck – Geopolitik bremst Investitionen

Der Auftragseingang schloss hingegen im Jahr 2025 knapp unter dem Niveau des Vorjahres ab. Im ersten Quartal 2026 entsprach der Auftragseingang für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen leider nicht den Erwartungen. „Geopolitische Krisen, Konjunkturschwächen in vielen wichtigen Absatzmärkten, die US-Zollpolitik, der anhaltende Ukrainekrieg sowie die jüngsten Entwicklungen im Iran sorgen für Unsicherheit und verzögern Investitionsentscheidungen“, erklärte Traumann. Er wies jedoch auch auf die grundsätzlich positiven Wachstumsperspektiven der Branche angesichts der weltweit starken Entwicklungen der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrien hin.

Deutsche Exporte im Plus und ist USA wichtigster Markt

Im Jahr 2025 stiegen die Auslandslieferungen der gesamten Branche der Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen um zwei Prozent auf rund elf Milliarden Euro. Davon entfielen fast 70 Prozent auf Verpackungsmaschinen, darunter auch Getränkeabfüllmaschinen. Europa ist nach wie vor der größte Regionalmarkt für diese Maschinen. Während die Exporte in die EU-27-Länder um 4,2 Prozent stiegen, gingen sie in die Region „Sonstiges Europa” um 3,3 Prozent zurück. Insgesamt gingen 48 Prozent der deutschen Lieferungen in europäische Länder, davon entfielen 35 Prozent auf die EU-27.

Nach Europa ist Nordamerika die wichtigste Absatzregion für die deutschen Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, wobei die USA der wichtigste Markt sind. Im Jahr 2025 wurden Maschinen im Wert von fast 1,8 Milliarden Euro in die USA exportiert, was einem Anteil von 16 Prozent an den Gesamtexporten entspricht. Trotz der dortigen Zollpolitik sanken die Exporte im Vergleich zum Vorjahr nur um ein Prozent. Für die USA ist Deutschland das wichtigste Lieferland von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, noch vor Italien, Kanada und China.

China verliert an Bedeutung, doch neue Wachstumsmärkte gewinnen

Asien ist mit einem Anteil von 14 Prozent ebenfalls eine der wichtigsten Absatzregionen. Hier ist China, ehemals zweitwichtigster Markt für die Branche, auf Platz fünf gerutscht. Seit 2022 sinken die Exporte in die Volksrepublik China kontinuierlich und fielen im Jahr 2025 um weitere 8 Prozent auf 409 Millionen Euro. „China ist und bleibt ein wichtiger Markt. Allerdings sind die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft deutlich schwächer geworden. Die ‚Made in China‘-Politik der chinesischen Regierung sorgt zudem für eine Präferenz lokal gefertigter Maschinen und Anlagen, was den Lokalisierungsdruck für europäische Hersteller erhöht“, kommentierte Christian Traumann.

Die Nachfrage aus dem Ausland blieb 2025 insgesamt hoch. Es gab starke Impulse und zweistellige Wachstumszahlen aus einzelnen Märkten, darunter Mexiko, Ägypten, Algerien, Südafrika, Japan und Brasilien. Mit einem durchschnittlichen Exportumsatz von 80 Prozent sind die Maschinenhersteller international sehr breit aufgestellt. Dadurch können regionale Nachfrageunterschiede häufig ausgeglichen werden. In der jüngsten VDMA-Konjunkturumfrage vom April 2026 wurden die regionalen Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate in den Absatzregionen Afrika, Süd- und Mittelamerika sowie Asien positiv bewertet.

Europa führt den Weltmarkt, mit Deutschland und Italien an der Spitze

Nicht nur die deutschen Exporte stiegen, sondern auch das weltweite Außenhandelsvolumen von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen wächst seit vielen Jahren kontinuierlich. Laut verfügbaren Daten erreichte es im Jahr 2024 einen vorläufigen Höchststand von fast 55 Milliarden Euro.

Zwei Drittel aller weltweit exportierten Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen stammen aus den Ländern der EU-27 (Stand: 2024). „Der Nahrungsmittelmaschinen- und Verpackungsmaschinenbau ist damit aufgrund seiner hohen Spezialisierung, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft die erfolgreichste Exportbranche des europäischen Maschinenbaus”, konstatierte Traumann. Deutschland und Italien liegen mit jeweils rund 20 Prozent Anteil am weltweiten Maschinenaußenhandel gemeinsam an der Spitze. Nach den verfügbaren Daten für den EU-Export sind die europäischen Exporte im Jahr 2025 um 4 Prozent gestiegen.

Perspektiven und Herausforderungen

Die globale Verpackungs- und Verarbeitungsindustrie zählt zu den dynamischsten Wachstumssektoren. Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen profitieren vom Anstieg des weltweiten Absatzes von verpackten Lebensmitteln. Ihre Maschinen leisten einen entscheidenden Beitrag zur sicheren Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit Lebensmitteln, Getränken und pharmazeutischen Produkten. Das Marktforschungsinstitut Euromonitor International prognostiziert, dass der weltweite Absatz von verpackten Lebensmitteln von 872 Millionen t im Jahr 2024 auf 968 Millionen t im Jahr 2029 steigen wird. Fast ein Drittel des Gesamtverbrauchs im Jahr 2024 entfällt auf die Region Asien. Zudem wird in den Regionen Asien sowie Naher Osten/Afrika ein überdurchschnittliches Nachfragewachstum erwartet.

Die Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sind innerhalb des Gesamtmaschinenbaus weiterhin am positivsten hinsichtlich ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Lage, der Umsatzerwartung und der Kapazitätsauslastung gestimmt. Dennoch ist auch hier Verunsicherung erkennbar. Insbesondere in Bezug auf die US-Zölle, den Iran-Krieg sowie den deutlichen Unmut über die überbordende Bürokratie, die herausfordernden Standortbedingungen und die sich hinziehenden Reformen in Deutschland.

Wettbewerbsdruck aus China

In zahlreichen Auslandsmärkten sehen sich die Unternehmen zudem einem zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China ausgesetzt. Der technologische Vorsprung und die damit einhergehende Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Hersteller können nur erhalten werden, wenn die strukturellen Standortnachteile in Deutschland und Europa – insbesondere Bürokratie, Energie- und Arbeitskosten – reduziert werden. Die Unternehmen erwarten hier entsprechende Reformen von der Politik.

„Wir haben in Deutschland und Europa einen sehr innovativen Maschinenbau, dessen weiterer Erfolg von besseren Rahmenbedingungen und offenen Märkten abhängt. Wir fordern, dass endlich die angekündigten Reformen kommen und unsere Innovationsfähigkeit nicht durch überbordende Regulierung ausgebremst wird. Das Engagement für weitere Freihandelsabkommen begrüßen wir sehr“, resümierte Christian Traumann.

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