Mit Barcode und Smartphone-App erlaubt die neue Logistiklösung, die aktuelle Position von Ladungsträgern in ein transparentes System einzuspeisen.

Bild: Logistikbude

Tracking-Software für Paletten und Behälter „Logistikbude“ macht Warentransport effizienter

01.07.2022

Paletten, Getränkekisten und Tanks sind unverzichtbar für den Transport von Waren, stehen aber selbst kaum im Rampenlicht. Ein Spin-off der Fraunhofer-Gesellschaft hat sich des Themas angenommen und eine Software entwickelt, die den Standort und den Weg von Ladungsträgern verfolgt und einsehbar macht. Logistikunternehmen können dadurch ihre Effizienz entscheidend verbessern.

Ladungsträger sind ein unverzichtbarer Teil beim Warentransport. 2020 wurden in Deutschland nach Angaben des statistischen Bundesamts rund 101 Millionen Flachpaletten produziert – auch bekannt als Europaletten. Die deutsche Logistikbranche setzte insgesamt 280 Milliarden Euro um, wie die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS errechnet hat. Damit gehört die Logistikbranche zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Deutschland.

Während der Verbleib von Waren genau registriert und verfolgt wird, wird Ladungsträgern bislang eher weniger Aufmerksamkeit zuteil. Sie bleiben oft tagelang unbeachtet in Lagerhallen liegen. Hier geht Effizienz verloren.

Gemeinsames Tauschkonto für Ladungsträger

Am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund hat der Forscher und Logistikexperte Dr. Philipp Wrycza deshalb gemeinsam mit Patrik Elfert, Jan Möller und Michael Koscharnyj eine passende Softwarelösung entwickelt und ein Spin-off mit dem Namen Logistikbude gegründet. Wrycza hatte bereits seine Doktorarbeit zum Thema Europaletten am Fraunhofer IML geschrieben.

Die webbasierte Software generiert zunächst für jeden Ladungsträger ein Label und legt eine digitale Akte an. Parallel dazu werden die Mehrwegladungsträger – Paletten, Tanks, Gestelle, Behälter, Kisten – mit Barcodes oder aktiven Sensoren versehen. Sowohl vor dem Transport als auch beim Eintreffen der Ware beim Empfänger erfasst eine Smartphone-App für Android oder iOS jeden Ladungsträger über das Label. Hier lassen sich auch weitere Eintragungen über den Status vornehmen. Diese Daten wandern dann in die Software-Plattform. Neben der Nachverfolgung mittels Scan gibt es auch die Möglichkeit, Mengen zu verbuchen.

Der Kunde oder Empfänger der Ware greift ebenfalls auf das Konto zu und vermerkt beispielsweise, wenn die Ware abgeladen ist und die Paletten für die Rücksendung oder den Transport anderer Waren bereit sind. Auf diese Weise entsteht ein gemeinsames Tauschkonto, in dem sich die Geschäftspartner über den aktuellen Status der Ladungsträger auf dem Laufenden halten können. Wurden bereits geleerte Ladungsträger nicht rechtzeitig zurückgeschickt, wird automatisch eine Erinnerungsmail ausgelöst.

Mehr Nachhaltigkeit in der Logistik

Seit Januar 2022 ist die Lösung fertig und einsatzbereit. „Viele Unternehmen wissen bisher oft gar nicht, wo beispielsweise ihre eigenen Ladungsträger gerade sind. Nun können sie jederzeit einsehen, wo diese sind und wann sie diese zurückbekommen“, sagt Wrycza, Co-Founder und CEO des Fraunhofer-Spin-offs. Das erleichtere die Planung, und der beschleunigte Umlauf sorge dafür, dass insgesamt weniger Ladungsträger angeschafft werden müssen. „Das wiederum ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Branche.“

Prof. Michael ten Hompel, Institutsleiter des Fraunhofer IML, lobt die neue Lösung: „Wir freuen uns nicht nur, weil Logistikbude an unserem Institut entstanden ist, sondern auch, weil sie ein wertvolles Instrument darstellt, um das Effizienzpotenzial im Bereich Transport und Logistik noch besser auszuschöpfen. Die Fraunhofer-Forschenden stellen damit einmal mehr ihre Fähigkeit unter Beweis, praxisnahe und hilfreiche Lösungen für die Industrie zu entwickeln.“

Weniger Konflikte zwischen Geschäftspartnern

Die Software soll auch regelmäßig auftretende Probleme zwischen Geschäftspartnern vermeiden. Belädt zum Beispiel ein Glashersteller seine Transportgestelle mit Fenstern und lässt diese vom Spediteur abholen, dann erhält er entweder gleich leere Gestelle zurück, oder die Spedition liefert die Ware beim Empfänger ab und bringt dann die Gestelle zurück. Dabei kommt es immer wieder zu Missverständnissen oder Konflikten, etwa wenn ein Gestell fehlt oder dieses nach Auffassung des Empfängers beschädigt ist.

Das gemeinsame Management der Ladungsträger hilft, Irrtümer und Überraschungen von vornherein zu vermeiden. Denn Status und Position jedes Ladungsträgers sind transparent einsehbar. So könnte beispielsweise der Empfänger über die Smartphone-App vermerken, wenn ein Gestell beschädigt angekommen ist. Auch Unternehmen, die bereits über ein eigenes Ladungsträgermanagement verfügen, können von der Lösung profitieren.

Sensoren für Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Es gibt auch die Möglichkeit, die Ladungsträger mit Sensoren auszustatten. Diese registrieren Werte wie den Standort, die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit und schreiben sie in die digitale Ladungsträgerakte. Damit könnten sie beispielsweise über den Zustand von Lebensmitteln Auskunft geben.

Die Fraunhofer-Forschenden haben die Software nutzerfreundlich gestaltet. Es ist nicht notwendig, das System speziell zu konfigurieren oder anzupassen. „Wir haben einen Tag Einarbeitung vorgesehen, dann kann der Kunde sofort loslegen“, verspricht Wrycza.

Dr. Volker Lange, Leiter Verpackungslogistik am Fraunhofer IML, hat die Arbeit des Teams von Beginn an begleitet. „Von der ersten guten Idee bis zu einer marktreifen und sauber funktionierenden Lösung sind unsere Forschenden einen langen Weg gegangen“, sagt er. „Das Spin-off hat jetzt beste Voraussetzungen, um die Lösung erfolgreich auf dem Markt zu etablieren.“

Bildergalerie

  • Position und Status von Paletten, Kisten und Tanks lassen sich jederzeit einsehen und nachverfolgen.

    Bild: Logistikbude

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