Mikkel Hippe Brun ist Co-Founder und Senior Vice President, Greater China bei Tradeshift, einer globalen digitalen Handelsplattform für Lieferkettenaktivitäten. Er ist außerdem CEO und General Manager von Tradeshift China, das sowohl inländischen als auch ausländischen Unternehmen, die in China tätig sind, Zugang zur Tradeshift-Plattform bietet.

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Mikkel Hippe Brun, Tradeshift Lieferketten-Resilienz und Digitalisierung gehen Hand in Hand

16.11.2021

Supply-Chain-Experten sagen voraus, dass die derzeitige Unterbrechung bis 2022 andauern könnte. Vorausgesetzt, wir vermeiden weitere Unterbrechungen auf dem Weg dorthin – was alles andere als sicher ist. Es zeichnet sich ein Konsens ab, dass eine "Rückkehr zur Normalität" in Bezug auf die Lieferketten nicht ausreicht.

Laut McKinsey planen 93 Prozent der Supply-Chain-Betreiber Schritte, um ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Interessanterweise waren die Befragten geteilter Meinung darüber, ob sie bereit sind die kurzfristige Rentabilität zu opfern, um der Resilienzplanung Vorrang zu geben. Unternehmen aus der Elektronikbranche haben das mit Extremszenarien verbundene Risiko vielleicht unterschätzt, aber ein Schritt zu weit in die entgegengesetzte Richtung könnte für zukünftige Geschäftsmodelle ebenso verheerend sein.

Covid hat die Torheit von "Just-in-time"-Lieferketten aufgezeigt. Die Wirtschaftlichkeit des Aufbaus widerstandsfähigerer Lieferketten mag im Moment noch nicht stimmen. Aber die Regierungen haben berechnet, dass das Risiko des Nichtstuns die Kosten für Investitionen in lokalisierte Produktionskapazitäten bei weitem übersteigt.

Für viele Unternehmen der Elektronikbranche ist eine solche umfassende Neukonfiguration jedoch weder praktikabel noch wirtschaftlich tragfähig. Die Revolution wird kommen und die Technologie wird der Katalysator sein. Die Kombination aus Automatisierung, Robotik und 3D-Druck hat bereits jetzt einen tiefgreifenden Einfluss. Nicht nur darauf, wo die Fertigungskapazitäten angesiedelt sind, sondern auch darauf, was die Fabriken produzieren.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Fabriken ein einzelnes Produkt zu den geringstmöglichen Kosten fertigen. Stattdessen kann eine neue Generation von hochautomatisierten Anlagen innerhalb von Stunden neu konfiguriert werden, um eine breite Palette von Produkten entsprechend der Echtzeit-Nachfrage zu produzieren. Die gleiche Flexibilität macht es auch einfacher, Spezifikationen von einer Vielzahl von Lieferanten in die Produktionszyklen aufzunehmen.

Resilienz muss nicht als zusätzlicher Posten in der Soll-Spalte der Unternehmensbilanzen enden. Dank des technologischen Fortschritts können Unternehmen auf eine Zukunft zusteuern, in der die Lieferketten ebenso kosteneffizient wie belastbar sind. Eine Revolution dieser Größenordnung wird möglich, wenn die Grundlagen, auf denen Unternehmen aufbauen, vollständig digital sind. Wenn das bedeutet, die Prozesse, deren Basis Papier-Dokumente sind, ein für alle Mal loszuwerden, dann fühlt sich das offen gesagt wie der Deal des Jahrhunderts an.

Die Digitalisierung der Einkäufer-Lieferanten-Beziehung setzt voraus, dass beide Parteien das Gefühl haben, dass sie aus der Umstellung einen echten Nutzen ziehen. Der Wert für den Lieferanten ist ein wichtiger Teil. Erst dieser Ansatz ermöglicht es, ganze Lieferketten schnell und in großem Umfang zu digitalisieren. Innovative Unternehmen wählen cloudbasierte Plattformen mit Netzwerkcharakter, weil diese es den Lieferanten leicht machen, sich für sie zu entscheiden.

Die Digitalisierung zwischen Einkäufer und Lieferanten erhöht die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und ermöglicht eine effektivere Risikoabbildung. Zudem gibt sie Organisationen eine größere Flexibilität, alternative Lieferanten zu identifizieren und einzubinden, falls ein wichtiges Glied in der Kette unter Druck gerät oder ausfällt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Transparenz über die gesamte Wertschöpfungs- und Lieferkette hinweg inklusive Daten und Analysen zu Nachhaltigkeitszielen. Unternehmen aus der Elektronikbranche können so die Richtlinien des Lieferkettengesetzes erfüllen. Dies ist mit entsprechender Digitalisierungstechnologie heute schon möglich.

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