Länderübergreifendes Forschungsprojekt Kunststoffe direkt aus Hüttengasen herstellen

Das Konsortium von 14 Partnern aus sieben Ländern erforscht unter Führung von Covestro, wie Hüttengase aus der Stahlindustrie besonders effizient und nachhaltig zur Produktion von Kunststoffen verwendet werden können.

Bild: Covestro
03.11.2017

Ein neues Verfahren soll es ermöglichen, die Vorprodukte von Kunststoff unmittelbar aus den Abgasen der Stahlindustrie herzustellen. Dadurch lässt sich ihr CO2-Fußabdruck verringern und Erdöl einsparen. Ein Konsortium unter Führung von Covestro arbeitet nun bei der Entwicklung eines effizienten Verfahren eng zusammen.

Die Nutzung von Kohlendioxid und anderen Abgasen als neue Rohstoffquelle wird zunehmend zu einem Thema auf europäischer Ebene. Ein neues Konsortium von 14 Partnern aus sieben Ländern will jetzt unter Führung des Werkstoffherstellers Covestro erforschen, wie Hüttengase aus der Stahlindustrie besonders effizient und nachhaltig zur Produktion von Kunststoffen verwenden werden können. Der Vorteil: Dadurch lässt sich der traditionelle Rohstoff Erdöl einsparen.

Vom Abgasverursacher bis zum Kunststoffverarbeiter

Das als Carbon4PUR bezeichnete Projekt begründet eine Kooperation vom Abgasverursacher bis zum Kunststoffverarbeiter. Die Europäische Union fördert das Vorhaben unter dem Dach der europäischen Fördergesellschaft SPIRE über drei Jahre mit rund acht Millionen Euro. Die Industriepartner steuern insgesamt noch einmal die gleiche Summe bei.

Konkret geht es in dem Projekt darum, Gemische aus Kohlendioxid und Kohlenmonoxid zu nutzen, die bei der Stahlproduktion anfallen. Ziel ist es, Polyole herzustellen. Das sind zentrale Komponenten von Dämmstoffen und Lacken auf Polyurethan-Basis, die normalerweise aus Erdöl gewonnen werden. Das Besondere an dem zu entwickelnden Verfahren: Der Abgasstrom muss nicht aufwändig in verschiedene Gase getrennt werden. In einem chemo-katalytischen Prozess soll das Gasgemisch vielmehr direkt zu den Vorprodukten weiterverarbeitet werden. Deren CO2-Fußabdruck kann so um 20 bis 60 Prozent verringert werden.

„Wir sind gemeinsam auf dem Weg zu einer entscheidenden Innovation. Abgas-Gemische aus der Stahlindustrie können auf wirtschaftliche Weise Kohlenstoff für chemische Prozesse liefern und schließlich zur Herstellung von Dämmstoffen oder Lacken dienen“, erklärt Markus Steilemann, im Covestro-Vorstand zuständig für Innovation, Marketing und Vertrieb. „Das hilft uns dabei, die Ressourcenbasis zu verbreitern und die Klimabilanz der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern. Gleichzeitig wird der Verbundgedanke in der europäischen Industrie gestärkt.“

Partner aus Industrie und Wissenschaft

Ideale Startbedingungen für das industrielle Pilotprojekt sind bereits gegeben. Im südfranzösischen Fos liegen ein Stahlwerk von ArcelorMittal und eine Produktionsanlage von Covestro in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Gasverwertung entwickeln sie gemeinsam mit akademischen und institutionellen Partnern wie der RWTH Aachen, TU Berlin, Dechema, Imperial College London, den Universitäten Gent und Leiden, dem französischen Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives, South Pole Carbon Asset Management, Grand Port Maritime de Marseille und PNO Innovatieadvies. Von Südfrankreich aus könnten dann weitere Industriepartner wie der in Belgien ansässige Schaumstoffhersteller Recticel und der Lackproduzent Megara Resins aus Griechenland mit den innovativen Vorprodukten beliefert werden.

Covestro produziert bereits seit dem vergangenen Jahr mit Kohlendioxid ein Vorprodukt für weichen Polyurethan-Schaumstoff. Dieser ist für den Einsatz in Polstermöblen und Matratzen konzipiert. Gleichzeitig forscht das Unternehmen an weiteren Anwendungsgebieten für CO2-basierte Rohstoffe.

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