Entwicklungstools & Prototyping Hausbesuch bei der Heitec AG

14.02.2012

Wie man von der Entwicklung zur Fertigung kommt, warum das Unternehmen eigentlich keine Wettbewerber hat und welche heiligen Kühe nicht geschlachtet werden: E&E-Chefredakteur Michael Brunn auf Hausbesuch im Frankenland.

Eckental mag irgendwie romantisch klingen, letztlich landet man dann aber doch in einem Industriegebiet irgendwo im Niemandsland zwischen Nürnberg und Erlangen. Aber es passt ja auch, schließlich geht es hier um Industrie. Dafür macht das Firmengebäude trotz strömenden Regens ordentlich was her. Aber halt - wir wollen nicht nach dem �?ußeren urteilen, es kommt uns schließlich auf die inneren Werte an.

10:58Dann wollen wir den Herrschaften mal auf den Zahn fühlen. Selbst kurz vor Weihnachten hat man für mich noch eine ansehnliche Mannschaft zusammengetrommelt. Mit Roland Chochoiek und Horst Dietz, beide Geschäftsgebietsleiter Elektronik, und Roland Herbst, der das Projektmanagement der Electronic-Packaging-Systeme verantwortet, ist die gesamte Führungsriege der Elektronik-Sparte von Heitec anwesend. So gehört es sich auch bei einem Besuch der E&E. Was ebenfalls von Vorteil ist: Aufgrund der Inventur ist es relativ ruhig im Unternehmen. Und während Roland Chochoiek gerade zu einem Vortrag über das Unternehmen ansetzt, kommt eine weitere Kollegin dazu: Franziska Jonda ist eigentlich schon auf dem Sprung in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub, also wollen wir sie nicht unnötig warten lassen.

11:14Als Assistentin der Geschäftsbereichsleitung Elektronik ist sie bei Heitec so ein bisschen das - unentbehrliche -Mädchen für alles: Neben der klassischen Assistenzarbeit gehören das Berichtswesen und die Koordination des Geschäftsbereichs zu ihren Aufgaben, wie sie erklärt. Im Unternehmen ist sie seit Mai 2010. Aber warum ausgerechnet Heitec? "Die Unternehmensgröße hat mich unheimlich gereizt", erklärt Franziska Jonda. "Es gibt noch viel Flexibilität, es ist nicht alles so eingefahren. Man kann sich selber einbringen." Und das, obwohl sie nach eigenen Angaben vorher keinerlei Bezug zur Elektronik hatte. Und was genau ist jetzt das Spannende an ihrer Tätigkeit? "Wenn ich morgens reinkomme, weiß ich zwar ungefähr, was passiert - kann es aber noch nicht ganz genau sagen. Und das ist spannend." Ok, das klingt plausibel. Und es gibt wohl nichts, was ihr nicht gefällt. Liegt das wirklich am tollen Unternehmen oder doch eher an der Anwesenheit der hohen Herren?

11:29So, jetzt darf Roland Chochoiek endlich zu Wort kommen - und er muss erst einmal erklären, was es mit der Heitec AG so auf sich hat. Denn die Formulierung "Geschäftsbereich Elektronik" lässt darauf schließen, dass es noch andere Bereiche gibt. Gegründet wurde das Unternehmen vor 28 Jahren von Richard Heindl. "Daher stammt auch unser Name", erklärt Roland Chochoiek und fügt lachend hinzu: "Wir wissen, dass man Hightech anders schreibt als wir es im Firmennamen tun." Humor haben sie hier - immer ein gutes Zeichen. Und was genau macht jetzt die Heitec AG? "Wir bieten Industrielösungen aus einer Hand und kreieren diese indivduell für unsere Kunden", erläutert Roland Chochoiek. "Dabei geht es immer um Lösungen im Umfeld Software, Mechanik und Elektronik." Und um Industrie - denn mit der schnelllebigen Consumerwelt hat man bei Heitec nichts zu tun.

11:47Das Unternehmen setzt sich aus insgesamt sechs Geschäftsbereichen zusammen. Neben der Elektronik gehören noch Automatisierung, Produktionssysteme, Mess- und Prüftechnik, Software-Lösungen sowie Dokumentations- und Informationsmanagement dazu. Allerdings macht der Geschäftsbereich Elektronik etwa die Hälfte des Umsatzes der gesamten AG aus. Mehr als 800 Mitarbeiter arbeiten an 17 deutschen und sieben ausländischen Standorten. "Unser Schwerpunkt ist ganz klar Deutschland", erläutert Roland Chochoiek die Unternehmensstrategie. "Wir wollen so nah wie möglich beim Kunden sein, und das natürlich auch physisch."

11:59Seit April 2011 gehört auch Rumänien mit 14 Mitarbeitern zu den Heitec-Standorten. Aber dabei geht es schon längst nicht mehr um einen Preisvorteil, wie Horst Dietz, für die Elektronik-Entwicklung zuständig, betont. "Es geht darum, Entwicklungsressourcen zu bekommen, die am deutschen Markt nicht verfügbar sind", erklärt er. "Da gibt es sehr gute Entwickler mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung, die sind in Deutschland nicht zu haben. Wir holen die Mitarbeiter für ein halbes Jahr nach Deutschland, um sie mit ihren Kollegen und den Prozessen vertraut zu machen. Und bisher haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht." Auf die Qualifikation der Mitarbeiter legt man bei Heitec generell großen Wert. "Als Engineering-Dienstleister muss man die entsprechenden Qualifikationen mitbringen", so Roland Chochoiek. "Fast die Hälfte der Mitarbeiter verfügt über einen Hochschulabschluss und auch in der Fertigung beschäftigen wir zu 99 Prozent Facharbeiter." Keine Frage, ein hohes Niveau.

12:22Der Geschäftsbereich Elektronik setzt sich bei Heitec wiederum aus drei Säulen zusammen: Entwicklung, Fertigung und seit Anfang 2010 Aufbausysteme. Diesen Bereich hat man von Rittal übernommen - und damit nach eigener Ansicht ein Portfolio, das zumindest in Deutschland konkurrenzlos ist. "In der Kombination, mit dem Tiefgang, gibt es das nur einmal im Markt", so Roland Chochoiek. Und Horst Dietz ergänzt: "Es gibt Fertiger, Entwicklungs-Dienstleister und Anbieter von Aufbausystemen. Eventuell gibt es noch Kombinationen aus zwei Bereichen, aber nicht alle drei." Dabei hat man bei Heitec ursprünglich als reiner Entwicklungs-Dienstleister angefangen - durch Kundennachfrage kam dann irgendwann die Fertigung hinzu. "Jetzt können wir Elektronik nicht nur entwickeln und fertigen, sondern auch fachgerecht verpacken", erklärt Horst Dietz nicht ohne Stolz.

12:39Die große Stärke des Unternehmens sieht Horst Dietz vor allem in einem regulierten Umfeld, in dem Prozesse eine große Rolle spielen. Als Beispiele nennt er die Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt und die Kerntechnik. "Da fühlen wir uns wohl, da sprechen wir die Sprache der Kunden und bieten hochwertige Dienstleistungen an." Weiter führt er aus: "Wir können laut Medizinproduktegesetz für unsere Kunden Produkte in Verkehr bringen. Darüber hinaus sind wir nach den Richtlinien für kerntechnische Anlagen auditiert." Hier steht dann auch nicht mehr der Preis im Mittelpunkt, hier kommt es auf das Know-how an. Daher ist die Zahl der Wettbewerber auch überschaubar. "Das ist fast schon ein geschlossener Markt", so Horst Dietz.

12:52Auch wenn man durch schlanke Strukturen gute Preise machen kann, ist das bei Heitec nicht der entscheidende Aspekt. "Bei Projekten, bei denen es um den letzten Euro geht, findet sich immer ein kleines Ingenieurbüro, das billiger anbieten kann", so Horst Dietz. "Unsere Intention ist es, langfristige Partnerschaften mit Unternehmen zu pflegen, die das Potential von Heitec erkennen." Und es geht immer um die individuelle Lösung. "Wir haben gar nicht den Anspruch, uns mit den großen EMS-Dienstleistern zu vergleichen", erklärt Roland Chochoiek. "Das ist eine andere Baustelle, da geht es um hocheffiziente Volumenfertigung. Das würden wir nicht wollen, und da würden wir auf Dauer auch nicht konkurrieren können. Wir sind in der Lage, den Kunden in seinem Produktlebenszyklus zu unterstützen, das heißt: Sein Produkt auch wirklich so lange am Leben zu halten und für ihn zu fertigen, wie er es braucht."

Und das heißt auch: Nicht mit dem Kunden in einen Wettbewerb zu treten. Ganz bewusst entwickelt und fertigt Heitec keine eigenen Produkte. "Das ist bei uns eine heilige Kuh", beschreibt Roland Chochoiek die Strategie. "Wir treten nicht in Konkurrenz zu unseren Kunden. Nur so kann aus unserer Sicht das Vertrauensverhältnis bestehen bleiben." Für Vertrauen soll auch das modulare Angebot sorgen: Kunden können das "Komplett-Wohlfühlpaket" bekommen, sich ihre Dienstleistungen aber auch individuell zusammenstellen. "Wir wollen niemandem ein Paket aufzwingen", erläutert Roland Chochoiek. "Unsere Geschäftsmodelle ermöglichen eine sehr hohe Flexibilität, daher passen wir unser Angebot individuell an die Wünsche des Kunden an."

13:09Nach so viel Theorie wird es Zeit für einen kleinen Ausflug in die Praxis. Trotz Jahresende sind zahlreiche Mitarbeiter unterwegs - Inventur wird hier immer noch von Hand gemacht. Und das ist nicht ohne. So werden etwa 14.000 verschiedene Bauteile gelagert, die natürlich auch alle erfasst werden müssen. Und auch in der Fertigung ist man an der einen oder anderen Stelle noch aktiv. So müssen einige Baugruppen noch getestet werden - wie immer bei Heitec zu 100 Prozent. Manchmal sogar etwas mehr, wie Horst Dietz berichtet. So müssen für bestimmte Anwendungen in der Energietechnik die Baugruppen zerstört werden, damit man weiß, was passiert. Das wäre im Ernstfall dann doch unangenehm.

13:42Nach einem kurzen Ausflug ans Buffet (das nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten nicht jeden Tag angeboten wird), warten zwei weitere Mitarbeiter auf uns. Oliver Müller, Projektmanager im Angebotszentrum, ist seit der Übernahme des Electronic-Packaging-Geschäfts im Januar 2010 bei Heitec. Er ist für alle Anfragen zuständig, die entweder über den Außendienst und direkt hereinkommen. Hier gilt es, die Anforderungen sowohl aus technischer als auch aus kaufmännischer Sicht zu prüfen. Dabei arbeitet er mit nahezu allen internen Abteilungen zusammen: Einkauf, Technik, Konstruktion, Fertigung. Und gerade diese Schnittstellenfunktion macht für ihn den besonderen Reiz seiner Tätigkeit aus. Daneben schätzt der Industriemeister Elektrotechnik und technische Betriebswirt auch das Projektgeschäft. "Jeden Tag passiert etwas Neues, es gibt neue Anforderungen", beschreibt er seinen Arbeitsalltag.

13:59Auch Frank Ibler kam mit der Übernahme der Rittal-Sparte zu Heitec und kümmert sich hier um den Musterbau und Prototypenaufbau. Seine Arbeit beginnt, wenn ein Gerät das erste Mal gefertigt wird und die Unterlagen noch nicht vollständig sind. Er entwickelt die Produkte weiter bis zur Serienreife und kümmert sich um die Dokumentation. "Es macht Spaß, wenn etwas noch nicht so genau dokumentiert ist", beschreibt er seine Motivation. "Man muss sich alles ein bisschen selber zusammenbasteln und kann selber weiterentwickeln." Gerade die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten und Ideen einzubringen, sieht er als große Vorteile seiner Tätigkeit.

14:09Dieses Einbringen der eigenen Ideen und Fähigkeiten wird bei Heitec nicht nur geschätzt, sondern auch ausdrücklich gepflegt. Denn davon lebt das Unternehmen nicht zuletzt. Umgekehrt sieht Roland Herbst genau das auch als die Chance für Mitarbeiter. "Im Gegensatz zu einem Produkthersteller bieten wir ein sehr breites Spektrum an Themen. Junge Ingenieure können sich in Projekten beweisen und in die Themen reinwachsen." Auch die Branchenvielfalt bietet aus seiner Sicht viele Möglichkeiten. "Wenn man engagiert und motiviert ist, kann man bei Heitec Karriere machen." Aus Sicht von Roland Chochoiek ist es vor allem die Kombination aus den Prozessen eines Großbetriebes mit kurzen Wegen, Flexibilität und schnellen Entscheidungesprozessen, die das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv machen. Das sieht Horst Dietz ähnlich. "Es ist großartig mitzuerleben, wie aus einem Ingenieurbüro mit drei Mitarbeitern eine eigentümergeführte Aktiengesellschaft geworden ist. Dennoch traut man sich Entscheidungen zu treffen, und zwar schnell." Darüber hinaus schätzt er die Freiheitsgrade, die das Unternehmen bietet. "Wenn man der Strategie der Firma folgt, kann man sich in einem sehr breiten Band bewegen, um seine eigenen Ideen zu verwirklichen." Alle drei sind sich einig, dass die Unternehmenskultur und die offene Kommunikation ein weiterer Erfolgsfaktor sind. "Jeder Mitarbeiter hat die gleichen Informationen, das ist vor allem in größeren Unternehmen nicht üblich", so Roland Herbst. Das Schlusswort hat Roland Chochoiek. Auf die Frage, warum sich ein Kunde für die Heitec AG entscheiden sollte, antwortet er: "Weil wir ein kompetenter Ansprechpartner sind, der sich aus innerster Überzeugung heraus seinem Problem annehmen und eine Lösung mit ihm finden will." Na damit ist doch alles gesagt.

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