Vom Engineering bis zur Errichtung ganzer Tankläger für den Chemiegroßhandel sowie die Vorbehandlungsanlagen für die Feuerverzinkungsindustrie gehören zu den Kernsegmenten von Weber Kunststofftechnik.

Bild: Weber Kunststofftechnik

Komplexe Unternehmens- und Fertigungsstrukturen im Griff Globale ERP-MES-Einführung

21.07.2020

Wächst ein Unternehmen, müssen auch die informationstechnischen Strukturen und Anwendungen mithalten. Erst recht bei einer Expansion über die Landesgrenzen hinaus. Eine globalen ERP-Strategie berücksichtigt die Anforderungen eines Anlagenbauers und Sonderfertigers genauso wie die werks- und landesübergreifenden Unternehmensstrukturen. Der Effekt lässt sich letztlich an den betriebswirtschaftlichen Zahlen ablesen.

Weber Kunststofftechnik mit Hauptsitz in Minden (Westfalen) hat es vom Ein-Mann-Handwerksbetrieb zu einem international tätigen Hersteller von Kunststofftechnik geschafft. Das Familienunternehmen ist seit seiner Gründung 1967 auf die Herstellung von Kunststoffbehältern und -apparaten für die sichere Lagerung und das sichere Handling von Chemikalien und aggressiven Medien spezialisiert.

Das Portfolio für den Behälterbau ist inzwischen groß und reicht von Rund- und Rechteckbehältern über Sicherheitspaletten und Auffangwannen für die Gefahrstofflagerung, Abluftreinigungsanlagen, Abfüllstationen, Dosieranlagen bis hin zu Silos und zur Peripherie um die Komponenten. Vom Engineering bis zur Errichtung ganzer Tankläger für den Chemiegroßhandel sowie die Vorbehandlungsanlagen für die Feuerverzinkungsindustrie gehören zu den Kernsegmenten. Ihre Gemeinsamkeit: Es handelt sich fast ausschließlich um kundenspezifische Sonderanfertigungen.

ERP-MES bis zur Faktura

Der Aufbau eines weiteren Werks in Polen – zunächst mit rund 150 Mitarbeitern – war schließlich auch Ausgangspunkt für die Einführung eines umfassenden ERP-Systems. „Tatsächlich arbeitete bis zu diesem Zeitpunkt lediglich der Vertrieb und der Einkauf mit einer kleiner IT-Systemlösung“, erinnert sich Yvonne Grünewald, Leiterin Controlling bei Weber Kunststofftechnik.

In der Fertigungsplanung und -steuerung waren hingegen Excel- und Word-Dokumente oder sogar handschriftliche Dokumente im Einsatz. Diese Mittel reichten für die komplexe Vernetzung des Stammwerks in Minden mit dem neuen Werk in Polen einfach nicht mehr aus – erst recht nicht mit der Perspektive weiteren Wachstums. Die zentralen Anforderungen an das neue System waren daher sowohl Funktionalitäten für den Anlagenbau und die Sonderfertigung als auch für die Mehrwerkesteuerung über Werks- und Landesgrenzen hinaus.

Die Wahl fiel auf den ERP-Standard PSIpenta sowie einige integrierte MES-Module des Berliner ERP- und MES-Spezialisten PSI Automotive & Industry. So melden inzwischen alle 500 Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten über die Personalzeiterfassung. 210 User arbeiten täglich auch darüber hinaus mit dem System, angefangen beim Kontaktmanagement bis zur Dokumentation. Erhält Weber Kunststofftechnik eine Kunden-Anfrage, erstellt das ERP-System auf Basis einer Produktauslegung- und Preiskalkulation ein Angebot. Vor Bestätigung des Auftrags ermittelt der integrierte PSI-Leitstand eine Termin- und Ressourcenplanung, die wiederum Basis für der Erstellung der Fertigungsaufträge ist.

Die exakten Konstruktionspläne erhält das ERP-System aus einem angebundenen PDM-System und stößt die nächsten Schritten an: Die Erstellung der Fertigungsstücklisten, die Aktivierung und Freigabe des Fertigungsauftrags, gegebenenfalls eine Auswärtsvergabe an das Schwesterwerk in Polen via Multisite sowie der Start der (physischen) Fertigung. Eine integrierte Betriebsdatenerfassung (BDE) meldet für die Produktionsplanung und -steuerung relevante Daten automatisch zurück. Im letzten Schritt erstellt das System die erforderlichen Lieferscheine und nimmt die Fakturierung sowie eine Soll-Ist-Auswertung vor.

Tägliche Änderungen ohne Probleme

Wichtig sind für Weber Kunststofftechnik vor allem jene Funktionalitäten, die Änderungen bzw. Ergänzungen während des Planungsprozesses unterstützen. Denn die gehören zum täglich Brot eines Sonderfertigers und Anlagenbauers. „Angenommen, wir fertigen einen Rundbehälter mit Auffangwanne. Dann steht ggf. schon recht früh fest, wie der Zylinder aussehen muss. Die Stutzen hingegen sind noch nicht klar definiert. Natürlich macht es aber Sinn, dann schon mit dem Wickeln des Zylinders zu beginnen“, erklärt Yvonne Grünewald, die als Leiterin Controlling auch bestens mit den Produktionsabläufen vertraut ist.

Das ERP-System unterstützt diese Flexibilität durch „wachsende“ Stücklisten sowie über die Indexierung. „Die Flexibilität im Auftragsmanagement ist für uns wirklich unheimlich wichtig. So können zum Beispiel auch verschiedene Abteilungen parallel arbeiten oder in immer wieder unterschiedlichen Reihenfolgen mit der Auftragsbearbeitung starten. Änderungen pflegen wir einfach ins System ein. Andere ERP-Lösungen verhalten sich sehr starr in den Abläufen, was dazu führt, dass nachträgliche Änderungen mit einem hohen Aufwand verbunden oder gar nicht möglich sind“, so Grünewald.

Transparente Mehrwerkesteuerung

Eng miteinander verzahnt sind heute auch die Werke in Polen und Minden – trotz prinzipieller Eigenständigkeit sowie eigenen Vertrieb- und Einkaufsabteilungen. Entscheidend ist jedoch, dass sie jeweils auf die Kapazitäten des anderen zurückgreifen können. Dabei fungiert insbesondere Polen als verlängerte Werkbank von Minden. „Wenn wir in Minden keine Kapazitäten frei haben, vergeben wir die Produktion nach Polen. Da das Material von Minden beigestellt wird, sind hier regelmäßig umfangreiche Materialbewegungen notwendig“, erläutert der IT-Leiter.

Genau hier kommt die Mehrwerkesteuerung PSIpenta Multisite zum Tragen, die diese Anforderungen originär abbildet, jeweils in deutscher und polnischer Oberfläche. Eine besondere Rolle spielt dabei auch der PSI-Leitstand, über den ursprünglich die beiden Werke von Minden aus disponiert werden sollten. Durch das schnelle Wachstum des Standorts in Polen, verfüge das Werk aber bald über eine eigene Arbeitsvorbereitung. Der Leitstand ist dennoch im Einsatz, wenn auch durchaus ungewöhnlich. Denn die Werke nutzen ihn für die gemeinsame Ressourcenplanung und Terminierung.

Der Vorteil: Die Werke können jeweils die Kapazitätsplanungen einsehen und zum Beispiel abschätzen, ob die Fremdvergabe eines Auftrags möglich ist. So lassen sich auch die Einkaufsmasken oder Lageransichten beider Werke zu einer Oberfläche verknüpfen. „Das klingt banal. Tatsächlich spart es Zeit und Aufwand, da wir wie in einer gemeinsamen Firma arbeiten und jeder Anwender die Möglichkeit hat, sich die Informationen und Dokumente aus beiden Werken anzuschauen “, so IT-Leiter Arne Bokemeyer. Die Belieferung der Kunden erfolgt dann jeweils vom fertigenden Werk.

Betriebswirtschaftliche Zahlen überzeugen

Dank des ERP-MES-Systems ist Komplexität der werksübergreifenden Planungs- und Ablaufprozesse heute beherrschbar. Der Erfolg steht und fällt dabei mit der hohen Datenqualität, den geschaffenen Strukturen und zahlreichen ineinandergreifenden Automatismen. Die sorgen nicht zuletzt für geringere Arbeitsaufwände. „Unsere Material- und Fertigungsdisposition ist heute viel genauer und effizienter. Letztlich sprechen die betriebswirtschaftlichen Zahlen eine klare Sprache“, weiß Grünewald.

Von hohem Wert ist letztlich die Transparenz über die Auftragsstände. 100 Reports liefert PSIpenta für die verschiedensten Geschäftsbereiche und ist somit Ausgangspunkt für weiterführende Analysen bzw. Entscheidungsgrundlage für Investitionen der Geschäftsführung. Nicht zuletzt schätzten die Verantwortlichen bei Weber Kunststofftechnik den Support Ihres ERP-Anbieters. „Aus Erfahrung kann ich wirklich sagen, dass der richtig gut und im Vergleich zu anderen Herstellern auch richtig schnell ist“, so Arne Bokemeyer, Leiter IT. Das ERP-MES-System verschafft Weber Kunststofftechnik heute den notwendigen IT-Rahmen, um als internationales Unternehmen erfolgreich in die Zukunft blicken zu können – weiteres Wachstum miteingeschlossen.

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