Methan und Erdgas aus Mülldeponien gewinnen

Gas reinigen statt abfackeln: Aus Abfall wird nachhaltige Energie

Für das neuartige Verfahren seiner Forschungsgruppe werden die Gasgemische nicht nur durch Membranen gefiltert, sondern auch mittels Adsorptionstechnologie aufgetrennt.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit Gemini
29.09.2026

Abfall in Energie zu verwandeln ist in Zeiten des Klimawandels ein zunehmend wichtiger Ansatz, um Energieversorgung nachhaltiger zu machen. Ein Team der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) forscht nun in Kooperation mit dem französischen Unternehmen Prodeval an einem neuartigen Verfahren, mit dem sich Mülldeponie-Gase so aufbereiten lassen, dass sie in das Erdgasnetz eingespeist werden können oder als Bio-Flüssigerdgas (sogenanntes Bio-LNG) zur Verfügung stehen.

„Nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus ist es für Unternehmen spannend, methanreiche Deponiegase nicht – wie oft üblich – abzufackeln, sondern sie aufzureinigen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Niklas Döring, Leiter der Forschungsgruppe Energie- und Ressourceneffizienz in der Prozessindustrie (ERPI) im Institut für Interdisziplinäre Technik (iit) an der Frankfurt UAS.

„Allerdings ist die Aufreinigung kompliziert, weil Deponiegase eine komplexe Matrix aus Gaskomponenten bilden und hohe Luftmengen enthalten“, erläutert der Wissenschaftler, der auch Studiengangsleiter des Bachelor-Studiengangs Bioverfahrenstechnik ist.

Adsorptionstechnologie kombiniert mit Membranfilterung

Für das neuartige Verfahren seiner Forschungsgruppe werden die Gasgemische nicht nur durch Membranen gefiltert, sondern auch mittels Adsorptionstechnologie aufgetrennt. Das bedeutet, dass die Gase durch einen Feststoff – das Adsorbens – geleitet werden, an dem einzelne Komponenten des Gemisches gewissermaßen „haften“ bleiben. „Dabei verspricht unser Verfahren eine deutlich höhere Ausbeute des Wertstoffs Methan als bisher etablierte Methoden“, so Döring.

„Als führender Hersteller von Anlagen zur Biogasaufbereitung arbeiten wir kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Technologien und ihrer Anpassung an neue Anwendungsfelder“, sagt Sébastien Paolozzi, Präsident von Prodeval. „Mit der Aufbereitung und Verwertung von Deponiegas beschäftigen wir uns bereits seit der Gründung von Prodeval. Die Weiterentwicklung des Verfahrens mit dem Ziel, insbesondere die anspruchsvolle Abtrennung von Stickstoff effizienter und kostengünstiger zu gestalten, ist daher ein konsequenter nächster Schritt. Die Zusammenarbeit mit der Frankfurt University of Applied Sciences bietet uns die Möglichkeit, hierfür neue Ansätze wissenschaftlich zu untersuchen und die Technologie gezielt weiterzuentwickeln.“

Komplette Anlage wurde selbstgebaut

Ein großer Teil der Forschung wird mithilfe einer Anlage durchgeführt, die das Team unter Federführung des festen wissenschaftlichen Mitarbeiters und Laboringenieurs Thomas Welter selbst gebaut hat: Die Forschungsgruppe hat ein Analysegerät für die Adsorptionsmessung – einen sogenannten Durchbruchsanalysator – entworfen, das ihr größere Flexibilität beim Experimentieren eröffnet als am Markt erhältliche Modelle. Beispielsweise lassen sich in einem weiten Druck- und Temperaturbereich Gleichgewichts- und Kinetikdaten für komplexe Gasgemische und die unterschiedlichsten Prozessvarianten mit hoher Genauigkeit erfassen.

Auch bei vergangenen Projekten der Forschungsgruppe kam die Anlage bereits zum Einsatz, etwa bei einem durch einen Industriepartner geförderten Forschungsprojekt zur Gewinnung von hochreinem Biogas aus der Vergärung von Biomasse und einem durch das Land Hessen geförderten Projekt zur Aufkonzentrierung von Lösemitteln aus Druckereiprozessen.

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