Einheitliche Prüfstandards statt Doppelstrukturen

Ein Standard für die Flanschmontage

Flanschverbindungen gelten als sicherheitsrelevante Komponenten. Es sollten Mindestanforderungen festgelegt werden, die die gegenseitige Anerkennung qualifizierter Flanschenmonteure regeln.

Bild: iStock, freeman98589
02.04.2026

Der ChemCologne-Arbeitskreis „Flanschverbindungen“ hat ein Statement zur gegenseitigen Anerkennung qualifizierter Flanschenmontierender erarbeitet. Es definiert Mindestanforderungen an Schulungen, Prüfungen und Dokumentation.

Der ChemCologne-Arbeitskreis „Flanschverbindungen“ hat ein gemeinsames Statement zur gegenseitigen Anerkennung qualifizierter Flanschenmonteure erarbeitet. Nach fast einem Jahr intensiver Zusammenarbeit haben die technischen Fachleute der Chemieunternehmen aus der Region einen einheitlichen Mindset-Standard geschaffen, der die Sicherheits- und Qualitätskultur in der Chemie nachhaltig stärkt. Die Initiative wurde maßgeblich von Vertretern der Unternehmen Braskem, Shell, LyondellBasell und Ineos in Köln vorangetrieben und setzt ein deutliches Zeichen für mehr Kooperation in der Branche.

Einheitliche Mindestanforderungen an Flanschverbindungen

Flanschverbindungen gehören zu den sicherheitsrelevantesten Komponenten industrieller Rohrleitungssysteme. Eine fehlerhafte Montage kann zu Leckagen, Umweltbeeinträchtigungen oder wirtschaftlichen Schäden führen. Entsprechend groß ist der Bedarf an eindeutigen Kriterien für die Qualifikation jener Personen, die solche Verbindungen montieren. Das veröffentlichte Statement definiert einheitliche Mindestanforderungen an Schulungen, Prüfungen und Dokumentation und legt fest, dass die beteiligten Unternehmen diese gegenseitig anerkennen.

Bereits während der fachlichen Abstimmungsrunden wurde die Relevanz dieser Harmonisierung für den industriellen Alltag deutlich. Christian Knollmann, Maintenance Leader bei Braskem, betont dies aus Sicht der betrieblichen Sicherheit: „Mit der gegenseitigen Anerkennung der zusätzlichen Kompetenzüberprüfung bereits qualifizierter Flanschenmontierenden schaffen wir einen substanziellen Mehrwert für die Sicherheit unserer Anlagen, besonders im Zuge des Onboardings bei Großabstellungen. Doppelstrukturen werden reduziert und die Effizienz erhöht, wodurch mehr Raum für die Unterweisung betriebsspezifischer Besonderheiten geschaffen wird – ein Plus an Sicherheit für alle Beteiligten.“

Einheitlicher Kompetenztest und fünfjähriger Qualifikationsnachweis

Im Zentrum der Initiative stehen ein einheitlicher theoretischer und praktischer Kompetenztest auf Basis der DIN EN 1591-4 sowie ein Qualifikationsnachweis mit einer Gültigkeit von fünf Jahren, der im DGMK*-Sicherheitspass dokumentiert wird. Ergänzende unternehmensspezifische Schulungen werden zusätzlich dokumentiert. Für Markus Richter, Team Lead MMI Projects & Mechanical bei Shell, ist dies ein entscheidender Schritt: „Leckagevermeidung ist einer der wichtigsten Hebel für mehr Sicherheit in unseren Anlagen. Einheitliche Anforderungen und transparente Prüfstandards sorgen dafür, dass wir dieses Ziel gemeinsam und konsequent erreichen.“

Neben den sicherheitsrelevanten Vorteilen erleichtert die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen die interne Organisation: Flanschmonteure müssen Schulungen und Prüfungen nicht mehrfach bei den teilnehmenden Unternehmen absolvieren. Dadurch werden Prozesse verschlankt und der Einsatz der dienstleistenden Firmen deutlich erleichtert.

Die Partnerunternehmen schaffen ein harmonisiertes System, das die Effizienz erhöht und die Qualität langfristig sichert. Antonio Ling, Reliability Manager bei LyondellBasell, betont die Bedeutung dieser Entwicklung: „Ein gemeinsames, klar definiertes Qualifikationsniveau ist mehr als ein technischer Standard, es ist Ausdruck einer gelebten Zusammenarbeit. Es unterstützt unsere Transformation, stärkt unser First Time Right-Prinzip und schafft ein hohes Maß an Vertrauen. Einheitliche Anforderungen geben Montierenden und Dienstleistungsunternehmen Orientierung, beschleunigen Abläufe und erhöhen die Effizienz im täglichen Arbeiten. Dieses abgestimmte Vorgehen stiftet nachhaltiges Vertrauen über Unternehmens- und Werksgrenzen hinweg und erleichtert unseren Alltag spürbar.“

Die beteiligten Unternehmen betrachten das Statement als Auftakt für eine breitere Brancheninitiative. Dr. Christof Riewenherm, Leiter des Zentralen Asset Service bei Ineos in Köln, sagt: „Die vorliegende Absichtserklärung ist ein erster Schritt. Unser Ziel ist es, weitere Unternehmen ins Boot zu holen und einen branchenweiten Standard zu etablieren, der dauerhaft Sicherheit und Qualität erhöht.“

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