R. STAHL Schaltgeräte GmbH

Otto Walch ist Koordinator für Internationale Zertifizierung, Laboratorien und Standardisierung bei R. Stahl.

Bild: R. Stahl Schaltgeräte

IEC-Normentagung „Die IEC-Normen werden nicht überall akzeptiert“

23.04.2019

Die International Electrotechnical Commission (IEC) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass weltweit einheitliche Normen für alle elektrischen, elektronischen und verwandten Technologien gelten. Im Gespräch mit der P&A spricht Otto Walch, Koordinator für Internationale Zertifizierung, Laboratorien und Standardisierung bei R. Stahl, über die Arbeit und Herausforderungen der IEC.

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Die IEC fragt offiziell bei den Mitgliedern an, wer die Normentagung austragen könnte. Wir haben signalisiert, dass wir die Tagung gerne abhalten würden.

Für die Tagung musste bestimmt viel vorbereitet werden …

Das stimmt. Wir haben uns mit dem TC 31 bezüglich des Termins und der Anzahl der Meetings abgestimmt. Hotels wurden ausgewählt und das Zimmerkontingent reserviert. Außerdem mussten hausintern Besprechungsräume ausgewählt und vorbereitet werden. Im Mittelpunkt stand dabei immer die Frage, wie viele Personen in welches Zimmer passen. Weiterhin gab es mit der Kantine Absprachen und wir informierten die R. Stahl-Mitarbeiter.

Wie arbeitet die IEC?

Die IEC wurde 1906 gegründet und ist die weltweit führende Institution zur Erstellung und Veröffentlichung von Normen. Aktuell arbeiten 105 technische Komitees mit weiteren 100 Sub-Komitees daran, die entsprechenden Normen zu erstellen. Ein technisches Komitee ist das TC 31 mit dem Titel „Equipment for explosive atmospheres“, frei übersetzt mit: „Geräte für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen“. Die Richtlinien der IEC umfassen alle elektrischen Geräte für den Gebrauch im Haushalt bis hin zur Industrieanwendung. An der Normungsarbeit sind fast 20.000 Experten aus Industrie, Handel, Behörden, Test- und Forschungslabors, Hochschulen und Verbrauchergruppen beteiligt. Falls zu einem bestimmten Thema keine Norm vorhanden ist, müssen neue Normen oder technische Spezifikationen erstellt werden. Auch die Überarbeitung einer Norm, damit sie dem neuesten Stand der Technik entspricht, gehört in den Aufgabenbereich.

Was sind die wichtigsten Themen der IEC?

Hier müssen unterschiedliche Aspekte betrachtet werden. Wichtig ist, dass die Geräte, die nach den Normen entwickelt und letztendlich gebaut werden, die vorgegebenen Sicherheitsanforderungen erfüllen und einen sicheren Betrieb leisten. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die weltweite Gültigkeit der gleichen Forderungen. Dies sind nur wenige, der sehr vielen IEC-Themen.

Seit wann ist R. Stahl IEC-Mitglied?

Wir arbeiten seit Mitte der 1980er Jahre an der Erstellung der IEC-Normen. Wir wirken in den verschiedenen Normungsgremien dabei mit, dass neue Vorgaben und Normen praxisgerecht technisch gut umsetzbar bleiben und Prüfverfahren sowohl gründlich und sicher als auch möglichst effizient gestaltet werden können.

Die Mitarbeiter übernehmen dabei ganz verschiedene Aufgaben. Welche Positionen haben Sie innerhalb des Komitees inne?

Ich persönlich bin Convenor, also Obmann, der Arbeitsgruppe WG 42 mit dem Titel „Safety Devices Related to Explosion Risk“ und des Maintenance -Teams MT 60079-18. In der WG 42 haben wir zuletzt eine technische Spezifikation erstellt, die am 17. April 2019 Jahres veröffentlicht wurde. Das Maintenance-Team ist dafür verantwortlich, dass die Norm 60079-18 mit dem Titel „Explosionsgefährdete Bereiche – Teil 18: Geräteschutz durch Vergusskapselung“ dem neuesten Stand der Technik entspricht und bei Bedarf eine neue Ausgabe dieser Norm erstellt wird. Außerdem bin ich in mehreren Arbeitsgruppen und MT’s noch als aktives Mitglied tätig, zum Beispiel in der Chairman’s Advisory Group und für Themen wie Niederspannungsschaltgeräte sowie Anlagenkonstruktion im Ex-Bereich.

Das TC31 der IEC hat es sich zur Aufgabe gemacht, weltweit einheitliche geltende IEC-Normen zu erstellen. Warum ist diese Einheitlichkeit so wichtig und auf welche Herausforderungen stoßen die Mitglieder bei ihrer Arbeit?

Viele Unternehmen haben in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten ihre Niederlassungen und vertreiben ihre Produkte somit weltweit. Damit die elektrischen Geräte aber auch überall eingesetzt werden können, müssen die Hersteller der zertifizierten Geräte nicht nur die Vorgaben des weltweit einheitlichen IECEx-Zertifizierungssystem erfüllen, sondern auch Zertifizierungen nach lokalen Normen beantragen. Leider wird das IECEx-System noch nicht überall uneingeschränkt akzeptiert. Viele Regionen haben abweichende, lokale Gesetze/Normen, die eingehalten werden müssen. Die unterschiedlichen nationalen Vorgaben decken sich dabei aber nicht immer mit den Vorgaben des IEC. Für ein international agierendes Unternehmen bedeutet dies viel Arbeit; folglich haben die Hersteller wie auch die Betreiber ein großes Interesse daran, dass weltweit die gleichen Normen gelten.

Können Sie zwei Beispiele für Regionen nennen, die das IECEx-System nur bedingt akzeptieren?

Dies lässt sich nur schwer in wenigen Sätzen beschreiben. Grob gesprochen: In Europa wird, verglichen mit den Kennzeichnungsanforderungen nach der Norm 60079-0, eine zusätzliche Kennzeichnung nach der Atex-Richtlinie gefordert. Wenn in den USA die Zertifizierung für das Division System gefordert wird, werden die amerikanischen Normen berücksichtigt. Wenn die Zertifizierung nach dem Zonen-System beantragt wird, müssen die nationalen, amerikanischen Abweichungen zu den IEC-Normen beachtet werden. Auch die Forderungen für die „Ordinary Locations“ müssen in Amerika immer geprüft werden.

Die IECEx-Zertifizierung stellt sicher, dass alle Sicherheitsanforderungen der IEC-Normen erfüllt werden. Was sind die wesentlichen Unterschiede zur Atex-Richtlinie?

Es gibt keine technischen Unterschiede; die Sicherheitsanforderungen sind identisch. Der Unterschied zwischen einem nach dem IECEx-System und einem nach der Atex-Richtlinie zertifiziertem Produkt besteht meist nur in einer unterschiedlichen Kennzeichnung. Voraussetzung hierfür ist, dass die Normen, nach denen die Zertifizierung erfolgt, gleich sind. In Europa werden die IEC-Normen für den Explosionsschutz meist ohne Änderung in die europäische Norm übernommen. Jedes Mitgliedsland der Europäischen Union muss die europäischen Normen in nationale Normen umwandeln und daher sind diese und die IEC-Normen gleich.

Welche Herausforderungen stellen sich in Zeiten von Industrie 4.0 an den Ex-Schutz von Produkten?

Wie bereits erwähnt, müssen die Normen überarbeitet werden, damit sie dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Industrie 4.0 hat bekanntlich mehrere Ziele. Eines davon ist die Vernetzung aller Geräte und dies muss dann sicherheitstechnisch für den Ex-Bereich umgesetzt werden. Ein Punkt in diesem Zusammenhang ist die „Cyber Security“, denn der Explosionsschutz darf nicht durch andere Vorgaben umgangen beziehungsweise aufgehoben werden.

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