Autonome Fahrzeuge ergänzen den Nahverkehr

Der Bus ohne Fahrer kommt aufs Land

Ein autonomer Shuttle auf einer ländlichen Strecke. Die Modellregion Oberfranken soll zeigen, wie autonome Fahrzeuge den Nahverkehr auch abseits der Städte ergänzen können.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit ChatGPT
04.11.2026

Auf dem Campus Friedrich Streib der Hochschule Coburg rollt ein autonomes Testfahrzeug vor, und mit ihm rücken Fragen nach der Mobilität von morgen in den Fokus. Staatssekretär Christian Hirte und der Bundestagsabgeordnete Dr. Jonas Geißler informierten sich vor Ort über die Forschung zum autonomen Fahren. Die Hochschule kann dabei auf Erfahrungen aus dem Masterstudiengang Autonomous Driving am Lucas-Cranach-Campus in Kronach sowie aus der Shuttle-Modellregion Oberfranken zurückgreifen. Im Gespräch ging es um strategische Entwicklungen auf Bundesebene und um die Frage, ob Oberfranken zur Modellregion für autonomes Fahren werden könnte.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Privatauto, sondern die Frage, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Nahverkehr ergänzen können. In verschiedenen deutschen Städten laufen Modellversuche, jetzt gilt es das Angebot in die Fläche zu bekommen.

„Coburg ist geradezu idealtypisch eine Region, die wir überall in der ganzen Bundesrepublik so wiederfinden würden“, sagte Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr. Die Region sei kleinteilig und ländlich geprägt und verfüge zugleich über einige Mittel- und Oberzentren. Vergleichbare Strukturen gebe es in vielen Teilen Deutschlands.

Auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Jonas Geißler plädierte dafür, Modellregionen nicht nur in Großstädten einzurichten: „Die meisten Menschen in Deutschland leben im ländlichen Raum und eben nicht im städtischen Zentrum.“ Gerade auf dem Land müsse autonomes Fahren unter unterschiedlichen Bedingungen funktionieren: auf bergigen Strecken, in Waldgebieten und bei Schnee.

Vom Shuttle zur verlässlichen Mobilität

Was braucht es, um eine Modellregion Wirklichkeit werden zu lassen? Hirte nannte drei Voraussetzungen: einen engagierten Industriepartner, der sich auch finanziell beteiligt, einen geeigneten regulatorischen Rahmen und die Klärung, in welchem Umfang öffentliche Mittel erforderlich sind. Besonders aussichtsreich seien Anwendungen im öffentlichen Personennahverkehr, wo sich die zusätzlichen Fahrzeugkosten durch den Wegfall eines Fahrers vergleichsweise schnell rechnen könnten, sagte Hirte.

Prof. Dr. Mathias Wilde, Professor für Vernetzte Mobilität an der Hochschule Coburg, untersucht, wie sich neue Mobilitätsangebote in bestehende Verkehrssysteme integrieren lassen. Er verwies auf das Forschungsprojekt Shuttle-Modellregion Oberfranken: „Die praktische Erprobung hat bei Kommunen, Unternehmen und Hochschulen wertvolles Wissen über technische Möglichkeiten und die betrieblichen Anforderungen geschaffen. Nun sind wir gefragt, das in verlässliche Angebote zu überführen, die über einzelne Modellprojekte hinaus Bestand haben.“

Technik und gesellschaftliche Fragen zusammendenken

Prof. Dr. Lucila Patiño Studencki, Professorin für Vehicle2X-Technologien, forscht dazu, wie autonome Fahrzeuge ihre Umgebung wahrnehmen, ihre Position bestimmen und mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren. „Besonders interessant ist es, die Übergänge zwischen ländlichen Räumen und Ballungsgebieten unter realen Bedingungen zu erproben.“ Das Fahrzeug müsse sowohl im dichten Stadtverkehr mit manuell gesteuerten Fahrzeugen als auch auf ländlichen Strecken mit teilweise eingeschränkter Kommunikationsinfrastruktur sicher und zuverlässig funktionieren.

Prof. Dr. Thorben Struck bringt als Experte für Sozialraumanalyse und Beteiligungskonzepte die gesellschaftliche Perspektive ein. „Wer Arbeit, Bildung, Versorgung oder soziale Beziehungen nicht erreichen kann, ist konkret in seinen Teilhabemöglichkeiten eingeschränkt.“ Autonome Mobilität könne neue Möglichkeiten eröffnen, zugleich aber auch neue soziale Ausschlüsse erzeugen. Deshalb müsse sie nicht allein als Fahrzeugtechnologie, sondern als Veränderung im gesamten sozialen Gefüge des Mobilitätssystems betrachtet werden.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Für Prof. Dr. Felix Weispfenning, Vizepräsident für nachhaltige Regionalentwicklung an der Hochschule Coburg, kommt es darauf an, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenzubringen. „Es braucht Vertrauen, Mut, Innovationsgeist und ein gemeinsames Ziel, damit aus dem Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik konkrete Wirkung für die Region entsteht“, sagte er. Entscheidend sei, diese Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam ins Handeln zu kommen – an der Idee einer Modellregion autonomes Fahren wird weitergearbeitet.

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