Bahar Freedman erläutert im Interview, wie das Konzept des neuen Messeauftritts die aktuellen Markt- und Technologieanforderungen aufgreift.
Frau Freedman, welche Bedeutung hat die Messe SPS für TE Connectivity?
Bahar Freedman: Wenn es um Lösungen für die smarte Produktion geht, bringt die SPS in Nürnberg Hersteller, Kunden und Märkte in einer einzigartigen Weise zusammen. Für TE passt die Ausrichtung der Messe hervorragend. Jedoch ist der Bereich Steckverbinder nur ein Teil dessen, was uns als Hersteller eines umfassenden Produktportfolios für die industrielle Automation ausmacht, beispielsweise bieten wir auch Relais, Schalter, Sensoren und Terminals. Wir haben unsere Produktpalette über die letzten Jahre kontinuierlich ausgebaut. Dennoch haben die Besucher der SPS mittlerweile nicht nur ein Interesse an neuen Produkten. Sie wollen in erster Linie erfahren, auf welche Weise sie ihre eigenen Innovationen möglichst effektiv und optimal realisieren können. Hinzu kommt, dass sich die Automatisierung grundlegend gewandelt hat und neue Trends die Branche prägen.
Wie hat sich die Automatisierung in den letzten Jahren verändert?
Maschinen wurden schneller, Systeme intelligenter, Fabriken vernetzter. TE war Teil dieser Entwicklung und hat durch seine Verbindungstechnologien immer komplexere industrielle Umgebungen ermöglicht. Doch mittlerweile geht es nicht mehr nur um die Frage „Wie können wir noch mehr automatisieren?“, sondern wie geht es mit der Factory Automation grundsätzlich weiter? Denn in Zukunft wird die Industrie nicht allein durch die Automatisierung definiert sein. Sie wird davon geprägt sein, wie wir Konnektivität, Intelligenz, Daten und menschlichen Einfallsreichtum zusammenbringen, um immer komplexere industrielle Herausforderungen bestmöglich zu meistern.
Wie positioniert sich TE im Hinblick auf diese erweiterte Komplexität in der Automatisierung?
Wir sehen uns nicht einfach als Zulieferer von Komponenten, sondern als Technologiepartner, der den Übergang von der Automatisierung zur Innovation ermöglicht. Dabei berücksichtigen wir die aktuellen Megatrends im Markt. Im Wesentlichen verändern derzeit fünf wichtige Trends die industrielle Landschaft, allen voran natürlich der Einsatz künstlicher Intelligenz. Industrielle KI und Analytik bringen Intelligenz näher an Maschinen und Produktionsumgebungen heran.
Welche weiteren Trends sind für Sie aktuell erkennbar?
Edge-zentrierte Architekturen und die Digitalisierung führen zu einem wachsenden Bedarf, mehr Daten schneller und mit höherer Zuverlässigkeit über immer komplexere industrielle Netzwerke zu übertragen. Nachhaltigkeit und Effizienz zwingen Hersteller dazu, mehr zu leisten und dabei weniger Ressourcen zu verbrauchen. Elektrifizierung und Netzmodernisierung schreiten voran. Und schließlich verändern Miniaturisierung und Modularisierung die Art und Weise, wie Maschinen designt werden – sie erfordern mehr Funktionalität, Flexibilität und Konnektivität auf immer weniger Raum. Alle diese Trends eröffnen enorme Chancen, bringen aber auch neue technische Herausforderungen mit sich.
Wie bildet TE diese neuen Trends auf dem Messestand ab?
Wir unterteilen das Kundenerlebnis am Messestand in einzelne Zonen. In der ersten Zone dreht sich alles um Evolution. Bevor wir über die Zukunft sprechen, zeigen wir den Besuchern, wie weit die Industrietechnik bereits gekommen ist – und welche Rolle die Vernetzung bei diesem Fortschritt gespielt hat. In dieser Zone stellen wir klare Vergleiche zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Wir zeigen, wie sich Produkte und Systeme weiterentwickelt haben, um schneller, intelligenter, kleiner, vernetzter und leistungsfähiger zu werden. Dabei geht es nicht einfach darum, eine historische Ausstellung zu zeigen, sondern den Blick in die Zukunft zu wagen.
Welche Erfahrungen können die Standbesucher bei Ihnen gewinnen?
Wir möchten die Besucher dazu anregen, ein Muster zu erkennen: Jeder große Schritt vorwärts in der industriellen Automatisierung hat neue Anforderungen an die Vernetzung gestellt. Als Maschinen schneller wurden, musste auch die Vernetzung schneller werden. Als Fabriken intelligenter wurden, musste die Vernetzung mehr Daten übertragen können. Als Systeme dezentraler und intelligenter wurden, musste die Vernetzung mehr an Zuverlässigkeit, Kompaktheit und Flexibilität aufweisen. Die Besucher sollen erkennen, dass Innovation nicht aus einer einzelnen, isolierten Technologie entsteht. Innovation entsteht, wenn Strom, Signale, Daten und Intelligenz zusammenwirken.
Bei allen diesen Veränderungen bleibt die Frage: Wohin geht die Reise?
Die Branche befindet sich in einem Übergang. Bestehende Technologien werden uns nicht dorthin führen, wo wir als Nächstes hin müssen. Das zeigen wir am Messestand in Zone 2. Anstatt den Fokus ausschließlich auf Produkte zu legen, stellen wir hier die Herausforderungen in den Mittelpunkt, die unsere Kunden zu lösen versuchen. Dabei geht es um essenzielle, ganz entscheidende Fragen, die derzeit die Branche beschäftigen – sowohl die Hersteller als auch die Anwender.
Welche Fragen sind das im Einzelnen?
Wie setzen wir KI und Analytik am industriellen Rand um? Wie bewältigen wir die dramatisch steigenden Datenmengen? Wie elektrifizieren wir mehr Anlagen und verbessern gleichzeitig die Energieeffizienz? Wie integrieren wir mehr Funktionalität auf kleinerem Raum? Wie schaffen wir Architekturen, die modularer, skalierbarer und einfacher zu einrichten sind? Wie schaffen wir all das und verbessern gleichzeitig Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit? Diese Herausforderungen stehen in direktem Zusammenhang mit den genannten Branchentrends. Und erst hier kommen unsere neuen Produkte und Weiterentwicklungen ins Spiel, sozusagen als Antworten auf die dargestellten Herausforderungen.
Wie lautet Ihre Prognose für die Zukunft der Branche?
Die Zukunft der Industrie erfordert mehr als nur Automatisierung. Sie erfordert intelligente, vernetzte und zunehmend elektrifizierte Systeme, die mehr Daten verarbeiten, effizienter arbeiten und mehr Leistungsfähigkeit in immer kompaktere und modularere Architekturen integrieren können. TE trägt dazu bei, diesen Wandel zu ermöglichen und unterstützt Kunden dabei, die großen Trends, die die Branche verändern, in praktische, skalierbare Lösungen umzusetzen.