Ausfall und Abschaltung bei Hyperscalern

Cloud ohne Plan B: „Kill-Switch“-Szenario rückt in den Fokus

Was passieren kann, wenn ein globaler Cloud-Anbieter ausfällt, ist im vergangenen Jahr beim US-amerikanischen Cloud-Computing-Anbieter Amazon Web Services deutlich geworden.

Bild: publish-industry, Gemini
18.05.2026

Die Cloud ist längst das Rückgrat moderner IT-Infrastrukturen. Gleichzeitig ist sie zu einem geopolitischen und wirtschaftlichen Risikofaktor geworden. Denn viele Industrieunternehmen bauen auf eine Infrastruktur, aus der sie im Krisenfall nur schwer wieder herauskommen. Aus einer aktuellen Studie zur digitalen Souveränität von Lünendonk & Hossenfelder geht hervor, dass 83 Prozent der befragten DACH-Unternehmen ein sogenanntes „Kill-Switch“-Szenario für realistisch halten – also die Gefahr, dass ein Cloud-Provider den Zugriff auf kritische IT-Services einschränkt oder vollständig beendet. Gleichzeitig verfügen nur 57 Prozent über eine Exit-Strategie für den Ernstfall. Damit rücken konkrete Fragen in den Vordergrund: Wie bleiben Systeme im Krisenfall handlungsfähig und wie lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern wirksam begrenzen?

Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen in die Cloud gehen, sondern auf wessen Infrastruktur sie vertrauen. Gerade in Zeiten KI-getriebener Arbeitsprozesse müssen Unternehmen zusätzlich kritisch prüfen, ob ihr Cloud-Anbieter den Anforderungen datenintensiver und KI-gestützter Anwendungen überhaupt gerecht wird. Auf der anderen Seite wächst mit jedem ausgelagerten Workload auch die Abhängigkeit von rechtlichen Rahmenbedingungen, die außerhalb Europas definiert werden. Jedes Modell ist dabei eine Abwägung zwischen Risikominimierung, Funktionsumfang und wirtschaftlichen Überlegungen, die jedes Unternehmen individuell treffen muss.

Zwischen Skalierungsvorteil und Systemrisiko

Die hochautomatisierten Prozesse, denen Hyperscaler wie etwa Microsoft Azure oder Google Cloud zugrunde liegen, verfügen über mehr Flexibilität und Skalierbarkeit als es europäische Anbieter derzeit in vergleichbarem Umfang bieten können. Aufgrund ihrer globalen Infrastruktur sind sie in der Lage weltweit hunderte Rechenzentren zu betreiben und Kunden umfassende Ökosysteme anzubieten. Unternehmen müssen sich dadurch nicht mit unterschiedlichen Infrastrukturen auseinandersetzen und können sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Die daraus entstehende Innovationsgeschwindigkeit hört sich zunächst vielversprechend an. Erst bei genauerem Hinsehen werden jedoch auch kritische Aspekte an den Hyperscalern deutlich. Was passieren kann, wenn ein globaler Cloud-Anbieter ausfällt, ist im vergangenen Jahr beim US-amerikanischen Cloud-Computing-Anbieter Amazon Web Services deutlich geworden: Ein technischer Fehler hat zu weltweiten Störungen geführt. Ganze Branchen wurden lahmgelegt, und Unternehmen hatten keine Handlungsoptionen mehr.

Dieses Risiko besteht immer, sobald Daten in die Hände anderer gegeben werden. Zwar hätte dies auch ein europäischer Cloud-Anbieter nicht zwingend verhindern können. Allerdings wäre hier das Ausmaß geringer, da regionale Anbieter weniger in weltweite Verflechtungen eingebunden sind, was zu einem kleineren Kaskadeneffekt führt. Ende 2025 wurde der Markt von den drei Anbietern AWS, Azure und Google Cloud dominiert. Verteilen sich Unternehmen auf mehrere, lokale Cloud-Anbieter, gibt es weniger zeitgleiche Ausfälle und es herrscht kein kompletter Branchen-Stillstand.

Datenschutz als Standortfaktor in der Cloud

Von Vorteil sind hier auch verbindliche Standards, wie die Datenschutz-Grundverordnung, verlässliche Vertragsunterlagen und transparente Zuständigkeiten, auf denen die europäischen Cloud-Lösungen basieren. Diese haben eine klarere Informationspflicht gegenüber ihren Kunden und eine strengere Dokumentations- und Meldepflicht bei solch kritischen Vorfällen. Unternehmen entscheiden selbst, wer unter welchen Bedingungen Zugriff auf ihre Daten erhält. Dadurch bleiben sensible Informationen vor externen Einflüssen geschützt, während die Einhaltung europäischer Vorschriften wie NIS2 und DSGVO bereits integriert ist.

Hinzu kommen branchenspezifische Anforderungen und Vorgaben, die den Druck auf IT und Compliance Abteilungen erhöhen. Verstöße werden streng geahndet; die Folgen sind hohe Bußgelder und ein erheblicher Vertrauensverlust bei Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden.

US-amerikanische Hyperscaler unterliegen hingegen dem Cloud Act, der US-Behörden unter gewissen Voraussetzungen erlaubt, unabhängig des Nutzerstandortes Auskunft über die Userdaten zu erlangen. Mangelnde Transparenz ist hierbei ein großer Kritikpunkt, denn betroffene Personen werden erst nach spätestens 180 Tagen darüber informiert.

Auch wenn zahlreiche Anbieter aus den USA inzwischen Rechenzentren innerhalb der EU betreiben und vermarkten, findet der Cloud Act weiterhin Anwendung, da die rechtliche Zuständigkeit in den USA verbleibt.

Nachfrage nach europäischen Lösungen wächst

Dass die Forderung nach Cloud-Alternativen, die auf europäischem Recht basieren, immer lauter werden zeigen auch die Studienergebnisse. Während deutsche Cloud-Provider von 48 Prozent als sehr relevant bewertet werden, liegt die Kombination aus EU-basierten Cloud-Modellen und deutschen IT-Dienstleistern mit 55 Prozent noch darüber.

Unternehmen suchen Alternativen vor allem aus betrieblichen Notwendigkeiten heraus. Angebote wie die vollständig in Deutschland oder den Niederlanden gehostete Cloud-Plattformen zeigen, wie souveräne, EU-basierte Cloud-Plattformen einen wichtigen Beitrag zur digitalen Zukunft Europas leisten – durch Lösungen, die höchsten Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Leistungsfähigkeit erfüllen.

In der Praxis wird deutlich, dass europäische Cloud-Plattformen weniger als Ersatz globaler Anbieter verstanden werden, sondern vielmehr als gezielte Ergänzung für besonders schützenswerte Daten und kritische Prozesse. Sie ermöglichen es, digitale Innovationen voranzutreiben, ohne regulatorische Risiken oder Abhängigkeiten unnötig zu erhöhen.

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