Politik Ziel, Markt und Infrastruktur zusammendenken

Biomethan-Hochlauf: Das kann kann Deutschland von Vorreitern lernen

Aus Sicht der Biomethan Taskforce braucht Deutschland daher einen klaren Zielpfad für Biomethan. Dazu gehören verlässliche Perspektiven für Produktion und Netzanschluss ebenso wie ein stabiler Absatzmarkt.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit Gemini
15.09.2026

Deutschland verfügt über ein großes, bislang unterschätztes Biomethanpotenzial – andere europäische Länder sind bei dessen Erschließung deutlich weiter. Insbesondere Frankreich, Dänemark und die Niederlande zeigen: Klare Ausbauziele, verlässliche Netzregeln und sichere Absatzperspektiven bringen zusätzliche Biomethanmengen in den Markt. Für Deutschland liegt darin eine klare Botschaft: Nicht das Potenzial begrenzt den Hochlauf, sondern bislang vor allem der Rahmen für Investitionen.

Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft und europäischen Partnerländern diskutierten in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, welche Erfahrungen sich auf Deutschland übertragen lassen. Sepp Müller, MdB und stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hob dabei neben der Versorgungssicherheit insbesondere die heimische Wertschöpfung und die Bedeutung von Biomethan für den ländlichen Raum hervor. Zugleich machte die Diskussion deutlich: Deutschland braucht einen verlässlichen Ausbaupfad, langfristige Netzanschlussperspektiven und einen europäischen Markt für Biomethan.

Andere Länder sind Deutschland voraus

Der Biomethan-Hochlauf ist in mehreren europäischen Staaten bereits deutlich weiter als in Deutschland. In Dänemark macht Biogas inzwischen knapp 40 Prozent des Gasverbrauchs aus. Frankreich verbindet klare Ausbauziele mit einer Biomethanquote und einem gesetzlich verankerten Anspruch auf Netzeinspeisung, was es zum aktuellen Europameister der Biomethanproduktion macht. Die Niederlande entwickeln ihre bestehende Gasinfrastruktur gezielt für grüne Gase weiter, statt sie stillzulegen. Die Ukraine wiederum verfügt über erhebliche Produktionspotenziale und kann perspektivisch die europäische Angebotsbasis erweitern und dabei gleichzeitig dem eigenen geschundenen Energiesystem Stabilität geben.

Was diese unterschiedlichen Ansätze verbindet: Produktion, Nachfrage und Infrastruktur werden gemeinsam entwickelt. Klare Ziele, verlässliche Regeln und langfristige Absatzperspektiven schaffen die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen investieren. Bengt Bergt, Sprecher der Biomethan Taskforce, sagt: „Unsere europäischen Nachbarn zeigen, dass der Hochlauf keine Frage des Potenzials ist, sondern der politischen Verlässlichkeit. Ein französischer Produzent weiß, dass er einspeisen darf – ein deutscher weiß nicht, ob sein Netzanschluss in zehn Jahren überhaupt noch existiert. Deutschland muss kein Modell kopieren. Aber wir sollten sehr genau hinschauen, was andernorts funktioniert – und daraus einen pragmatischen Weg entwickeln.“

Viel Potenzial, aber kein klarer Pfad

Denn auch hierzulande ist das Potenzial groß: Deutschland hat 2025 insgesamt 864 TWh Gas verbraucht. Dem stehen bislang lediglich 12,3 TWh heimische Biomethaneinspeisung gegenüber. Gleichzeitig werden bereits heute rund 100 TWh Biogas erzeugt, die überwiegend vor Ort verstromt werden. Für einen wachsenden Teil dieser Anlagen läuft in den kommenden Jahren die Förderung aus – eine Umstellung auf Aufbereitung und Netzeinspeisung ist für viele dann die wirtschaftlich sinnvolle Perspektive, sofern der Netzanschluss gesichert ist. Bengt Bergt: „Die Mengen an Biomethan sind vorhanden, erreichen den Markt allerdings nicht. Genau deshalb ist die Frage der Netzstilllegung keine technische Nebensache: Infrastruktur, die heute abgeschrieben wird, fehlt morgen als Resilienzgarant für ein klimaneutrales Energiesystem. Ohne rechtlich geregelte Anschlussgarantien wird niemand eine neue Anlage bauen. Aufgrünung statt Rückbau muss die Devise sein – das zeigen uns auch unsere Nachbarn.“

Aus Sicht der Biomethan Taskforce braucht Deutschland daher einen klaren Zielpfad für Biomethan. Dazu gehören verlässliche Perspektiven für Produktion und Netzanschluss ebenso wie ein stabiler Absatzmarkt. Die Initiative fordert eine Netzanschlusssicherheit von mindestens 20 Jahren auch für Neuanlagen. Zudem sollen strategische Biomethan-Eignungsgebiete mit verlässlichen, wirtschaftlich tragfähigen Regeln für Anschluss, Kostenteilung und Netzverstärkung ausgewiesen werden. Auch die geplante Grüngasquote kann dabei ein wichtiges Instrument sein. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen für Einspeisung, Handel und Nachweisführung so ausgestaltet werden, dass ein liquider deutscher und europäischer Biomethanmarkt entstehen kann. Das Ziel muss sein, heimische Produktion und europäische Potenziale stärker miteinander zu verbinden.

Bergt sagt: „Biomethan bietet Deutschland etwas, das energiepolitisch immer wichtiger wird: erneuerbare Energie aus heimischer und europäischer Produktion, die vorhandene Infrastruktur nutzen kann. Frankreich zeigt Zielklarheit, Dänemark die enge Verbindung mit der Landwirtschaft und die Niederlande, wie Infrastruktur und Markt gemeinsam weiterentwickelt werden können. Dieses Potenzial sollten wir auch in Deutschland endlich systematisch erschließen.“

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