Nahtlose Integration als Mehrwert

Automatisierung neu gedacht: Der Aufstieg flexibler Cobots in der Fertigung

Die Fähigkeiten eines Roboters allein entscheiden nicht darüber, ob kollaborative Automatisierung erfolgreich ist.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit Gemini
21.09.2026

Cobots haben die Erwartungen an die Automatisierung grundlegend verändert und sind als direkte Antwort auf einige der drängendsten Herausforderungen der Branche entstanden. Anhaltender Fachkräftemangel, steigende Produktionsanforderungen und die räumlichen Grenzen herkömmlicher Fabriklayouts haben Flexibilität zu einer Priorität gemacht. Ihre Attraktivität beruht auf der Kombination aus einfacher Integration, überschaubaren Investitionskosten und der Fähigkeit, sicher zu arbeiten. Hier erläutert Hakan Aydoğdu, CEO bei Tezmaksan Robot Technologies, wie kollaborative Technologien die Automatisierung neu definieren.

Der World Robotics 2025 Bericht verdeutlicht, wie rasant sich dieser Wandel hin zur Automatisierung beschleunigt. Die Zahl der installierten Industrieroboter erreichte im Jahr 2024 542.076 Einheiten und lag damit mehr als doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren. Damit wurde die Schwelle von einer halben Million Neuinstallationen bereits im vierten Jahr in Folge überschritten.

Asien dominiert weiterhin mit fast drei Vierteln aller Neuinstallationen, während Europa und Amerika deutlich geringere Anteile aufweisen. Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur die Geschwindigkeit der Einführung, sondern auch das globale Ungleichgewicht bei der Automatisierungsbereitschaft.

Die globale Automatisierungslandschaft Aktuelle Untersuchungen von Make UK zeigen, dass rund 36 Prozent der offenen Stellen in der Fertigung schwer zu besetzen sind, da den Bewerbern die richtigen Fähigkeiten, Qualifikationen oder Erfahrungen fehlen. Kollaborative Roboter spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Schließung dieser Lücke. Indem sie repetitive, körperlich anstrengende oder risikoreiche Aufgaben übernehmen, helfen Cobots den Herstellern, das Produktionsniveau auch bei Personalmangel aufrechtzuerhalten.

Durch ihre gleichbleibende Leistung tragen Cobots zu höherem Output und konstanterer Qualität bei, während sie den menschlichen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich auf komplexe oder wertschöpfende Aufgaben zu konzentrieren. Sie fördern zudem das Wohlbefinden am Arbeitsplatz, indem sie Belastungen und Verletzungen reduzieren. Gleichzeitig ermöglicht ihre intuitive Programmierung den Einstieg in die Automatisierung ohne lange Vorlaufzeiten oder umfangreiche Schulungen. Für viele Unternehmen beschleunigt diese Kombination den Weg zu einer messbaren Kapitalrendite.

Umgang mit neuen Vorschriften

Im Fertigungssektor werden Cobots zunehmend eingesetzt, um Montagelinien zu optimieren und betriebliche Arbeitsabläufe zu verbessern. Studien zeigen, dass Cobots die Produktivität erheblich steigern können, indem sie repetitive Aufgaben automatisieren und es menschlichen Mitarbeitern ermöglichen, sich auf komplexere Tätigkeiten zu konzentrieren, die kognitive Fähigkeiten erfordern.

Parallel zu dieser technologischen Dynamik entwickeln sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen weiter. Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die die bisherige Maschinenrichtlinie ersetzt, wurde 2023 verabschiedet und gilt ab Januar 2027 in vollem Umfang. Sie führt einen strengeren Ansatz in Bezug auf Sicherheit, Verantwortung und Cybersicherheit für fortschrittliche Maschinen und kollaborative Systeme ein. Die neuen Anforderungen verpflichten Hersteller zu mehr Transparenz und strengeren Konformitätsverfahren, was darauf hindeutet, dass Compliance und eine sicherere Integration in den nächsten Jahren zu einem entscheidenden Faktor beim Einsatz von Automatisierungstechnologien werden.

Für Ingenieure hat dies direkte Auswirkungen auf die Konstruktion, den Einsatz und die Validierung kollaborativer Robotersysteme. In Logistikumgebungen werden Cobots zunehmend für Palettierung, Kommissionierung und intralogistische Materialhandhabung eingesetzt, wobei integrierte Bildverarbeitungssysteme, Kraftsensoren und sicherheitsgeprüfte Scanner eine enge Mensch-Roboter-Zusammenarbeit ohne herkömmliche Sicherheitszäune ermöglichen. In der Automobilfertigung unterstützen Cobots die Präzisionsmontage, das Schrauben, die Qualitätsprüfung und die Maschinenbeschickung, wodurch die Konsistenz der Zykluszeiten verbessert und gleichzeitig die ergonomische Belastung der Bediener verringert wird.

Zu den Best Practices für eine nahtlose Integration gehören die Durchführung aufgabenspezifischer Risikobewertungen gemäß ISO 12100 und ISO/TS 15066, die Implementierung sicherheitsgeprüfter Überwachungsstopps sowie Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung und die Gewährleistung robuster Cybersicherheitskontrollen für vernetzte Roboterzellen. Ingenieuren wird zudem empfohlen, modulare Systemarchitekturen, standardisierte industrielle Kommunikationsprotokolle (wie Profinet oder EtherCAT) und digitale Simulationswerkzeuge den Vorrang zu priorisieren, um Layouts und Arbeitsabläufe bereits vor der physischen Implementierung zu validieren.

Herausforderungen in bestehenden Fertigungsumgebungen

Viele Fertigungsumgebungen sind in die Jahre gekommen oder basieren auf Altsystemen, die nicht für den Einsatz von Robotik konzipiert wurden. Beengte Platzverhältnisse, veraltete Infrastruktur oder lückenhafte Konnektivität können die Integration erschweren. Wenn neue Technologie auf ältere Anlagen trifft, kann der Prozess kostspielig oder zeitaufwendig werden, wenn sich beide nicht nahtlos miteinander verbinden lassen.

Die Fähigkeiten eines Roboters allein entscheiden nicht darüber, ob kollaborative Automatisierung erfolgreich ist. Die Einrichtung und Konfiguration von Robotersystemen, die Integration von Software und die Wartung aller Komponenten können ein Team schnell an seine Grenzen bringen. Die Vorlaufkosten – von der Ausrüstung selbst über Umbauten in den Räumlichkeiten bis hin zur Mitarbeiterschulung – können hoch erscheinen, insbesondere im heutigen wirtschaftlichen Umfeld.

Herkömmliche Roboter, die in der Regel für feste, sich wiederholende Aufgaben konzipiert sind, müssen oft umfassend neu programmiert werden, wenn sich Produkte oder Layouts ändern. Dies führt zu Stillstandzeiten, die den Nutzen schnell schmälern können. Um diesen Einschränkungen zu begegnen, setzen Hersteller zunehmend auf flexiblere Automatisierungsansätze, die eine schnelle Bereitstellung, Rekonfigurierbarkeit und skalierbare Investitionen in den Vordergrund stellen, insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe.

So ermöglichen beispielsweise CubeBOX EcoLEAN-V1 und V2 die Neupositionierung und Anpassung von Systemen im Zuge sich weiterentwickelnder Arbeitsabläufe. Diese Flexibilität erlaubt es Herstellern, die Automatisierung schrittweise auszubauen, ohne die Produktion an feste Layouts zu binden. Dies spiegelt einen allgemeinen Trend hin zu agiler Automatisierung wider – also zu Lösungen, die sich flexible an veränderte Produktionsanforderungen anpassen lassen. EcoLEAN ist in verschiedenen Konfigurationen erhältlich, um unterschiedliche Nutzlasten, Teilegrößen und Platzbeschränkungen zu unterstützen, und ermöglicht so den Einsatz in einer Vielzahl von Fertigungsumgebungen.

Die richtige Investition

Eine Deloitte-Umfrage aus dem Jahr 2025 unter 600 Führungskräften aus der Fertigungsindustrie ergab, dass 80 Prozent planen, in diesem Jahr 20 Prozent oder mehr ihres Verbesserungsbudgets in Initiativen zur intelligenten Fertigung zu investieren, wobei der Schwerpunkt auf grundlegenden Werkzeugen und Technologien liegt.

Dieses Engagement signalisiert einen klaren Wandel in der Branche: Hersteller betrachten Digitalisierung und Automatisierung nicht mehr als optionale Upgrades, sondern als wesentliche Fähigkeiten, die die Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren bestimmen werden.

Während kollaborative Technologien diese Transformation vorantreiben, sind es vor allem Flexibilität, Mobilität und wirtschaftliche Zugänglichkeit, die letztlich die Arbeitsweise der Fertigung neu gestalten und darüber entscheiden, wer Zugang zu den Vorteilen der Automatisierung hat.

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