Informations- & Kommunikationselektronik Auf die Plätze, fertig, los

14.08.2014

Mit IEC/EN 62368-2 ed2 steht ein neuer Standard in den Startlöchern, der die Standards IEC/EN60950-1 und IEC/EN60065 für Produkte aus den Bereichen Datenverarbeitung, Telekommunikation und Multimedia-Geräte ablöst. Hersteller und Inverkehrbringer müssen sich nun zügig auf die damit einhergehenden neuen Sicherheitsanforderungen für solche Produkte einstellen – am besten mit Hilfe eines Zertifizierungsdienstleisters.

Mit der fortschreitenden Verschmelzung von Computern, Telefonen, Tablets und Audio/Video-Geräten ändern sich nun auch die Anforderungen und Bestimmungen für die Anwendungsgeräte in diesem Bereich. Seit einigen Jahren arbeiteten über 40 elektrotechnische Komitees weltweit an einem neuen, harmonisierten Standard, als Ersatz für die bekannten
IEC/EN60950-1 für Information-Technology-Equipment und IEC/EN60065 für Audio- und Video- Geräte ablöst. Somit ändern sich weltweit nun auch die technischen Sicherheitsanforderungen für alle Produkte in den Bereichen Datenverarbeitung sowie Telekommunikation und Multimedia-Geräte. Diese gelten für Verbraucher/Heimelektronik sowie für den Profi- und für den Infrastruktur-Sektor. Das beginnt bei der Computer-Maus und reicht über Handys, Monitore, Fernseher, Audioverstärkter, Videoplayer bis hin zu Registrierkassen, Geldautomaten sowie die „High-Performance“-Geräte der öffentlichen Telekommunikationsinfrastruktur, die wir täglich nutzen.

Schon bisher waren Hersteller und Inverkehrbringer dieser Produkte von ständigen Neuerungen der Normung betroffen. Basierend auf den Ergebnissen von Unfallanalysen und neuen Technologietrends, hat man Regelungen implementiert, um Gefährdungen wie zum Beispiel ein Explodieren von Hochleistungsakkumulatoren oder Brandgefahr durch die Alterung von Varistoren zu minimieren. Die neue IEC/EN 62368-2 Edition 2 (ed2) ist ein so genannter HBS(Hazard-based)-Standard. In einer Art Risikoanalyse werden für individuelle Benutzergruppen und Einsatzumgebungen differenzierte Anforderungen an Schutzvorrichtungen vorgegeben. Dabei müssen die möglichen Schutzmaßnahmen auch im Fehlerfall geltende Grenzwerte sicherstellen. Dieses neue Konzept der Betrachtung soll eine Technologie-Freiheit erleichtern, damit neue Technologien nicht begrenzt werden. Beginnend mit der Klassifizierungen jeder Gefahrenquelle in elektrische Energiequellen, Leistungsquellen, Chemikalien, mechanische Energiequellen, thermische Energiequellen und Strahlungsquellen, werden Grenzwerte nach einem Drei-Klassen-Modell „wahrnehmbar“, „schmerzhaft“ und „Verletzung“ vorgegeben. Dieses Modell stützt sich auf bewährte Erkenntnisse und Verfahren der Vorgänger-Standards sowie auf neueste Forschungsergebnisse.

Ein Höchstmaß an Sicherheit

Die IEC 62368-1 ed2 gibt vor, welche Anzahl an Schutzvorrichtungen (Safe-Guards) für einen Laien, eine unterwiesene Person oder für eine Fachkraft vorhanden oder aktiv sein müssen, um diesen Benutzergruppen ein Höchstmaß an Sicherheit im Umgang mit den Produkten gewährleisten zu können. Grundsätzliche Änderungen erfuhren die Anforderungen für Luftstrecken. Dazu ist nun die transiente Spannung aus den verschiedenen Versorgungsstromkreisen, die erforderliche Stehspannung und eine Mindest-Luftstrecke zu
ermitteln.

Auch transiente Spannungen von externen Stromkreisen in Verbindung mit Paarigen Leitern, Koaxialkabeln in Kabelverteilersystemen und der Anschluss an Außenantennen wurden festgelegt und in die Betrachtung einbezogen. Neue Regelungen enthält der Standard auch für das Berühren innerer leitfähiger Teile durch Öffnungen im Gehäuse. Darüber hinaus sind eine Glasbruchprüfung und eine Typprüfung für feste Isolierung bei erhöhter Prüfspannung anzuwenden. Unter der Kategorie „Elektrisch verursachter Brand“ verfügt der neue Standard über Klassifizierungen für Stromkreise mit Strombegrenzung und Potentielle Zündquellen. Die geänderte Betrachtung von Brandsperren und Brandbarrieren sowie zur Ausbreitung von Bränden unter Berücksichtigung benachbarter Teile floss ebenfalls in den Standard ein. Er integriert auch den bekannten Test: Entzündung von Fernsehgeräten durch Kerzenflammen. Gleichzeitig fordert der neue Standard Strombegrenzungen für externe Anschlusskabel, wie zum Beispiel „Paired conductor“ und „Netzwerkkabel“.

Bei mechanischen Gefahrenquellen flossen Neuerungen bei Lüftern, Wand- und Deckenhalterungen sowie neue Anforderungen bei Glasbruch und Schutz bei Hochdrucklampen ein. Auch Rutschfestigkeit von voraussichtlich im Haushalt verwendeten oder Kindern zugänglichen Geräten, die zeitgemäß auf Glasflächen aufgestellt werden können, berücksichtigt der Standard. Neu muss auch eine Klassifizierung der Gefahr für die Befestigung von Rädern, Schwenkrollen, fahrbaren Untersätzen und Ständern sowie Montagevorrichtungen für Einrichtungen in Gestellen vorgenommen werden. Handgriffe unterliegen strengeren Anforderungen als bisher.

Für batteriebetriebene Geräte

Eine relevante Änderung für Hersteller finden wir auch bei mit Batterien oder Akkus betriebenen Geräten. Im neuen Standard müssen diese Leistungszellen einer entsprechen IEC-Norm unterliegen und können nicht mehr mit der Prüfung im Endprodukt akzeptiert werden. Weiter gelten zusätzliche Anforderungen an Schutzvorrichtungen innerhalb des mittels Batterie oder Akku betriebenen Gerätes. Das Kapitel „Gefahr durch Strahlung“ listet folgende Kategorien: Laser, LED, X-Ray, UV und Akustik. Diese wurden in Gefahrenklassen eingeteilt und unterliegen genauen Grenzwerten.

Der neue IEC-Standard IEC62368-1 ed2 ist seit März 2014 bei der IEC gelistet. Somit kann jetzt nach dem Standard zertifiziert werden. In Nordamerika haben die offiziellen Stellen angekündigt, die UL62368-1 und die CSA-C22.2 NO. 62368-1 im dritten Quartal 2014 zu veröffentlichen. Die Europäische „EN-Version“ muss nach den festgelegten Zeiten noch Ende dieses Jahres veröffentlicht sein. Die bisher angedachte Übergangszeit von 36 Monaten, bis die im Gegensatz stehenden Standards (60950 und 60065) zurückgezogen werden müssen, wurde Ende Mai 2014 auf 60 Monate verlängert. Nach Ablauf der Frist verlieren alle Geräte, die noch nach den alten Standards zugelassen oder entwickelt wurden, die Gültigkeit der „CE“-Konformitätsbescheinigungen.

Dennoch lastet ein besonderer Zeitdruck auf den Entwicklern, die ihre Produkte den neuen Anforderungen anpassen müssen. Um ihnen einen relevanten Zeitgewinn zu ermöglichen, hat sich Intertek gezielt auf die Umstellung vorbereitet und bietet ein „Quick-Check-Programm“ von 60950-1- und 60065-Produkten an, auf dessen Basis Unternehmen sich auf die Umstellung und die neuen Anforderungen an ihre Produkte gezielt vorbereiten können. Ebenfalls steht Intertek gerne als zuverlässiger Partner für die Produkt-Zertifizierung nach IEC 62368-1 ed.2 und UL62368-1 ed.2 zur Verfügung.

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  • Intertek ist ein zuverlässiger Partner, wenn es um die Produkt-Zertifizierung nach IEC 62368-1 ed.2 und UL62368-1 ed.2 geht.

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