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Energiebranche als Wegbereiter für smarte Technik Wenn Strom intelligent wird

06.04.2018

Wie lässt sich Künstliche Intelligenz für die Gesellschaft nutzen? Laut einer Studie treibt vor allem die Energiebranche intelligente Technik voran.

Intelligente Technik sorgt für einen tiefgreifenden Wandel in der Energiewirtschaft. Damit ist das Marktsegment anderen einen deutlichen Schritt voraus. Das ist selbst für Endverbraucher spürbar: Intelligente Stromzähler liefern einen detaillierten Einblick in das Verbrauchsverhalten, intelligente E-Tankstellen für Elektrofahrzeuge schießen aus dem Boden und die Raumtemperatur lässt sich bequem von unterwegs aus über das Smartphone steuern. Die Energiebranche übernimmt die Pionierarbeit und zeigt, wie sich die Vorteile Künstlicher Intelligenz (KI) für die Gesellschaft nutzen lassen.

Dass intelligente Technik vor allem den Energiesektor vorantreibt, verdeutlicht unterdessen eine Studie von Infosys. Befragt wurden Unternehmen aus zehn Branchen, von denen jedoch lediglich der Energie-, Öl- und Gassektor mit knapp 50 Prozent dem zustimmte, KI sei für den Unternehmenserfolg von essentieller Bedeutung. Weitere 46 Prozent haben KI fest in ihrer Unternehmensphilosophie verankert. Im Vergleich zu den knapp 25 Prozent der anderen Branchen setzen rund ein Drittel der befragten Energiespezialisten intelligente Technik erfolgreich ein.

Smart Grids – die 
mitdenkenden Netze

Allen Möglichkeiten voran stehen intelligente Stromnetze, die sogenannten Smart Grids, mit deren Hilfe Kunden nicht nur zentral erzeugten Strom von verschiedenen Anbietern erwerben, sondern auch dezentral produzierten Strom aus Solaranlagen oder Blockheizkraftwerken in das öffentliche Stromnetz einspeisen können. Diese Netze passen das Energieangebot zuverlässig an die Nachfrage an. Durch geeignete Technik lassen sich die riesigen Datenmengen, die von diesen Netzen in Echtzeit produziert werden, analysieren, um die Stromerzeugung und -verteilung zu verbessern. Auch der Energiefluss aller denkbaren Erzeuger und Verbraucher wird beobachtet, um Ausfälle zu vermeiden und die sinnvolle Energiespeicherung auszubauen.

Das ist angesichts des wachsenden Anteils von erneuerbaren Energien im Energiemix essentiell. Der große Nachteil von erneuerbaren Energien liegt nach wie vor in ihrer Unbeständigkeit, solange die notwendige Speichertechnik noch am Anfang ist, um eine flächendeckende Energiespeicherung zu unterstützen. KI bestimmt hier Muster, indem Nachfragespitzen vorhergesagt und das verfügbare Angebot angepasst werden kann.

Mit Hilfe von KI und Analytics ergeben sich aus diesen gewaltigen Datenmengen in Industrie und Privathaushalten aber auch laufend neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.

Gesteigerte Effizienz

Mit KI ist es ebenfalls möglich, die Effizienz des Stromnetzes zu überwachen, indem sie den Energiefluss analysiert und dazu beiträgt, Ausfälle zu vermeiden und eine effiziente Energieverteilung zu garantieren. General Electric prognostizierte, durch die Verbesserung der Netzeffizienz jährlich rund 200 Milliarden US-Dollar einsparen zu können. Auch Wartung und Vertrieb profitieren: Die Tokyo Electric Powercompany, Japans größter Energieversorger, gab beispielsweise einen Pilotversuch zur vorausschauenden Instandhaltung in Auftrag. Wetter-, Sensor- und Temperaturdaten wurden hier gesammelt, um kostspielige Schäden rechtzeitig zu erkennen und Ausfälle der Technik zu vermeiden.

Vom Smart Grid zum 
Smart Meter

Auch der Endverbraucher profitiert direkt von intelligenter Technik – sei es direkt am Stromzähler oder im Kundenservice. Um die Energieversorgung fit für die Zukunft zu machen, einigte sich die EU in der EU-Richtlinie 2009/72 EG auf den Einsatz von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen bis spätestens 2032. Ab 2018 ist der Einbau von smarten Stromzählern zunächst für Verbraucher mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden und Betreiber von Photovoltaik- oder BHKW-Anlagen verpflichtend. Ab 2020 betrifft die Regelung Haushalte und Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden im Jahr.

Die Daten der Stromzähler geben mit Hilfe von KI einen detaillierten Einblick in den Verbrauch der Kunden, um Stromfresser, Verbrauchsanomalien und Einsparpotentiale sichtbar zu machen. Sie können den Verbrauch bestimmten Geräten zuordnen und liefern eine zeitgenaue Messung des Stromverbrauchs. Das macht sich auch im Geldbeutel bemerkbar. KI verändert zudem die Art, wie Energie- und Versorgungsunternehmen mit ihren Kunden kommunizieren. Geeignete Technik erkennt Kundenbedarfe, unterstützt Kunden bei der Wahl des richtigen Stromtarifs, erstellt maßgeschneiderte Energiesparempfehlungen, hilft beim Anbieterwechsel und kümmert sich in Form von Chatbots rund um die Uhr um Kundenanfragen und -beschwerden.

Es muss einiges getan werden, um den Einsatz von intelligenter Technik in Unternehmen weiter zu festigen, die Potentiale auszuschöpfen und auch in anderen Branchen voranzutreiben. Die Energiebranche zeigt, dass sich der Einsatz lohnt.

Bildergalerie

  • KI treibt verschiedene Bereiche voran – die Energiebranche ganz besonders.

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