Bild: iStockphoto/Kerstin Waurick, Sensus

Zähler Wassermanagement wird smart

17.05.2016

Die intelligente Erfassung von Verbräuchen wird nicht nur im Stromnetz immer wichtiger. Auch Wassernetze sollen künftig transparenter werden und mehr Daten liefern. Ein Versorger in Darmstadt hat bereits die Lösung gefunden.

Eine kostenoptimierte Verteilung von Trinkwasser, ein sensibler Umgang mit der wertvollen Ressource sowie steigende Erwartungshaltungen der Kunden, die bis hin zu Smart-Metering-Lösungen reichen: Die Herausforder­ungen, denen sich Wasserversorger stellen müs­sen, nehmen zu. Mit 40 000 smarten Wasserzählern stellt der Energie- und Infrastrukturdienstleister Entega mit Sitz in Darmstadt die Weichen für eine zukunftssichere und nachhaltige Lösung.

Die manuelle Datenauslesung der 300 Trinkwasser-Schachtzähler in Darmstadt muss aus Sicherheitsgründen von zwei Fachkräften durchgeführt werden. Dies bedingt einen hohen Personal- und Zeitbedarf und damit auch hohe Kosten. Unter anderem um den finanziellen und personellen Aufwand zu reduzieren, war Entaga deshalb auf der Suche nach modernen und kosteneffizienten Alternativen. Mit iPerl von Sensus hat das Unternehmen nicht nur das bisherige Messkonzept modernisiert: Auch nachgelagerte Prozesse der Wasserverteilung wurden verbessert.

Betriebskosten sparen

Die bereits integrierte, AES-verschlüsselte Datenkommunikation des Wasserzählers ermöglicht Versorgungsunternehmen eine einfache und schnelle Fernablesung der Verbrauchsdaten. Schacht- und Hauswasserzähler können nahtlos in das Auslese- und Abrechnungssystem integriert werden. Die wirtschaftlichen Folgen: Betriebskosten, die durch die manuelle Ablesung bedingt sind, können erheblich reduziert oder komplett eingespart werden.

Im Falle von Entega entfällt seit dem Einsatz des Wasserzählers die manuelle Auslesung in den 300 Schächten. Auch Terminabsprachen mit tausenden Verbrauchern sind dank der Option der Fernauslese nicht mehr notwendig. So kann der Dienstleister statt bisher 200 Wasserzählern nun zukünftig 6000 Messgeräte pro Tag auslesen. Es ist geplant, die Zählerstände im gesamten Versorgungsnetz in Zukunft binnen sieben Tagen zu erfassen und damit die rollierende Ablesung zu ersetzen.

Neben dem Einsparpotenzial bei den Betriebskosten hilft der iPerl auch, den Kundenservice des Versorgers zu verbessern. Wohnungsbaugesellschaften bevorzugen eine stichtagsbezogene Ablesung anstelle der bisherigen rollierenden Ablesung der Verbrauchsdaten. Mit dem Zähler ist es möglich, diesen Service anzubieten.

Transparente und exakte Verbrauchserfassung

Auch das Reklamations- und Beschwerdemanagement wird durch die genaue und transparente Auslesung der Verbrauchsdaten optimiert: Die hohe Messgenauigkeit ab geringsten Durchflussraten sowie die exakt nachvollziehbare Verbrauchsdarstellung führen zu einer verbesserten Akzeptanz der Rechnungsstellung auf Seiten der Kunden. Rückfragen oder Beschwerden wegen vermeintlich inkorrekter Messdaten können in Zukunft kompetenter beantwortet werden und manche kostenintensive Befundprüfung wird nicht mehr erforderlich sein. Zudem ist der Versorger nun in der Lage, durch individuelle Verbrauchsprofile Leckagen und Wasserverluste seitens der Verbraucher schnell zu identifizieren und den Kunden darauf hinzuweisen.

Exakte Messtechnik ab geringsten Durchflüssen

Möglich wird die Erkennung von Leckagen durch den einzigarten Messbereich des Zählers. Das Gerät registriert Durchflüsse schon ab einem Liter pro Stunde. Diese Leistungsfähigkeit will der Versorger ebenfalls dazu einsetzen, um erstmalig eine genaue Bestimmung der eigenen Wasserverluste innerhalb des Versorgungsnetzes durchzuführen.

In Darmstadt zählt man insbesondere auf die metrologischen Eigenschaften des iPerl. Sensus hat das Messgerät mit einer remanenten Magnetfeldtechnologie ausgestattet, die bei der Nenngröße Q3 4 bereits ab einem Anlaufwert von einem Liter pro Stunde eine korrekte Verbrauchsabrechnung ermöglicht. Die besondere Bauweise des Messrohrs sowie die berührungslose Messtechnik wirken sich zudem positiv auf das Druckmanagement aus, da Entega an einigen Stellen des Netzes einen geringen Versorgungsdruck hat.

Die exakte Verbrauchserfassung wirkt sich aber auch positiv auf die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden aus. Die Ämter auf Landes- und Bundesebene erwarten von Wasserversorgungsunternehmen Verbrauchsdaten und -prognosen. Bisher hat Entega bei den Hochrechnungen – der rollierenden Ablesung wegen – mit einer Toleranz von etwa drei Prozent gearbeitet. Mit iPerl ist das Unternehmen nun in der Lage, bei aktuellen Verbrauchsangaben mit exakten Zahlen zu arbeiten. Somit erübrigt sich die Nachrechnung der Verbrauchsdaten im Folgejahr.

Smartes Konzept der Wassermessung

Der iPerl läutet eine neue Generation der Wasserverbrauchserfassung ein. Nach der Wasseruhr, gefolgt vom Wasserzähler, können Wasserversorgungsunternehmen heute intelligente Messgeräte einsetzen, die ihnen als leistungsstarke und exakte Datenlieferanten dienen. Die Philosophie und das technische Konzept des intelligenten Wasserzählers ersetzen die konventionelle Wasserzählung durch ein kommunikatives System: Es erfasst kontinuierlich Daten über Verbräuche und Betriebszustände, gibt sie weiter und stellt so exakte und wertvolle Informationen für Versorger und Verbraucher gleichermaßen bereit.

Obgleich der Begriff Smart Metering heute meist nur mit der Modernisierung von Stromzählern und -netzen in Verbindung gebracht wird, demonstriert der Energie- und In­frastrukturdienstleister Entega in Darmstadt, dass auch der Aufbau intelligenter Wassernetze heutzutage bereits möglich und auch sinnvoll ist. In Zukunft werden die Verbrauchsdaten der intelligenten Strom- und Wasserzähler des Unternehmens vom Abrechnungspartner Count+Care in einem Arbeitsgang übertragen. Mit der Modernisierung seiner Verbrauchszähler gehört Entega deutschlandweit zu den ersten Versorgern, die diesen Innovationsschritt vollziehen.

Funktion des intelligenten Wasserzählers iPerl

Der statische Wasserzähler nutzt die remanente Magnetfeldtechnologie und erfasst Durchflüsse mittels des magnetisch-induktiven Messverfahrens. Dabei spielt die Trennung von bewegter Ladung in einem Magnetfeld (Lorentzkraft) eine wichtige Rolle: Die im Trinkwasser enthaltenen Ladungsträger (Ionen) werden durch das Magnetfeld nach beiden Seiten abgelenkt. Dadurch kommt es bei den senkrecht am Magnetfeld angeordneten Messsonden zu einer elektrischen Spannung. Sie wird mit Elektroden abgegriffen und gemessen. Deren Höhe ist proportional zur Fließgeschwindigkeit des Trinkwassers: Je schneller das Wasser fließt, desto höher ist die Spannung.

Es entsteht eine konstante Messgenauigkeit für alle Nennweiten, die unabhängig von der Einbaulage des Messgeräts ist. Genaue Messungen ab Durchflüssen von einem Liter pro Stunde sind mit dem Messgerät möglich. Der Zähler erkennt automatisch die Fließrichtung und kann in jeder beliebigen Position eingebaut werden. Arbeitsschritte wie das Spülen oder Entlüften sind nicht notwendig. Sobald ein Rückwärtsdurchfluss erkannt wird, erzeugt der Zähler eine Warnmeldung. Die Technik der berührungslosen Messung ist zudem gegenüber Fremdkörpern wie Kalk­ablagerungen oder Sand unempfindlich. Auch Luft- oder Druckschläge haben keinen Einfluss auf das Messergebnis. Die Datenübertragung erfolgt als Funklösung für Drive-by-Messungen bis hin zu einem horizontalen Funknetzwerk, die Netzanbindung via Wireless M-Bus nach Open Metering Standard. Die Datenkommunikation ist AES-verschlüsselt (Advanced Encryption Standard) und erfolgt stündlich. Sie liefert etwa den Zählerstand, den aktuellen Durchfluss oder mögliche Alarmmeldungen wie Leckagen, Rückwärtsfluss oder Rohrbruch.

Bildergalerie

  • Mit den Wassersensoren von Sensus kann nach und nach ein intelligentes Versorgungsnetz im Bereich Wassermanagement aufgebaut werden.

    Bild: Sensus

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