Die entscheidende Rolle der Blockchain-Technologie für das Internet of Everything.

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Vertrauen durch eindeutige ID Mit Blockchain zu neuen Geschäftsmodellen

11.04.2019

Möglichst viele Dinge miteinander zu vernetzen, ist keine neue Idee. Im Rahmen der Digitalisierung ergibt es jedoch Sinn, neben Dingen auch Menschen und Prozesse einzubeziehen. Denn erst mit dem Internet of Everything werden Automatisierungen und Abläufe realisierbar, die ganz neue Business-Möglichkeiten schaffen – und selbst Online-Giganten überflüssig machen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der Blockchain-Technologie zu.

Der Erfolg des Amazon Marketplace überrascht selbst Analysten. Laut eMarketer werden die Verkäufe über die Amazon-Plattform im laufenden Jahr mehr als 70 Prozent des gesamten E-Commerce Business des Unternehmens ausmachen. Bei jeder Transaktion zwischen Käufer und Verkäufer verdient Amazon mit. Der Direktkauf beim eigentlichen Anbieter ist zwar günstiger, da kein Dritter beteiligt ist, dennoch kaufen Kunden die Produkte häufig über den Marktplatz. Das liegt unter anderem daran, dass sie den eigentlichen Händler nicht kennen und ihm damit nicht ohne Weiteres vertrauen.

Nur mit Vertrauen lassen sich langfristige Geschäftsbeziehungen aufbauen. Und hier kommt die Blockchain-Technologie ins Spiel. Denn mit einem dezentralen Identitätssystem wird aus dem, was mit Machine-to-Machine-Kommunikation begann, ein Makrokosmos voller Möglichkeiten. Bei M2M erfolgt innerhalb einzelner Netzwerke ein automatischer Informationsaustausch zwi-
schen Terminals und Applikationen. Im Gegensatz dazu basiert das Internet of Things als Mikrokosmos auf intelligenten Terminals, die vernetzt sind und miteinander arbeiten. Mit dem Internet of Everything sowie Blockchain-Technologie wird diese Entwicklung nun fortgeschrieben. Denn wenn jedes Gerät, jeder Prozess und jeder Mensch im Internet of Everything eine eigene Blockchain-ID erhält, die eine Identifizierung und Authentifizierung erlaubt, ist das die Basis für ein ganz neues Miteinander. Dafür muss das System offen und dezentral sein, was für eine einfache Integration und gute Akzeptanz sorgt.

Eindeutige Authentifizierung

Um sicherzustellen, dass der Käufer beziehungsweise Nutzer auch derjenige ist, der er vorgibt zu sein, muss seine ID zunächst einmal verifiziert werden. Das ist beispielsweise leicht über Unternehmen möglich, die eine Know Your Customer Policy (KYC) haben, etwa Telekommunikationsunternehmen. Ist die ID einmal verifiziert und damit die reale Person dahinter bekannt, kann dieser Person zukünftig auch bei anderen Geschäftsprozessen vertraut werden. Mit Hilfe dieser IDs werden Mittelsmänner schließlich überflüssig. Stattdessen können direkte, also Peer-to-Peer Geschäftsprozesse und Transkationen durchgeführt werden. Wenn klar und gesichert ist, wer eine Person oder ein Gerät ist, welche ID zum Beispiel ein Kühlschrank hat, kann dieser auch automatisch – ohne Zwischenhändler oder andere Plattformen einbeziehen zu müssen – bei einem Händler die Produkte auf einer Shopping-Liste bestellen.

Im privaten Umfeld könnte es je nach Akzeptanz bei den Endverbrauchern noch ein wenig dauern, bis derartige Szenarien Realität werden. Unternehmen, die stets wettbewerbsfähig sein müssen, können sich jedoch nicht den Luxus leisten, zuzuschauen und abzuwarten. Hier muss vorausschauend gehandelt und effizient gewirtschaftet werden. Mit der Blockchain erreicht man dafür ein hohes Maß an Automatisierung sowie Transparenz.

Waren organisieren selbst ihren Transport

Bestellt beispielsweise ein Unternehmen aus München oder Zürich einen Container voller Computer oder Fernseher aus Japan, muss die Ware zunächst in Japan per LKW zum nächsten Hafen gebracht werden. Auf dem Weg nach Europa wird dann gegebenenfalls noch einmal umgeschifft und dann in Hamburg oder Rotterdam erneut, bevor es flussabwärts geht gen Süden. Schließlich landet der Container wieder auf einem LKW, bevor er am Ziel ankommt. In dieser Kette sind derzeit noch sehr viele Prozesse notwendig, die aufwendig koordiniert und realisiert werden müssen. Erhält nun aber jeder Container einen IT-Sensor samt Blockchain-ID, kann der Container den langen Transportweg quasi selbstständig bewältigen. Dafür bestellt er beispielsweise am Tag vor der Hafenankunft den LKW für den Weitertransport. Die ursprüngliche Bestellung beim japanischen Unternehmen erfolgt selbstverständlich ebenso per Blockchain, wie die Bezahlung.

Das alles muss keine Zukunftsmusik sein. Große wie kleine Unternehmen könnten bereits sehr schnell über ein funktionierendes System verfügen, wenn sie jetzt den Startschuss dafür geben. Das Reise- und Tourismusunternehmen TUI nutzt etwa für das eigene Betten-Management bereits erfolgreich Blockchain-Technologie – und konnte die Bettenauslastung über Ländergrenzen hinweg so deutlich erhöhen. Auch die Wuppertaler Stadtwerke bieten schon seit letztem Jahr einen Blockchain-basierten Handelsplatz für Ökostrom an. Kunden können sich dort ihre Stromversorgung individuell zusammenstellen und sogar die Kraftwerke auswählen. Die Blockchain-Technologie ermöglicht dabei unter anderem, exakt und fälschungssicher zu dokumentieren, wer wann welche Menge an Strom eingespeist oder verbraucht hat. Das System funktioniert und zieht weitere Interessenten an: Im Februar verkündeten die Wuppertaler Stadtwerke die Einführung eines neuen, bundesweiten Partnernetzwerks.

Im Übrigen wird mit der Blockchain keineswegs zwangsläufig viel Energie verbraucht. Das Schürfen und Transaktionen bei der Blockchain-basierten Kryptowährung Bitcoin verbrauchen in der Tat viel Strom. Das ist bei Bitcoin sogar gewollt. In anderen Einsatzgebieten muss das jedoch nicht der Fall sein, wenn die Entwickler beim Design der Blockchain-basierten Lösungen richtig vorgehen. Zudem handelt es sich bei Blockchain um ein dezentrales System, wodurch Unternehmen weniger Server benötigt und somit individuell weniger Strom verbrauchen.

Bei dezentralen Blockchain-Systemen kann es zudem nicht passieren, dass Kriminelle an die Nutzerdaten von Tausenden oder gar Millionen von Menschen gelangen, wie es zuletzt im Rahmen von Collection #1 der Fall war. Die ID des Nutzers liegt mit allen persönlichen Informationen – inklusive der Information, wer den jeweiligen User verifiziert hat – bestens geschützt in der eigenen Blockchain Wallet des Users. Um an die jeweiligen Daten zu kommen, müsste jedes Handy also einzeln gehakt werden. Millionen von IDs lassen sich folglich nur durch das Knacken von Millionen von Handys erlangen. Der Massendiebstahl von Nutzerdaten ist dank der Blockchain-Technologie also nicht mehr so einfach möglich.

Um sämtliche Transaktionen und Aufgaben managen und nachvollziehen zu können, braucht man eine entsprechende Blockchain-Plattform. Eine der Herausforderungen ist dabei die Vorgaben der neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einzuhalten. Die Blockchain-ID-Plattform Ownid bietet diese Möglichkeit. Sie ermöglicht es Kunden, das Freigeben und Löschen ihrer Kundendaten beim jeweiligen Unternehmen im Bedarfsfall per Blockchain festzuhalten. Unternehmen stehen somit in doppelter Hinsicht auf der sicheren Seite und können zudem ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln. In der Reisebranche kann die Plattform etwa genutzt werden, damit Gäste bereits vor der Ankunft im Hotel Zusatzleistungen in Anspruch nehmen können. Zum Beispiel lässt sich damit der Transport zum Hotel organisieren, eine Massage buchen, das Alter verifizieren, per Smartphone die Zimmertüre öffnen, die finale Rechnung begleichen und auschecken. Das erhöht den Service für den Kunden und spart gleichzeitig Personalkosten. Mit leicht buchbaren Zusatzleistungen kann außerdem der Umsatz gesteigert werden.

Das Potenzial von Blockchain ist jedoch noch viel größer. Beim Thema Autonomes Fahren werden derzeit große Entwicklungssprünge gemacht. Das liegt auch daran, dass große Konzerne wie Google in dieses Feld viel Geld investieren. Sobald Autonomes Fahren alltagstauglich ist, braucht ein Auto mit Blockchain-ID im Prinzip keinen Besitzer mehr, sondern nur einen Produzenten. Das müssen nicht unbedingt Konzerne, sondern können auch Interessengruppen oder Investoren sein. Das Auto kann dann nicht nur autonom fahren, sondern auch selbständig Umsatz generieren, tanken und sich für den nächsten TÜV anmelden – und auch gleich zur Untersuchung fahren.

Elektromobilität profitiert

Bis es soweit ist, vergeht sicherlich noch etwas Zeit. Deutlich schneller gehen könnte die sinnvollere und effizientere Nutzung von Elektro-Tankstellen. Selbst Privatleute, die eine eigene E-Tankstelle für ihr Auto haben, könnten diese immer zur Verfügung stellen, wenn sie sie nicht selbst nutzen. Andere Autofahrer lassen dann mittels Blockchain-ID ihren eigenen Wagen an der privaten E-Tankstelle aufladen; selbstverständlich gegen Bezahlung. Dadurch amortisiert sich die eigene E-Tankstelle deutlich schneller. Und der Weg zur nächsten Ladestation wird für alle Nutzer von Elektrofahrzeugen deutlich kürzer. Außerdem werden deutlich weniger öffentliche Tankstellen benötigt. Es handelt sich also um eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Der ehemals reine Online-Buchhändler Amazon wurde mit der Einführung seines Non-Book-Business innerhalb von zehn Jahren zu einem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro. Das konnte nur gelingen, weil Vertrauen schon immer die wichtigste Grundlage für Geschäfte war. Mit Blockchain kann nun jedes Unternehmen dieses Vertrauen schaffen und für seine Geschäftsprozesse nutzen.

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