Die Supply Chain von Elektronikbauteilen ist aktuell sehr stark beeinträchtigt, daher muss man sich nun damit auseinandersetzen, wie die Elektronikindustrie weiter produzieren kann.

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Obsoleszenz-Management Lieferketten von elektronischen Bauelementen besser kontrollieren

22.10.2021

Vor allem Hersteller besonders langlebiger Geräte und Anlagen haben schon seit Jahren zunehmend mit Beschaffungsproblemen zu kämpfen. Kurzfristig abgekündigte oder aus anderen Gründen auf dem Markt nicht mehr erhältliche Ersatzbauteile und Werkstoffe verursachen allein in Deutschland jährlich Ausfallschäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Wie extrem anfällig heutige Supply Chains für unterschiedlichste externe Störeinflüsse sind, offenbart sich in vollem Umfang allerdings erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Das wurde auch auf der kürzlich stattgefundenen virtuellen Mitglieder-Hauptversammlung des Component Obsolescence Group Deutschland (COGD) deutlich.

Obwohl in der COGD vertretene Unternehmen in der Regel bestens auf mögliche Obsoleszenz-Szenarien vorbereitet sind, bewertet ein Großteil der aktuell 162 Verbandsmitglieder die aktuelle Situation auf dem Komponentenmarkt inzwischen als besorgniserregend und wachstumsgefährdend.

Aktueller Engpass ist erst der Anfang

Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender der COGD sagt: „Viele elektronische Komponenten einsetzende Industrieunternehmen haben in Teilbereichen jetzt schon große Probleme, sich ausreichend mit der benötigten Ware zu versorgen. Dabei könnte das erst der Anfang einer längeren Durststrecke sein.

Nachdem wichtige Rohstoffe wie beispielsweise Kupfer immer knapper werden und die Lieferzeiten für manche Halbleiterprodukte bei Neubestellungen inzwischen auf bis zu 30 Monaten angestiegen sind, rechnen wir bei einem gleichzeitig weiteren Anziehen der Weltkonjunktur mit der möglicherweise längsten Bauteile-Allokation der letzten Jahrzehnte. Problematisch ist nicht nur die Verknappung an sich, sondern auch die damit einhergehende extreme Verteuerung mancher Komponenten, die bei manchen Produkten einige hundert Prozent betragen kann.

Bedauerlicherweise scheint manchen Herstellern der schnelle Dollar in solchen Zeiten offensichtlich wichtiger als die Einhaltung langfristiger Lieferverträge. Auch das zeigt den Ernst der Lage. Gerade in schwierigen Zeiten spielt Erfahrung bei der Risikobewertung eine besonders große Rolle. Unser Bestreben ist es deshalb, möglichst viele Personen und Unternehmen von unserem Erfahrungsschatz partizipieren zu lassen.“

Offensiverer Umgang mit Obsoleszenz

Besonders hart betroffen von der derzeitigen Entwicklung sind Hersteller aus Bereichen wie der Automobil-, Raumfahrt-, Militär-, Bahn-, Kraftwerks-, Medizin- und Automatisierungstechnik, die für Ihre Geräte und Anlagen oftmals jahrzehntelang Ersatzteile benötigen. Die Verknappung in vielen Bauteilebereichen könnte dazu führen, das ältere Produktlinien aus wirtschaftlichen Erwägungen noch schneller als bisher abgekündigt werden.

Weiteres Ungemach droht von verschärften Umweltauflagen, -verordnungen und -gesetzen wie zum Beispiel die aufwendige Versorgung der SCIP- Datenbank mit Produktdaten.“ Auch sie werden die Suche nach den geeigneten Bauteilen und Komponenten nicht gerade vereinfachen. Dr. Heinbach empfiehlt betroffenen Unternehmen deshalb künftig einen noch offensiveren Umgang mit dem schwierigen Thema Obsoleszenz.

„Die Summe der potentiellen Störfaktoren war leider noch nie so hoch wie heute. Insofern kann ich jedem Unternehmen nur raten, seine Lieferanten und Lieferketten noch einmal genau auf etwaige Schwachstellen zu überprüfen. Das gilt insbesondere für Firmen, die bislang fest glaubten, auch künftig ohne aktives Obsoleszenz Management in der Zukunft auskommen zu können.“

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  • Für Unternehmen ist es laut Dr. Wolfgang Heinbach wichtig, sich über Trends und Lösungen auszutauschen und in Arbeitsgruppen die Entwicklung effizienter Obsoleszenz-Strategien voranzutreiben.

    Bild: COGD

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