Hydract-Antrieb reduziert Druckluftbedarf in Brauereien

Hydraulische Ventile für präzises Inline-Blending

GEA Hydract-Ventile mit wasserhydraulischen Antrieben für hygienische Prozessregelung in der Getränkeindustrie.

Bild: GEA
08.10.2026

GEA integriert Hydract in das Varivent-Ventilportfolio. Die wasserhydraulische Antriebstechnologie ermöglicht präzise Regelung und Inline-Blending. Zum Marktstart stehen vier Ventiltypen zur Verfügung.

GEA integriert die wasserhydraulische Hydract-Antriebstechnologie in sein Varivent-Ventilportfolio. Zum Marktstart wird sie zunächst für ausgewählte Einsitz-, Umschalt- und Doppelsitzventile verfügbar. GEA hatte die Hydract-Technologie zuvor übernommen und führt sie nun als zusätzliche Antriebsoption innerhalb des etablierten Varivent-Systems ein. Da Varivent-Ventile branchenübergreifend im Einsatz sind, richtet sich die neue Antriebsoption nicht nur an Brauereien und Getränkehersteller, sondern etwa auch an Molkereien und andere Produzenten mit hohen Anforderungen an hygienische Prozessregelung.

Hydract ersetzt die Druckluft für den Ventilantrieb durch ein geschlossenes Hydrauliksystem mit aufbereitetem Wasser beziehungsweise einem zugelassenen Wasser-Glykol-Gemisch. Eine kompakte Pumpstation versorgt die Ventile über Vor- und Rücklaufleitungen. Da das hydraulische Medium praktisch nicht komprimierbar ist, lässt sich die Ventilposition auch bei wechselndem Prozessdruck und schwankendem Durchsatz stabil regeln.

Für Brauereien eröffnet diese Regelgenauigkeit insbesondere beim Inline-Blending neue Möglichkeiten. Produktströme können kontinuierlich miteinander verschnitten werden. Dadurch lassen sich gemeinsame Bierbasen länger im Prozess nutzen und Produktvarianten erst näher an der Abfüllung erzeugen. Messungen aus dem industriellen Einsatz bei Carlsberg zeigen, dass Brix, Alkohol und CO2 auch bei deutlichen Durchsatzänderungen stabil geregelt werden können.

Weniger Produktzustände im Tank

Die Auswirkungen zeigt das Beispiel der Carlsberg-Brauerei in Fredericia, Dänemark. Dort kommt die Technologie seit Jahren im industriellen Betrieb zum Einsatz. High-Gravity-Biere werden aus mehreren Tanks kontinuierlich verschnitten und direkt Richtung Abfüllung geführt. Die Ventile in der Tankmatrix übernehmen dabei zugleich Regelaufgaben.

In einem auf diesem Prinzip basierenden Anlagenkonzept sinkt der Bedarf an Bright Beer Tanks von 26 auf 14. Die durchschnittliche Tankauslastung steigt von 54 auf 90 Prozent. Gleichzeitig verkürzt sich die Vorlaufzeit bis zur Abfüllung von Wochen auf Stunden. Der geringere Tankbedarf und die geringere Zahl gleichzeitig vorgehaltener Fertigprodukte reduzieren zudem den Reinigungsaufwand.

Gerade bei saisonalen Produkten und wechselnder Nachfrage verändert das die Produktionsplanung. Carlsberg kann zusätzliche Produktmengen durch das späte Blending innerhalb weniger Stunden bereitstellen, statt komplette Varianten Wochen im Voraus auf Basis einer Absatzprognose zu produzieren und dafür Tankkapazität zu blockieren.

„Präzise Ventilregelung gibt uns bei der Prozessgestaltung deutlich mehr Spielraum“, sagt Bastian Tolle, Head of Business Development & Digitalization in der GEA Business Unit Valves & Pumps. „Produktvarianten können später entstehen, vorhandene Tanks lassen sich besser auslasten und neue Anlagen mit weniger Puffer- und Tankkapazität planen. Für Brauereien mit wachsenden Produktportfolios ist das ein sehr konkreter wirtschaftlicher Hebel.“

95 Prozent weniger Strom für die Ventilbetätigung

Neben der Prozessflexibilität wirkt sich der Wechsel von Druckluft auf Hydraulik deutlich auf den Energiebedarf aus. Für den Carlsberg-Einsatz weist GEA eine Reduzierung des elektrischen Energieverbrauchs für den Ventilantrieb von mehr als 95 Prozent aus. Ursache ist vor allem, dass die energieintensive Erzeugung von Druckluft für diese Prozessventile entfällt.

Bei neuen Anlagen kann dadurch auch die Druckluftinfrastruktur kleiner dimensioniert werden. In Brauereien wird Druckluft für andere Anwendungen weiterhin benötigt, der Bedarf für große Ventilbestände kann jedoch erheblich sinken.

Retrofit statt Komplettumbau

Hydract ist nicht auf Greenfield-Anlagen beschränkt. Die Technologie lässt sich auch auf bestehende Prozessventile umrüsten und kann innerhalb einer Anlage gemeinsam mit pneumatisch betätigten Ventilen betrieben werden. Carlsberg nutzt beispielsweise beide Antriebsarten parallel. GEA sieht darin insbesondere für Brownfield-Projekte die Möglichkeit, einzelne Prozessbereiche gezielt dort umzurüsten, wo hohe Regelgenauigkeit oder kontinuierliches Blending zusätzlichen Nutzen bringen.

Ein vollständiger Wechsel von Pneumatik auf Hydraulik ist weder erforderlich noch für jede Anwendung sinnvoll. Pneumatische Ventile bleiben für zahlreiche Standard- und Utility-Anwendungen die etablierte Lösung. Hydract ergänzt dieses Portfolio dort, wo präzise Regelung, Prozessflexibilität oder ein reduzierter Druckluftbedarf wirtschaftlich relevant werden – eine Abwägung, die sich in der Milch- und Getränkeindustrie gleichermaßen stellt.

„Mit den Hydract-Ventilen können wir den Prozess auch bei geschlossenem Ventil präzise regeln. Das gibt uns bei Carlsberg die Möglichkeit, Produktvarianten erst kurz vor der Abfüllung herzustellen. So halten wir weniger Bestände vor, steigern damit die Effizienz in der Abfüllanlage, produzieren bedarfsgerecht und just in time und reduzieren zugleich Produktverluste“, sagt Anders Kokholm, Leiter Brau- und Qualitätsmanagement der Carlsberg Supply Company, Dänemark.

Start mit vier Varivent-Ventiltypen

Zum Marktstart integriert GEA die Hydract Actuation Technology zunächst in die Varivent Einsitzventile Typ N, Umschaltventile Typ W sowie die Doppelsitzventile Typ R und D. Weitere Ventiltypen sollen schrittweise folgen.

GEA stellt die neuen Ventile auf der BrauBeviale vom 10. bis 12. November 2026 in Nürnberg, Halle 9, Stand 362, vor.

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