Grafische Darstellung des Druckprozesses: Zum ersten Mal konnten auch LEDs auf Basis von Perowskit-Kristallen per Tintenstrahl gedruckt werden.

Bild: Claudia Rothkirch, HU Berlin

Durchbruch in der Elektronik Erste Perowskit-LEDs aus dem Tintenstrahldrucker

12.06.2020

Gedruckte Solarzellen auf Perowskit-Basis gibt es schon seit Längerem. Jetzt zieht die Elektronik nach: Einem Team aus Forschenden ist es erstmals gelungen, LEDs aus dem Halbleitermaterial per Tintenstrahldruck herzustellen. Das öffnet das Tor zu einer breiten Anwendung in vielerlei elektronischen Bauelementen.

Die Mikroelektronik ist geprägt von verschiedenen funktionellen Materialien, deren Eigenschaften sie für bestimmte Anwendungen auszeichnen. So werden etwa Transistoren und Datenspeicher aus Silizium gefertigt, und auch die meisten photovoltaischen Zellen bestehen aus diesem Halbleitermaterial.

Um Licht in optoelektronischen Elementen wie Leuchtdioden (LEDs) zu erzeugen, kommen hingegen Verbindungshalbleiter wie Galliumnitrid zum Einsatz. Je nach Materialklasse unterscheiden sich zudem die Herstellungsverfahren.

Simplere Bauelemente durch Perowskit

Eine Vereinfachung versprechen hybride Perowskit-Materialien. Dabei handelt es sich um halbleitende Kristalle, deren organische und anorganische Bestandteile in einer bestimmten Kristallstruktur angeordnet sind. „Je nach Zusammensetzung lassen sich daraus alle Arten von mikroelektronischen Bauelementen fertigen“, sagt Prof. Dr. Emil List-Kratochvil, Leiter einer gemeinsamen Forschergruppe vom Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und der Humboldt-Universität.

Hinzu kommt: Perowskit-Kristalle ermöglichen eine vergleichsweise simple Art der Verarbeitung. „Sie lassen sich aus einer flüssigen Lösung herstellen, damit kann man das gewünschte Bauteil Schicht für Schicht direkt aus dem Substrat heraus aufbauen“, erklärt der Physiker.

Nach Solarzellen nun auch Leuchtdioden aus dem Drucker

Dass sich Solarzellen aus einer Lösung solcher Halbleiterverbindungen heraus drucken lassen, haben die Wissenschaftler am HZB in den letzten Jahren bereits gezeigt. Nun gelang es dem gemeinsamen Team von HZB und HU Berlin erstmals, auch funktionsfähige Leuchtdioden auf diese Weise herzustellen. Dazu verwendete die Forschergruppe einen Metall-Halogenid-Perowskit: ein Material, das eine besonders hohe Effizienz bei der Lichterzeugung verspricht, aber auch schwierig zu verarbeiten ist.

„Bislang war es nicht möglich, solche Halbleiterschichten aus einer flüssigen Lösung mit ausreichender Qualität zu erzeugen“, sagt List-Kratochvil. So ließen sich LEDs nur aus organischen Halbleitern drucken, die aber lediglich eine bescheidene Leuchtkraft lieferten. „Die Herausforderung war es, die salzartige Vorstufe, die wir mit dem Drucker auf das Substrat aufbrachten, mit einer Art Lockmittel dazu zu bewegen, rasch und gleichmäßig zu kristallisieren“, erklärt der Wissenschaftler. Das Team wählte dafür einen „Impfkristall“: ein beigefügtes Salz, das sich auf dem Substrat anheftet und wie ein Gerüst für das Wachstum der Perowskit-Struktur dient.

Deutlich bessere optische und elektronische Merkmale

Mit ihrem Verfahren konnten die Forscher LEDs mit einer weit höheren Leuchtkraft und deutlich besseren elektrischen Eigenschaften drucken, als sie bislang mit additiven Fertigungsverfahren erreichbar waren. Doch für List-Kratochvil ist dieser Erfolg nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer künftigen Mikro- und Optoelektronik, die seiner Meinung nach ausschließlich auf hybriden Perowskit-Halbleitern basiert.

„Die Vorteile, die eine universell einsetzbare Klasse von Materialien bietet, aus der sich beliebige Bauteile mit einem einzigen einfachen und kostengünstigen Verfahren fertigen lassen, sind bestechend“, sagt er. In dem Berliner Labor von HZB und HU will List-Kratochvil daher nach und nach alle relevanten elektronischen Bauelemente auf diese Weise herstellen.

Die beteiligten Forschungseinrichtungen

Emil List-Kratochvil ist Professor für Hybride Bauelemente an der Berliner Humboldt-Universität und Leiter eines 2018 gegründeten Joint Labs, das von der HU gemeinsam mit dem HZB betrieben wird. Darüber hinaus arbeitet im „Helmholtz Innovation Lab HySprint“ ein Team um List-Kratochvil und der HZB-Wissenschaftlerin Dr. Eva Unger an der Entwicklung von Beschichtungs- und Druckverfahren für hybride Perowskite, also Kristalle mit Perowskit-Struktur, die sowohl anorganische als auch organische Bestandteile enthalten.

Die Arbeit wurde im Original im Journal Materials Horizons veröffentlicht.

Bildergalerie

  • Blick in das „Helmholtz Innovation Lab HySprint“: Wesentliche Arbeiten zu den druckbaren Perowskit-LEDs fanden hier statt.

    Bild: Phil Dera, HZB

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