Interview über zuverlässige Messwerte in der Prozessindustrie

„Bedienkomfort trifft Messperformance“

Endress+Hauser (Deutschland) GmbH+Co.KG

Carsten Schmid, Portfolio Manager Sales Marketing bei Endress+Hauser: „Moderne Füllstandmesstechnik sollte so intuitiv konzipiert sein, dass für ihre Inbetriebnahme und Bedienung keine zusätzlichen Schulungen erforderlich sind.“

Bild: Endress+Hauser
03.11.2026

Staub, Schaum, wechselnde Medien und hohe Temperaturen setzen der Füllstandsmessung in der Prozessindustrie zu. Gefragt sind Lösungen, die auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig arbeiten und zugleich einfach zu bedienen sind. Im Interview erklärt Carsten Schmid, Portfolio Manager Sales Marketing bei Endress+Hauser, wie moderne Radar- und Diagnosetechnik dabei helfen kann, Messsicherheit, Anlagenverfügbarkeit und Bedienkomfort zusammenzubringen.

Welche Veränderungen in der Prozessindustrie prägen die Weiterentwicklung Ihrer Füllstandmesstechnik derzeit am stärksten?

Die Anforderungen in der Prozessindustrie sind so unterschiedlich wie die Anwendungen selbst. Zwei Aspekte stehen für uns bei der Weiterentwicklung der Füllstandmesstechnik besonders im Fokus: Einfachheit und Leistungsfähigkeit. Ein Sensor sollte sich unkompliziert in Betrieb nehmen lassen und anschließend möglichst störungsfrei bis zur nächsten geplanten Überprüfung arbeiten. Gleichzeitig geht moderne Füllstandmesstechnik heute über die reine Erfassung des Füllstands hinaus. Zusätzliche Einblicke in den Prozess schaffen die Grundlage für gezielte Optimierungen und können dazu beitragen, die Sicherheit im Anlagenbetrieb weiter zu erhöhen. Genau diese Verbindung aus einfacher Handhabung und hoher Performance prägt unsere Entwicklung.

Wo sehen Sie bei Betreibern den größten Handlungsbedarf, um ihre Füllstandsmessung zukunftsfähig aufzustellen?

Der Handlungsbedarf liegt aus unserer Sicht weniger beim Betreiber als vielmehr bei der Messtechnik selbst. Moderne Füllstandmessgeräte sollten so intuitiv konzipiert sein, dass für ihre Inbetriebnahme und Bedienung keine zusätzlichen Schulungen erforderlich sind. Unser Anspruch ist daher, auch leistungsfähige Technologien möglichst einfach zugänglich zu machen. So können Betreiber ihre Messtechnik zukunftsfähig aufstellen, ohne damit zusätzliche Komplexität in den Anlagenbetrieb zu bringen.

Wie unterstützen Sie Betreiber dabei, einheitliche Messkonzepte für unterschiedliche Prozessanforderungen umzusetzen?

Unser Ansatz lautet „From Lab to Process“: Vom Labor bis in den Prozess bleiben Messprinzip und Bedienkonzept vertraut, während der Sensor passend zur jeweiligen Anwendung gewählt wird. So erhalten Betreiber für unterschiedliche Anforderungen jeweils die geeignete Lösung, ohne sich bei jedem Gerät auf eine neue Bedienlogik einstellen zu müssen. Einheitliche Inbetriebnahmeassistenten und ein durchgängiges HMI-Design sorgen zusätzlich dafür, dass die Handhabung über verschiedene Anwendungen hinweg einfach und konsistent bleibt.

Wie verändern häufige Produktwechsel die Anforderungen an die Füllstandsmessung in Flüssigkeitsprozessen?

Je häufiger das Produkt wechselt, desto wichtiger wird eine Messtechnik, die mit unterschiedlichen Medieneigenschaften zuverlässig umgehen kann. Frei abstrahlende Radarmesstechnik eignet sich dafür besonders gut, da sie berührungslos misst und weitgehend unabhängig vom jeweiligen Produkt eingesetzt werden kann. Dank der gestiegenen Leistungsfähigkeit lassen sich auch Medien mit schlechten Reflexionseigenschaften, etwa einem niedrigen DK-Wert, zuverlässig erfassen. So bleibt die Füllstandsmessung auch bei wechselnden Produkten stabil und verlässlich.

Bei welchen Flüssigkeitsanwendungen zahlt sich der Einsatz der Micropilot-FMR6xB-Reihe gegenüber einfacheren Füllstandsensoren aus?

Die Micropilot-FMR6xB-Reihe spielt ihre Stärken vor allem dort aus, wo anspruchsvolle Prozessbedingungen auf hohe Anforderungen an Leistung und Sicherheit treffen. Dazu zählen Hochtemperaturanwendungen bis 450 °C ebenso wie aggressive Medien, für die eine PTFE-plattierte Antenne zur Verfügung steht. Auch bei Schaumbildung bietet die Kombination aus Heartbeat Technology und einem zweiten Strom- oder Schaltausgang zusätzliche Möglichkeiten. Bei besonders schnellen Füllstandsänderungen sorgt die gesteigerte Performance des neuen Radar-Chips für eine zuverlässige Messung. Darüber hinaus wurde die Baureihe nach IEC 61508 entwickelt und unterstützt mit Profinet over Ethernet-APL die Anforderungen moderner und zukunftsfähiger Prozessanlagen.

Bei welchen Anwendungen bietet die 180-GHz-Ausführung des Micropilot FMR43 einen konkreten Nutzen gegenüber 80 GHz?

Gerade bei kleinen Behältern und beengten Einbausituationen kommt es darauf an, auch auf engem Raum präzise messen zu können. Hier bietet die 180-GHz-Ausführung des Micropilot FMR43 einen konkreten Vorteil. Denn je höher die Frequenz oder je größer die Antenne, desto schmaler ist der Abstrahlwinkel. Wo aufgrund kleiner Prozessanschlüsse keine größere Antenne eingesetzt werden kann, ermöglicht die höhere Frequenz dennoch eine hohe Messperformance. Das zahlt sich insbesondere bei sehr kleinen Behältern aus, etwa bei Messbereichen von nur 150 mm.

Welche Entscheidungen jenseits der Geräteauswahl sind für dauerhaft stabile Schüttgutmessungen besonders wichtig?

Entscheidend sind vor allem die konkreten Prozessbedingungen und die richtige Einbausituation. Staubentwicklung sowie Befüll- und Entleergeschwindigkeit müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Positionierung des Sensors und die Ausrichtung der Antenne. Eine Ausrichtvorrichtung und ein entsprechender Wizard unterstützen dabei, die Messung optimal auf die jeweilige Anwendung abzustimmen. Bei besonders herausfordernden Bedingungen sorgen zusätzliche Funktionen wie Heartbeat Technology und eine Druckluftreinigung der Antenne für eine zuverlässige Messung.

Nach welchen Kriterien empfehlen Sie Schüttgutbetrieben ein neues Messkonzept statt des Austauschs einzelner Sensoren?

Ein neues Messkonzept ist vor allem dann sinnvoll, wenn die bestehende Lösung dauerhaft mit hohem Wartungsaufwand verbunden ist oder die mechanische Montage und Demontage viel Zeit beansprucht. Das betrifft beispielsweise Anwendungen mit Seilsonden. Auch die Möglichkeit, einen Sensor ohne Unterbrechung des laufenden Prozesses auszubauen, kann ein entscheidendes Kriterium sein. Mit einer frei abstrahlenden Radarmessung durch einen Kugelhahn lässt sich hier der Aufwand deutlich reduzieren und die Verfügbarkeit der Anlage erhöhen.

Wie weit können Ihre digitalen Assistenten fehlende messtechnische Erfahrung im Anlagenbetrieb ausgleichen?

Digitale Assistenten vereinfachen vor allem die Inbetriebnahme und führen den Anwender Schritt für Schritt durch den Prozess. Dadurch können auch Mitarbeitende ohne spezielle messtechnische Vorkenntnisse einen Sensor innerhalb weniger Minuten in Betrieb nehmen. Das reduziert die Einstiegshürden und macht moderne Füllstandmesstechnik auch ohne umfangreiche Schulungen sicher und einfach handhabbar.

Welche messbaren Einsparungen beim Prüf- und Instandhaltungsaufwand lassen sich mit Heartbeat Technology in der Praxis belegen?

Heartbeat Technology setzt an mehreren Stellen an, um den Prüf- und Instandhaltungsaufwand zu reduzieren. Höhere interne Diagnosedeckungsgrade tragen zu einer erhöhten Anlagensicherheit bei. Gleichzeitig lässt sich der Zeitaufwand für Wiederholungsprüfungen durch einen integrierten Prüfassistenten deutlich verringern. Bei identischer CRC-Prüfsumme wird zudem die Verriegelung vereinfacht. Darüber hinaus können auch systematische Fehler frühzeitig erkannt werden, wodurch sich ungeplante Anlagenstillstände reduzieren lassen.

Was spricht aus Betreibersicht konkret dafür, sich bei der Füllstandsmessung für Endress+Hauser zu entscheiden?

Für Betreiber zählen vor allem Erfahrung, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Gleichzeitig kommt es darauf an, für die jeweilige Anwendung genau die Lösung zu finden, die zu den konkreten Anforderungen passt. Diesen „Fit for Purpose“-Ansatz verfolgen wir konsequent: Statt einer Lösung für alles steht die passende Messtechnik für die jeweilige Aufgabe im Mittelpunkt. So verbinden wir langjährige Erfahrung mit zuverlässiger Technologie und einem klaren Blick auf die Anforderungen der jeweiligen Anwendung.

Auf welche konkreten Verbesserungen bei der Füllstandsmessung dürfen sich Endress+Hauser-Kunden demnächst freuen?

Wir werden unsere CompactLine Familie weiter ausbauen und damit das Portfolio für die Füllstandsmessung gezielt ergänzen. Welche konkreten Neuerungen damit verbunden sind, möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorwegnehmen. Mehr dazu werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben.

Lesen Sie hier die Reportage zum Interview!

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