Die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft Köln: Hier wird umweltfreundliche Energie aus Abfallverbrennung gewonnen.

Bild: ITAD

Studie zu thermischer Abfallbehandlung Abfallmenge für die Müllverbrennung ändert sich bis 2040 kaum

19.08.2020

Durch umfassendes Recycling sinkt das Müllaufkommen. Die Menge der Abfälle, die in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden müssen, bleibt bis 2040 aber nahezu gleich. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Prognos-Studie. Wie es dazu kommt und welche Konsequenzen das für deutsche Abfallverbrennungsanlagen hat.

Die Abfallmärkte in Deutschland verschieben sich, trotzdem bleiben Müllverbrennungsanlagen bis 2040 voll ausgelastet. Das ist ein zentrales Ergebnis der Prognos-Studie „Perspektiven der thermischen Abfallbehandlung – Roadmap 2040“, die die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlung in Deutschland (ITAD) am 18. August 2020 in ihrer Online-Jahrespressekonferenz vorgestellt hat.

„Auch wenn sich die Stoffkreisläufe ändern, bleiben die thermischen Abfallbehandlungsanlagen ein Grundpfeiler der deutschen Kreislaufwirtschaft“, sagt Prof. Martin Faulstich von der Technischen Universität Dortmund und Mitautor der Studie. So werde zwar unter anderem durch umfassenderes Recycling das Müllaufkommen geringer. Das würde aber durch andere Faktoren, etwa den demografischen Wandel, fast vollständig aufgehoben.

Ein weiterer Grund sind neue rechtliche Vorgaben aus dem Chemikalienrecht, durch die weitere Stoffe aus dem Recycling ausgeschleust und verbrannt werden müssen. Dazu gehören unter anderem Materialien, die beispielsweise langlebige organische Schadstoffe (POP) wie Flammschutzhemmer enthalten. Auch müssen thermische Abfallbehandlungsanlagen die Kapazitäten aufnehmen, die bisher in Kohlekraftwerken mitverbrannt wurden.

Wichtig für den Klimaschutz

Ein weiteres Ergebnis der Studie: „Thermische Abfallbehandlungsanlagen spielen eine zunehmend wichtige Rolle beim Klima- und Ressourcenschutz und entwickeln sich heute zu multifunktionalen technischen Infrastruktureinrichtungen“, wie Carsten Spohn, Geschäftsführer der ITAD, erklärt. Beispiel Energieerzeugung: 2019 haben die thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland über 10 GWh Strom produziert sowie 12,4 GWh Prozessdampf und 9,6 GWh Fernwärme zur Verfügung gestellt. In Zukunft könnten sie vermehrt auch Wasserstoff erzeugen und damit die deutsche Wasserstoffstrategie unterstützen.

Rechnet man das Recycling von Metallen hinzu, haben thermische Abfallbehandlungsanlagen 2019 damit über fünf Millionen Tonnen CO2eq Treibhausgase eingespart. So wurden bei den 81 Mitgliedsanlagen der ITAD 2019 und deren Aufbereitern über 460.000 Tonnen reine Metalle recycelt. Die Schlacken aus der Müllverbrennung werden dabei als Ersatzbaustoffe für technische Baustoffe aufbereitet.

Weniger Schadstoffe für besseres Recycling

Auch beim Recycling bleibt die Müllverbrennung ein wichtiger Faktor. „Hochwertiges Recycling ist nur möglich, wenn nicht Verwertbares und Schadstoffe aus den Kreisläufen ausgeschleust werden“, erklärt Spohn. „Mit der thermischen Abfallbehandlung entziehen wir den Stoffströmen kontinuierlich die Schadstoffe.“

Aktuell gibt es in Deutschland 100 thermische Abfallbehandlungsanlagen mit 200 Verbrennungslinien. Um dem aktuellen Stand der Technik und des Umweltrechts zu entsprechen, werden die Anlagen regelmäßig gewartet, optimiert und angepasst. Ein Austausch der Grundsubstanz, etwa des Kessels oder der Rauchgasreinigung, wird erst nötig, wenn diese ein bestimmtes Alter erreicht haben. Bis 2040 sieht die Prognos-Studie einen Modernisierungs- und Erhaltungsbedarf von rund elf Milliarden Euro, das entspricht sieben Euro pro Bürger und Jahr.

„Thermische Abfallbehandlungsanlagen spielen in der örtlichen Infrastruktur eine wesentliche Rolle an vielen Schnittstellen zu anderen Infrastrukturbereichen. Wir müssen heute durch kontinuierliche Instandhaltung und Modernisierung dafür sorgen, dass sie ihre vielfältigen Aufgaben in Zukunft wahrnehmen können“, sagt Spohn abschließend.

Die vollständige Studie „Perspektiven der thermischen Abfallbehandlung – Roadmap 2040“ und der aktuelle Jahresbericht 2019 sind auf der Website der ITAD zu finden.

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  • „Thermische Abfallbehandlungsanlagen spielen eine zunehmend wichtige Rolle beim Klima- und Ressourcenschutz“, sagt Carsten Spohn, Geschäftsführer der ITAD.

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