Georg Stawowy (50) ist Vorstand für Innovation und Technik bei Lapp. Zuvor war er in verschiedenen Führungspositionen bei der heutigen Freudenberg Sealing Technologies tätig. Sein Maschinenbau­studium absolvierte er an der RWTH Aachen und der University of Southern California in Los Angeles.

Bild: Wolfram Scheible, Lapp

Kommentar Wir schaffen Raum für Ideen

22.08.2019

Heute agieren wir nicht nur als Kundenversteher, sondern müssen auch die Bedeutung der Digitalisierung für das Unternehmen richtig einordnen – und das sowohl intern wie auch extern.

Georg Stawowy war mit diesem Beitrag im A&D-Kompendium 2019/2020 als einer von 100 Machern der Automation vertreten.

Digitalisierung ist die große Herausforderung der kommenden Jahre und Jahrzehnte in der Industrie – auch für Lapp. Wir verstehen Digitalisierung als digitale Transformation unserer internen Prozesse ebenso wie unserer Produkte und Lösungen. Damit sorgen wir auch in Zukunft dafür, dass Daten und elektrische Energie bestmöglich von A nach B kommen. Um in einem sich immer schneller verändernden Umfeld Technologieführer zu bleiben, brauchen wir immer Innovationen, die unsere Kunden voranbringen.

Als Kundenversteher konzentrieren wir uns auf Entwicklungen, die Anwendern konkreten Nutzen bringen. Ein aktuelles Thema ist die zunehmende Datenvernetzung in Fabriken, vor allem in Folge einer rasant wachsenden Zahl an Sensoren. Die Anwender verlangen günstige und zuverlässige Verbindungslösungen für die Datenkommunikation. Großes Potenzial hat Single Pair Ethernet – aus drei Gründen: geringes Gewicht und kleiner Bauraum durch weniger Adern, ausreichende Geschwindigkeit für die meisten Anwendungen sowie vor allem ein reduzierter Installationsaufwand mit geringeren Kosten.

Single Pair Ethernet ist aber nur eine Option. Wie die Informationen von A nach B gelangen, ist dem Kunden im Prinzip egal. Das kann per Leitung sein, aber auch drahtlos – als Verbindungsspezialist bietet Lapp beides an. Wobei Leitungen einige Vorteile haben: Die Verbindungen sind stabil und die Datenraten gleichbleibend hoch. Zudem gibt es keine Probleme durch Latenz, und abhörsicher sind Leitungen sowieso. Das sehen auch die Anwender so, wie die hohen Wachstumsraten vor allem bei kabelbasierten Indus­trial-Ethernet-Lösungen belegen. Funktechnologien sind für bestimmte Anwendungen eine wertvolle Ergänzung, zum Beispiel bei mobilen Maschinen oder wenn Sensoren schwer zugänglich sind.

Doch Daten sind nicht alles; Antriebe, Werkzeuge et cetera müssen immer noch mit elektrischer Leistung versorgt werden. Da arbeitet Lapp in Forschungsprojekten an einer Revolution: Gleichstrom. Unsere Energieversorgung funktioniert seit dem späten 19. Jahrhundert mit Wechselstrom. Immer mehr Erzeuger wie Photovoltaik, Speicher oder Batterien und eine steigende Anzahl Verbraucher wie LED-Leuchten, Computer und Smartphones arbeiten indes mit Gleichstrom. Die durchgängige Nutzung von Gleichstrom würde Wandlungsverluste verringern und große Mengen Energie einsparen. Auch die Nutzung von Bremsenergie ist erst in einem Gleichstromnetz wirklich sinnvoll. In Fabriken kann durch die Umstellung auf Gleichstrom der Stromverbrauch um bis zu 30 Prozent verringert werden. Lapp hat kürzlich Leitungen eigens für DC (direct current) vorgestellt – als erster Hersteller überhaupt.

Solche neuen Technologien und Geschäftsmodelle für die smarte Industrie gelingen nur, wenn Teams genug Freiraum haben, neue Ideen zu verfolgen. Innovationen sind bei Lapp – wie Digitalisierung – nicht das Projekt einer Abteilung oder gar eines separierten Start-ups, sondern im Unternehmen allgegenwärtig. Um das zu fördern, hat Lapp den Prozess Innovation for Future eingeführt. Technologie und Geschäftsmodell werden Hand in Hand entwickelt, und wir holen frühzeitig potenzielle Kunden ins Boot. Die Unternehmensführung unterstützt die Innovatoren mit Netzwerken sowie Freiräumen bei Zeit und Budget.

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