Solche Display-Formen waren bislang wegen der erforderlichen matrixförmigen Anordnung der Pixelelemente schwierig herzustellen. Tianma will Verfahren entwickeln, um Displays zukünftig in nahezu jeder beliebigen Form zu bauen.

Bild: Tianma

Beliebige Formen möglich Touch-Displays mit Loch in der Mitte

27.09.2018

Mit dem Einzug der Elektronik in immer mehr Bereiche des täglichen Lebens wächst auch die Nachfrage nach Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine. Als intuitives Medium hat sich das Touch-Display weitgehend durchgesetzt. Aber nicht jedes Display muss zwingend rechteckig sein.

Der Display-Spezialist Tianma stellt auf der Electronica 2018 neue Prototypen und Prozesstechniken vor, mit denen Entwickler und Designer nun Displays nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können – ganz nach dem klassischen Design-Motto „form follows function“. Bisher waren diese Displays in aller Regel rechteckig geformt.

Tianma entwickelt Verfahren, um solche Displays zukünftig in nahezu jeder beliebigen Form bauen zu können. Das dürfte nicht nur für Hersteller von Consumer-Geräten und Wearables interessant sein. Auch viele industrielle Anwendungen sind denkbar, bei denen die Wahl des Freeform-Displays einer technischen Ratio folgt, etwa bei ergonomisch geformten Produkten oder medizinischen Apparaten.

Fein geschnitten mit Lasertechnologie

Als Demonstration der Möglichkeiten für die Herstellung solcher unkonventionell geformter Displays hat Tianma ein rundes Display mit einem Loch in der Mitte vorgestellt. Solche Formen waren bislang wegen der erforderlichen matrixförmigen Anordnung der Pixelelemente schwierig herzustellen. Mit individuell eingebetteten Gate-Treibern als Virtual Gate Inline Pixel Array (VGIA) ergeben sich die gewünschten Freiheitsgrade bei der Designgebung des Displays.

Um der Nachfrage der Kunden nach Freeform-Displays gerecht zu werden, hat Tianma verschiedene Probleme im Herstellungsprozess gelöst. Dazu gehören die geringe Schnittgenauigkeit und eingeschränkte Schnittformen, die bisher derartigen freien Gestaltungsmöglichkeiten entgegenstanden.

Lasergestützte Materialbearbeitung bietet die Möglichkeit hochpräziser Schnitte in der Größenordnung von 100 Mikrometern. Durch schonende Laserablation lassen sich beispielsweise sehr feine Löcher erzeugen. Diese Fertigungstechnik ermöglicht damit klassische analoge Zeiger in Kombination mit einem Hintergrunddisplay. Anwendungsmöglichkeiten gibt es unter anderem bei smarten Armbanduhren oder Cockpit-Instrumenten im Automotive-Bereich.

Hoher Kontrast bei ultra-schlanker Dicke

Ein von Tianma vorgestellter Prototyp soll mit seinen Eigenschaften die spezifischen Möglichkeiten dieser Technik verdeutlichen. Das Display mit einem Durchmesser von fünf Zoll (12,7 cm) weist einen mit drei Millimetern extrem schmalen konzentrischen Rand auf. Dies wird ermöglicht durch die Verwendung eines speziellen Oxid-Halbleitermaterials als aktive TFT-Backplane, welche im Vergleich zu konventionellem amorphen Silizium eine vielfach höhere Elektronenbeweglichkeit bietet.

Bei gleicher Stromstärke lassen sich so kleinere Pixelstrukturen sowie kompaktere, transparente Treiberschaltkreise realisieren. Letztere können platzsparend im Bildschirmrand untergebracht oder sogar innerhalb des aktiven Display-Bereichs angeordnet werden.

Trotz kapazitivem Touch-Sensor (PCAP) ist das Display mit einer Dicke von gerade einmal 2,1 Millimetern als ultra-schlank zu bezeichnen. Mit einer Auflösung von 1080 x 1080 Bildpunkten und einem Kontrastverhältnis von 1.000.000:1 kann das Display beeindruckende Grafikdarstellungen erzeugen.

Neben kundenspezifischen Ausführungen bietet Tianma mittlerweile immer mehr standardisierte Modelle an. Auf der Electronica will das Unternehmen einige neue Freeform-Displays erstmals in Europa präsentieren.

Tianma auf der Electronica 2018: Halle B4, Stand 231

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