Rudolf Sosnowsky ist Technischer Leiter (CTO) bei Hy-Line. Seit 1991 sind Displays in seinem beruflichen Leben präsent: von der LCD-Zelle über Display-Controller bis zur Anwendung, besonders in Verbindung mit Touchscreens. Heute beschäftigt er sich mit Trends und Innovationen rund um das Thema Ein- und Ausgabe an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Bild: Hy-Line

Kommentar Sie brauchen HMI 5.0!

30.10.2019

Kaum haben wir uns an Industrie 4.0 gewöhnt, alle Geräte vernetzt, in die Cloud gebracht und alle Sicherheitslöcher gestopft, kommen neue Herausforderungen auf uns zu. Ist etwa unser Benutzerinterface noch zeitgemäß? Dem Menschen stehen mehr Möglichkeiten als nur Tast- und Sehsinn zur Verfügung. Ist es Zeit für HMI 5.0?

Rudolf Sosnowsky war mit diesem Beitrag im P&A-Kompendium 2019 als einer von 100 Machern der Prozessindustrie vertreten. Alle Beiträge des P&A-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen .

Mit offenen Augen gehe ich durch die Welt. Alles Technische interessiert mich besonders. Meine Frau hat sich daran gewöhnt, dass ich im Urlaub um Automaten und Infoterminals herumschleiche. Wie funktioniert das? Welche technische Lösung steckt dahinter? Was bedeutet das für uns? Wie kann ich diese Idee aufgreifen und unseren Kunden eine Lösung für ihr Problem anbieten?

Nehmen wir zum Beispiel PCAP, Projected Capacitive Touch Screen. Ich lernte die Technologie 2008 in Taiwan kennen und war spontan begeistert – von der Optik, dem kompakten Aufbau, der Bedienbarkeit: Das gab es bislang noch nicht. Den Funken dazu im Unternehmen zu entzünden und die Flamme an Kunden weiterzugeben, reizte mich.

Qualität neu beurteilen

Das erste Projekt hatte eine steile Lernkurve, bei der ich die Technologie im Detail kennenlernte – manchmal auch aus Rückschlägen. Die hervorragende Transparenz des PCAP im Vergleich zu den bislang eingesetzten resistiven Touchscreens erforderte einen neuen Ansatz in der qualitativen Beurteilung. Schlieren, Newtonringe und Partikel musste ich identifizieren und beseitigen lassen. Mit Lieferanten aus Deutschland stellte ich die Situation, die ich in Asien kennengelernt hatte, in der Größenordnung nach, die für Projekte hier in Europa relevant ist.

Wissen innerhalb des Unternehmens aufzubauen und an Kunden weiterzugeben, spielt eine große Rolle. Während es früher um Fragen zur Displayansteuerung ging, beschäftige ich mich heute häufiger mit Fragen aus der Optik: Welche Faktoren beeinflussen die Ablesbarkeit, den Kontrast eines Displays?

Themen rund um das optische Bonding sind für viele essenziell. Doch wie geht es weiter? Eine der wichtigsten Aufgaben für mich ist das Trendscouting, also das Entdecken neuer Technologien und deren Bewertung in unserem Umfeld. Im besten Fall kann eine Technologie in Kundenanwendungen transferiert werden, wie zum Beispiel PCAP.

Fortschrittlichere Mensch-Maschine-Interaktion

Und jetzt HMI 5.0: Für die nächste Zeit sehe ich einen Schwerpunkt beim Thema Mensch-Maschine-Schnittstelle. Der Begriff reduziert sich nicht nur auf die Eingabe per Touchscreen oder Tastatur und die Ausgabe auf einem Display. Allgemein umfasst er die Interaktion des Menschen mithilfe aller Sinne mit dem System.

Neue Methoden kommen auf den Markt, beispielsweise für die Erkennung von 3D-Gesten, die Spracherkennung, das Eye Tracking. Für die Ausgabe steigt die Bedeutung der haptischen Rückmeldung, die das Manko gängiger Touchscreens kompensiert, und die dreidimensionale Visualisierung mit Hologrammen oder Brillen.

Durch leistungsfähigere Grafikkarten sind Brillen für Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) bezahlbar geworden. Zunächst getrieben durch Computerspiele, haben VR-Brillen ihre Berechtigung bereits im Simulator-Training gefunden, wo sie den Bediener optisch und akustisch in eine realistische Szene versetzen.

Der Kommunikationskanal zwischen Mensch und Maschine ist breiter geworden: Sehen und gesehen werden – mit Bildausgabe und Eye Tracking; Hören und gehört werden – mit Tonausgabe und Spracheingabe; Tasten und Fühlen – mit Touchscreen und haptischem Feedback. Nur Riechen und Schmecken fehlen noch in diesem Reigen. Dieses Thema fesselt mich, und das ist es, wofür ich jeden Tag aufstehe.

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