HARTER GmbH

Bild: Harter

Verfahrenstechnik Die Allestrockner

22.03.2016

Das Allgäuer Unternehmen Harter hat verschiedene Trocknungstechnologien für den Oberflächen- und Pharmabereich entwickelt. Seit einiger Zeit arbeitet es an der Erschließung des Lebensmittelmarkts. Mit dabei: Werkstudentin Monika Linden­thal, die Versuchsreihen mit Ananas und Vanilleschoten unternommen hat.

Im Allgäuer Örtchen Stiefenhofen gibt es mehrere Käsereien, gar nicht so wenige Touristen und einen Haflingerhof. Dass in der bergig-geschwungenen Landschaft auch ein ausgewiesener Spezialist für Trocknungstechnik ansässig ist, war selbst für Monika Lindenthal neu. Dabei stammt Lindenthal, die in Kempten Lebensmittel- und Verpackungstechnologie studiert, aus einem Nachbarort: „Ich bin früher oft an den Fertigungshallen vorbeigefahren, und habe mich gefragt, was diese Firma eigentlich macht.“ Die Antwort fand sich Jahre später, als Lindenthal – mittlerweile auf der Suche nach einem Platz für ihr Praxissemester – auf einem Verpackungssymposium ihrer Universität Jochen Schuhmacher traf, der dort das Unternehmen Harter als Arbeitgeber präsentierte.

Verpackungen gehören schließlich zu den Objekten, die sich über das Kondensationsprinzip auf Wärmepumpenbasis trocknen lassen. Dass diese nur einen kleinen Teil des Leistungsportfolios der Stiefenhofener ausmachen, zeigt sich schon beim Blick auf die Vitrine im Eingangsbereich des Unternehmenssitzes. Dort werden Exponate gezeigt, die mit der eigenen Technologie getrocknet wurden: Substrate, oberflächenveredelte Metall- und Kunststoffteile, optische Gläser, Vials und Implantate stehen exemplarisch für die Bereiche „Schlämme“, „Oberflächen“ und „Pharma & Medizin“. In diesen Bereichen ist das 1991 gegründete Unternehmen, das mittlerweile 60 Mitarbeiter beschäftigt, bereits als Anbieter von Trocknungstechnologie etabliert. Zu den Referenzkunden zählen Namen wie der Sensorspezialist Sick, Playmobil, das Optikunternehmen Carl Zeiss oder auch der Medizintechnikanbieter B. Braun.

Vom Trester zum Pulver

„Mit Ingenieurskunst und Allgäuer Innovationskraft“ sagt Petra Schlachter, Öffentlichkeitsarbeit, sei man seit einiger Zeit dabei, sich einen neuen Markt zu erschließen: Lebensmittel. Für das „Apfel­tresterpulver“, bei dem die Rückstände einer Obstpressanlage zu einem Nahrungsergänzungsmittel upgecycled wurden, arbeitete man mit dem österreichischen Kulturverein Tauriska zusammen: Die Österreicher lieferten Erkenntnisse über die eingesetzten Trommel- und Hordentrockner sowie das Entfeuchtungsmodul Airgenex und wurden im Gegenzug von Harter unterstützt (siehe den P&A-Bericht 10/15). 2015 präsentierte man die Ergebnisse gemeinsam auf der Fachmesse Anuga Foodtec, auf der Harter zum ersten Mal vertreten war.

Um die rege Nachfrage, die seitdem entstanden ist, kümmert sich in Stiefenhofen mittlerweile auch Monika Linden­thal, die den Platz für das Praxissemester damals bekam. Als Werkstudentin ist sie mit zuständig für die Durchführung der Versuchsreihen, die Kunden aus dem Lebensmittelsektor anfragen. Für einen Tomatenhändler testete sie beispielsweise Verwertungsmöglichkeiten für Datteltomaten, die zu groß oder zu klein geraten waren, um in vordefinierte Verpackungen zu passen. „Es blieben große Mengen Überschussware“, erläutert Lindenthal. Der Produzent wollte sie zu Tomatenpulver weiterverarbeiten.

Jede Frucht trocknet anders

Eine andere Anfrage bezog sich auf das Trocknen von Karottenschreiben und -würfeln für Fertiggerichte auf eine Restfeuchte von unter 10 Prozent. Doch egal, ob es sich um Pilze oder Ananaschips dreht, die Studentin geht nach einer eigenen Routine vor: Abends werden die Grundstoffe eingekauft, morgens in die angefragte Stückelungen zerlegt und in die Trockner im hauseigenen Technikum gelegt. Hier lassen sich an maßstabsgetreuen Anlagen die optimalen Parameter Temperatur, Zeit, Feuchte, Luftgeschwindigkeit und Luftführung ermitteln. Je nachdem, ob – wie in der Pharmatechnik – unter Reinraumbedingungen gearbeitet werden muss oder nicht, wird dabei mit Komponenten aus Edelstahl oder – wie in den Testläufen mit Lebensmitteln – mit Kunststoffen gearbeitet.

„Entweder halbstündlich oder stündlich gehe ich zum Trockner und wiege mein Trockengut“, erläutert Monika Lindenthal. „Der Gewichtsverlust zeigt an wie weit die Trocknung fortgeschritten ist.“ Zwischen den Wiegezeiten entstehen Protokolle und Berechnungen zum Trockensubstanzgehalt der Ware.

Das Ergebnis ist oft eine Überraschung,denn mit der Kondensationstrocknung wird in der Regel eine deutlich bessere Qualität erzielt als vom Kunden erwartet. Die niedrigen Temperaturen bedeuten für die Lebensmittel eine schonende Trocknung. Sie wirkt sich auch positiv auf Optik und Aroma aus. Zwischenzeitlich hat Harter durch realisierte Projekte und durch die intensive Arbeit von Monika Lindenthal viele Erfahrungswerte vorliegen. Auf jeden Fall, so die Studentin, muss man auf jedes Produkt mit seinen individuellen Eigenschaften eingehen, um eine gute Trocknung zu erzielen.

Zum Ende eines Testlaufs kommen Kunden aus ganz Europa in das Technikum, um die entwickelte Trockungslösung einmal direkt in Augenschein zu nehmen und letzte Anpassungen vorzunehmen. Zuletzt war beispielsweise ein Nudelhersteller darunter. Ob er sich in einer der naheliegenden Sennereien mit dem dazu passenden Käse oder auch mit Tomatenpulver eindeckte, ist nicht überliefert.

Bildergalerie

  • Der Airgenex Hordentrockner kommt in den verschiedensten Branchen zur Anwendung.

    Bild: Harter

  • Der Reifegrad entscheidet mit darüber, wie lange eine Frucht braucht, um getrocknet zu werden.

    Bild: Harter

  • Monika Lindenthal hilft als Werkstudentin, den Bereich Food für Harter zu erschließen.

    Bild: Therese Meitinger

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