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Bild: iStock, Willowpix

Lagerlogistik in Echtzeit Klare Sicht im Lager

11.10.2017

Für die Realtime-Abbildung von Lagerprozessen sind ERP-Systeme ungeeignet, automatisierte Warehouse-Management-Systeme müssen hierfür implementiert werden. Diese an bestehende Systeme durch die richtige Gestaltung der Schnittstellen anzuknüpfen, kann allerdings eine Herausforderung sein. Unklarheit herrscht vor allem in der Prozessanalyse.

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Schnelligkeit und Effizienz nehmen in der Intra- und besonders in der Lagerlogistik eine immer größer werdende Rolle ein. Essentiell für die Planung bleiben dabei zwar weiterhin Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP). Um aber die Prozesse im Lager auch in Echtzeit abzubilden, eignen sie sich nicht. Bewegungs-, Bestands- und Auftragsmanagement in Echtzeit erfordern zusätzlich ein leistungsstarkes Warehouse-Management-System (WMS). Viele Unternehmen wissen inzwischen um diese Erfordernis. Unklarheit besteht jedoch darüber, welche Herausforderungen die Anbindung einer solchen Lagerverwaltungssoftware mit sich bringt.

Zu den Ansprüchen an ein WMS gehört unter anderem dessen Integrationsfähigkeit in unterschiedliche Technologien und Systeme. Vor allem wird aber der sichere automatische Datenaustausch mit den bestehenden ERP-Systemen erwartet. In der Praxis wird dies über Schnittstellen umgesetzt – und genau hier ergeben sich für viele Anwender große Bedenken: Schnittstellen gelten als unsicher, die Anbindung als unzuverlässig und anfällig für Fehler. Andere User wiederum wollen das Schnittstellenproblem meiden, indem sie ein WMS vom gleichen ERP-Anbieter beziehen. Eine solche Anbindung sollte ja standardisiert sein – ist sie jedoch nicht unbedingt.

Standards existieren nicht

Grundsätzlich gibt es mehrere Varianten der Schnittstellengestaltung – und eben keine Standards. Basierend auf unterschiedlichen Kopplungssystemen (z. B. mit SAP) bieten sich als technische Schnittstellen synchrone Übertragungen durch Simple-Object-Access-Protocol, asynchrone Filetransfers oder Konverter-Systeme an.

Diese Anbindungsmöglichkeiten können selbst zudem vielfältige Sub-Varianten enthalten. So kann die Kommunikation mit dem SAP-System per IDocs unterschiedlich gestaltet sein. Es gibt keine allgemeingültigen Vorgaben oder Erfahrungswerte beispielsweise für die Avisierung und Buchung von Anlieferungen. Verschiedene Verfahren sind wählbar: Der Anwender kann mehr oder weniger Daten transportieren, und jedes IDoc besteht aus mehr oder weniger frei kombinierbaren Teilbereichen oder Segmenten.

Dies betrifft nicht nur spezifische WMS-Software wie Storagement, sondern auch die Lagerlogistik-Lösungen des jeweiligen ERP-System-Anbieters wie etwa Extended-Warehouse-Management von SAP. Auch hier geht es nur selten ohne Programmierung. Mapping funktioniert in sehr einfachen Fällen; zusätzlich zu den Kosten für die Software muss meist auch mit dem Aufwand für ein entsprechendes Customizing gerechnet werden.

Gleichzeitig sind Schnittstellen aber durchaus sicher und zuverlässig – wenn sie ausführlich getestet und aufgrund vollständiger Prozessbeschreibungen mit modernen Verfahren entwickelt wurden. Genau hier liegt die eigentliche – meist unterschätzte – Schwierigkeit: die umfassende Prozessbeschreibung. In der Praxis wird der grundlegende und wichtige Schritt der Ist-Analyse inklusive einer gründlichen Betrachtung der einzelnen Prozesse und Anforderungen häufig zu schnell abgehandelt. Die Prozesse sind ja scheinbar bekannt, man steht unter Zeitdruck. Stellt sich dann kurz vor der Einführung der neuen Lösung heraus, dass die Inhalte, die über die Schnittstellen ausgetauscht werden sollen, nicht richtig abgebildet werden, kann das ein Projekt um Monate zurückwerfen. Um von vornherein die passenden Schnittstellen zu wählen, müssen die Prozesse zuvor genau verstanden und transparent sein. Daraus ergibt sich die für das Unternehmen optimale technische Lösung.

Lösungen sind individuell

So könnte eine Anforderung darin bestehen, dass Ware erst dann das Lager verlassen darf, wenn die Verzollung in SAP erfolgt ist. Das kann unter Nutzung von SAP-Transporte abgebildet werden, die Verladung wird dann durch Freigabe eines Transportes über SAP an das WMS veranlasst. Ohne Nutzung der Transporte-Funktion würde diese Freigabe über einen Statuswechsel der Lieferung und die entsprechende Meldung an das WMS kommuniziert. Tatsächlich ließen sich so in einem Projekt zwei SAP-Systeme mit dem WMS verknüpfen, die sich sogar Bestände teilen. Beim Warenausgang arbeitet das eine SAP-System mit Transporten, das andere nicht. Auch die Kommunikation über die Wareneingänge erfolgt in diesem Fall mit unterschiedlich angepassten IDocs und Segmenten.

Ein anderes Beispiel: Ein Unternehmen, das hochwertige medizintechnische Produkte produziert und vertreibt, hat das Vertriebslager für Klinik-Belieferung an einen Logistik-Dienstleister ausgelagert. Die Produkte sind Seriennummern-, Chargen- und MHD-pflichtig. Jedes Stück muss rückverfolgbar sein. Das SAP-System beauftragt bestimmte Seriennummern oder Chargen. Hier erfolgt der Datenaustausch mit XML-Strukturen XI/PI-basiert. Die Dateien werden in verschlüsselter Form mit FTP ausgetauscht. Bei jedem Projekt zur Einführung eines WMS muss man die für die Belange des Unternehmens passenden Lösungen und Schnittstellen finden, umsetzen und ausführlich testen. Modulare WMS-Softwarelösungen spezialisierter Anbieter zeichnen sich dabei durch eine größere Vielfalt an spezifischen Bausteinen aus, die maßgeschneidert kombinierbar sind.

Zur sicheren, effizienten Anbindung eines WMS an ein ERP-System lässt sich der klassische Ansatz mit eingehender Ist-Analyse, Beschreibung des Soll-Zustandes und der Erfassung in Lasten- und Pflichtenheft gut nutzen. Egal, welcher Ansatz gewählt wird: Eine umfassende Durchleuchtung der bestehenden Prozesse ist Pflicht, und die Zeit, die man anfangs in eine genaue Prozessanalyse investiert, lässt sich mehrfach bei der Einführung des Systems wieder sparen.

Bildergalerie

  • Abbildungen in Echtzeit: Mit WMS lässt sich auf Basis aktueller Daten automatisch der kürzeste und schnellste Weg zur Kommissionierung berechnen.

    Bild: Brunthaler Industrielle Informationstechnik

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