Der Wandel von Wertschöpfungsketten hin zu autonomisierten Supply Chains bietet eine große Chance für Wirtschaft, Politik, Forschung und Gesellschaft, mitzugestalten und Neues zu entwickeln.

Bild: iStock

Maschinen- und Anlagenbau 2030 Autonomisierte Supply Chain

21.03.2018

Industrie 4.0 bedeutet die vollständige digitale Durchdringung der Wertschöpfungskette und letztlich ihre Autonomisierung. Diese Entwicklung wird nicht nur die Zukunft von Produktions- und Logistikprozessen, innerhalb und außerhalb der Fabrik prägen, sondern auch Auswirkungen auf den gesamten Maschinen- und Anlagenbau haben. Auf dem vierten VDMA Future Business Summit wurden neue Technologien wie autonome Maschinen, Blockchain sowie neue Geschäftsmodelle thematisiert und die neue Szenario-Studie Autonomisierte Supply Chain 2030 diskutiert.

Die Komplexität moderner Wertschöpfungsketten nimmt ständig zu, geprägt durch höhere Flexibilität, Geschwindigkeit und Individualisierung. Digitalisierung und Vernetzung machen diesen Prozess erst möglich und wirken als Taktgeber. Der VDMA ist sich sicher, dass um künftig aus den Ideen für virtuell vernetzte Welten die Realität zu machen, der Maschinenbau mit seinen Lösungen für die autonomisierte Supply Chain gebraucht wird. Denn die Ansprüche der Kunden wachsen und sie möchten zunehmend mitbestimmen und Produkte sollen bestmöglich sofort zur Verfügung stehen.

Vernetzung ist für Erfolg ausschlaggebend

„Die Zukunft von Supply Chains steht in direkter Wechselwirkung mit den Entwicklungen der vierten Industriellen Revolution“, ist Professor Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IML, überzeugt. „Dabei ist die Vernetzung und Kommunikation von Unternehmen, aber insbesondere auch die von Mensch und Technik ausschlaggebend. Die Gestaltung von Arbeit entwickelt sich zu einer Kernfrage einer vernetzten Wirtschaft im Wandel. Industrie 4.0 und die Autonomisierung werden erst dann erfolgreich umgesetzt, wenn sie in der Gesellschaft akzeptiert werden, wenn nicht allein das technisch Machbare, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht. Das wird mit dem Begriff Social-Networked-Industry zum Ausdruck gebracht.“

Zukunftsszenarien herausgearbeitet

Die Plattformökonomie, autonome Mobilität, Blockchain und automatisierte Abrechnungssysteme definieren die Spielregeln neu. Neue Akteure mit datenzentrierten Geschäftsmodellen und disruptiven Technologien betreten die Bühne. Das Ziel eines Projekts, an dem der VDMA beteiligt ist, war mit Zukunftsszenarien herauszuarbeiten welchen Einfluss diese Entwicklung auf die internationalen Wertschöpfungsnetzwerke hat und wie Lösungen dafür aussehen können, die Maschinen- und Anlagenbau betreffen.

Zukunfts-Szenarien für Wertschöpfungskette

Die Studie beschreibt in Zukunftsbildern, wie die Welt im Jahr 2030 aussehen könnte. Diese Bilder spitzen die möglichen Entwicklungen zu und schärfen so den Blick für Veränderungen mit Fokus auf den Maschinen- und Anlagenbau. Im Beharrliche-Bewahrer-Szenario bleibt die digitale Entwicklungsdynamik in vielen Bereichen deutlich zurück. Durch Abschottung sind Unternehmen zwar weniger angreifbar, allerdings besteht das Risiko, durch agile Unternehmen international überflügelt zu werden. Beim Aufmerksame-Verfolger-Szenario achten die Unternehmen auf den Wandel in den Wertschöpfungsnetzwerken, sind aber nicht als erste dabei, wenn es darum geht, neue Ansätze zu realisieren oder zu gestalten. Digitale Sicherheit wird als Differenzierungsmerkmal eingesetzt. Das Agile-Sprinter-Szenario hingegen ist progressiv und hat die Kernaussage, dass die Digitalisierung Supply Chains revolutioniert hat. Daten sind ein zentraler Bestandteil der Firmenkultur geworden. Der Handel damit hat einen erheblichen Anteil am Umsatz. Im letzten Szenario, dem Mächtige Treiber-Szenario wird die Digitalisierung der Supply Chain durch globale Datenmakler und Internet-Unternehmen vorangetrieben. Für Maschinenbauer eine disruptive Veränderung mit Chancen hinsichtlich Markterweiterung, neuen Geschäftsmodellen und der Nutzung ausgedehnter Infrastrukturen.

Elna Schirrmeister, vom Fraunhofer ISI zieht das Fazit, dass der Wandel von traditionellen Supply Chains hin zu agilen Wertschöpfungsnetzwerken und deren Autonomisierung, sich auf den gesamten Maschinen- und Anlagenbau auswirken wird. Dabei ist eine neue Sicht auf Wertschöpfungsnetzwerke notwendig, welche nachhaltig nur funktionieren können, wenn ein Höchstmaß an Kooperation und Datenmanagement zur Normalität wird.

Chancen von automatisierten Supply Chains

Der Wandel von Wertschöpfungsketten hin zu autonomisierten Supply Chains bietet eine große Chance für Wirtschaft, Politik, Forschung und Gesellschaft, mitzugestalten und Neues zu entwickeln. Der VDMA wird seine Mitglieder sowie die Industrie, von technischen Fragestellungen über Standardisierung und regulatorische Aspekte bis hin zur Betrachtung der Zusammenarbeit von Mensch und Technik, unterstützen. Für die Felder Future Business, Industrial Security, Arbeit 4.0 und Ordnungspolitik hat der VDMA eigene Competence Center eingerichtet. Um das Themenfeld autonomisierte Supply Chains weiterentwickeln zu können, wird die Bündelung und Ausweitung der Aktivitäten geplant.

Verwandte Artikel