Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH Kontron S&T AG Syslogic GmbH

Wie hoch ist der Bedarf an Edge-Computing bei KMUs wirklich? Wir haben nachgefragt.

Bild: iStock, gorbachlena

Nachgefragt: Edge Computing - Hype oder schon Realität? Lösung für die Datenflut

12.02.2020

An Edge-Computing führt kein Weg mehr vorbei, um der Datenflut moderner vernetzter Produktionen Herr zu werden und nur noch gefilterte Informationen in die Cloud zu übertragen. Außerdem verlangen viele datenintensive Anwendungen minimale Latenzzeiten und Edge-Computing sorgt für Datensouveränität. Doch wie sieht in der Praxis bei den kleinen und mittelständischen Produktionsbetrieben der Bedarf an Edge-Computing derzeit wirklich aus? Wir haben nach einer Einschätzung gefragt.

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  • Julian Weinkötz, Bosch: Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist Edge Computing eine wirtschaftliche Lösung, um die Produktivität und Flexibilität durch Vernetzung zu erhöhen. Die Datenverarbeitung findet vor Ort statt. Daher ist kein Internet-Zugang erforderlich und es werden keine Ressourcen für neue Security-Themen benötigt. Die Kapazität kostengünstiger Industrie-PCs reicht vollkommen aus, um in Pilotprojekten erste Erfahrungen zu sammeln und Potenziale auszuloten. Erst wenn die Datenmengen deutlich zunehmen oder verschiedene Standorte vernetzt werden sollen, wird eine Cloud-Anbindung benötigt. So gibt es derzeit einen hohen Bedarf an Edge-Computing in KMUs.

    Bild: Bosch Rexroth

  • Frank Bauer, Hilscher: Mit Edge Computing können Daten so aufbereitet werden, dass sie für den Anwender einen Mehrwert darstellen. Beispielsweise wird das Wissen und die Erfahrung, die ein Komponentenhersteller oder Maschinenbauer über seine Produkte hat, in Algorithmen manifestiert, um Indikatoren zu errechnen. Ein Indikator trifft Aussagen über zu erwartende Wartungsmaßnahmen oder Optimierungspotentiale zur Steigerung der Produktivität und Qualität. Solche Indikatoren können dem Anwender als Mehrwertinformation in einem Service Portal zur Verfügung gestellt werden oder sie werden verwendet, um den Betriebsmodus einer Maschine zu verändern. Wichtig ist, dass die Algorithmen jederzeit aktualisiert werden können. Nur so profitiert der Anwender von den neuesten Erfahrungen des Herstellers.

    Bild: Hilscher

  • Reiner Grübmeyer, Kontron: Edge Computing ist ein Muss für die Digitale Transformation. Wir unterscheiden zwei Ansätze: Beim Brownfield optimieren kleine Gateways die bestehenden Produktionsanlagen. Zum Einsatz kommen Public- oder Private-Cloud-Anwendungen. Auch kleinere Unternehmen setzen Brownfield um. Das aufwändigere Greenfield-Szenario geht von komplexen Industrie-4.0-Infrastrukturen aus. Viele Unternehmen setzen hier Private Clouds über mehrere Standorte hinweg ein. Im Produktionsumfeld beziehungsweise der Fertigung werden Steuerungs- und Edge Computer installiert, realisiert ausschließlich mit engvermaschten, schnellen Infrastrukturen. Die Cloudlösung steht als Datensammler oder zum Datenaustausch erst am Ende des Prozesses. Aufgrund der Komplexität setzen eher Mittelständler oder Großunternehmen Edge-Computing ein. Kleine Maschinenbauer oder Lösungsanbieter sollten sich aber der Herausforderung stellen und sich mit den verfügbaren Lösungen an große Anlagen andocken.

    Bild: Kontron

  • Philipp Armbruster, Siemens: Viel häufiger als noch vor ein bis zwei Jahren ist Edge Computing heute eines der wichtigsten Themen für viele unserer Kunden. Der größte Bedarf lässt sich besonders bei hochinnovativen Maschinen- und Anlagenbauern in der diskreten Fertigungsindustrie mit mehr als 500 Mitarbeitern feststellen – Kopf an Kopf mit international tätigen Anlagenbetreibern. In beiden Fällen befinden wir uns bereits in der Implementierungsphase. Typische Anwendungsfälle liegen hier vor allem in der Erweiterung der Automatisierungstechnik um Apps zur vertikalen Datenintegration, -Analyse und -Speicherung. Alles Aufgaben, die jetzt einfacher, skalierbarer und schneller umsetzbar sind. Aber auch darüber hinaus sehen wir einen zusätzlichen Bedarf an Lösungen zur zentralen Verwaltung von verteilten Edge-Computing-Instanzen, um die in der IT typische Software-Automatisierungstechnik abbilden zu können.

    Bild: Siemens

  • Florian Egger, Syslogic: Edge Computing hat großes Potenzial – insbesondere dann, wenn Edge- und KI-Computing zusammentreffen. Das gilt für einen Mittelständer genauso wie für einen Großkonzern. Schließlich wird damit die Prozessautomatisierung vorangetrieben, was die Wirtschaftlichkeit erhöht. Wer will das nicht? Entsprechend groß ist aktuell die Nachfrage nach unseren KI-fähigen Edge Computern. Produktionsbetriebe setzen unsere Edge Computer in der Qualitätskontrolle, in der Logistik inklusive FTS (Fahrerlose Transportsysteme) und für die vorausschauende Wartung ein. Weiter lassen sich Produktionsprozesse durch Machine Learning optimieren. Auch hier kommen je nach Anwendung Edge Computer zum Einsatz. Zudem liefern wir KI-fähige Edge Computer in Branchen wie Argar, Bahn, Baumaschinen oder Smart City.

    Bild: Syslogic

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