Markus Damaschke, Geschäftsführer bei Di-Soric Solutions, spricht darüber, wie Machine Vision einfacher werden kann.

Interview über Entwicklungsumgebung für Bildverarbeitung „Schluss mit langen Projektzeiten“

12.02.2020

Die industrielle Bildverarbeitung ist in der Automatisierung nicht mehr wegzudenken. Dennoch stehen oft hohe Komplexität und Spezialwissen der einfachen Umsetzung im Weg. Mit seiner visuellen Entwicklungsumgebung nVision und „Ready-to-go-Lösungen“ will Di-Soric Solutions, Spezialist für Machine Vision, dem ein Ende setzen, wie Geschäftsführer Markus Damaschke und Tiberiu Dobai vom Project Engineering im Gespräch mit A&D erläutern.

nVision setzt auf intuitives graphisches Programmieren. Können Anwender ihre Aufgabenstellungen wirklich komplett visuell lösen?

Damaschke:

Ja, denn sie können per Drag&Drop Anwendungen zusammenziehen. Man kann es sich wie Kontaktplan vorstellen, der Methode für die graphische Programmierung einer SPS in Form eines Stromlaufplans. Das heißt, es müssen nur fertige Blöcke reingezogen und verbunden werden – und es gibt live eine Rückmeldung, wie das Ergebnis aussieht. Dabei ist jeder Block natürlich bei Bedarf frei für die spezielle Anwendung des Kunden konfigurierbar. Um noch mehr Zeit zu sparen, haben wir aber schon eine Vielzahl von vorkonfigurierten funktionalen Blöcken in unserer Datenbank hinterlegt, weil doch sehr viele Anwendungen sich standardisiert damit abbilden lassen.

Lassen sich dennoch bei Bedarf auch noch klassischer, selbst programmierter Code einbinden, beziehungsweise mit den fertigen Blöcken kombinieren?

Dobai:

Auf diese Möglichkeit haben wir bei der Entwicklung von nVision von Anfang an viel Wert gelegt. Durch die modulare Auslegung der Entwicklungsumgebung können Kunden bereits bestehende Algorithmen, in denen eigenes Know-how steckt, das nicht offengelegt werden soll, einbinden. Auf diese Algorithmen und Funktionsblöcke hat dann auch nur der Kunde Zugriff, wir stellen aber die notwendigen standardisierten Schnittstellen für die einfache Einbindung in nVision zur Verfügung. Schließlich soll der Kunde sein oft jahrelanges Know-how weiter nutzen können, aber er muss sich durch nVision nicht mehr um alle anderen Dinge rund um die Bildverarbeitung kümmern – wie die graphische Oberfläche, viele weitere Bildverarbeitungsfunktionen oder die Kommunikation mit den Automatisierungskomponenten.

Die Di-Soric Solutions lebt überwiegend vom Projektgeschäft. Disruptieren Sie durch die einfache Umsetzung mit nVision Ihr eigenes Geschäft?

Damaschke:

Nein! Unser Hauptgeschäft ist nach wie vor das Projektgeschäft und das wird es auch bleiben. Aber wir ermöglichen mit nVision unseren Kunden, ähnliche Vision-Projekte schnell und kostengünstig dann auch komplett selbst durchzuführen. Wir liefern dann nur noch die für das neue Kundenprojekt notwendige Runtime-Lizenz von nVision und unterstützen ihn natürlich bei Fragen oder Problemen. Den vorher erstellten Programmcode und alle Funktionsblöcke kann der Kunde frei für seine nächste Vision-Anwendung einsetzen. Dennoch sehen wir, dass neue Vision-Projektanfragen zunehmend komplexer werden, weil die Vernetzung und das Datenaufkommen rapide zunehmen. Hier ist dann unsere Expertise gefragt und wir können mit unserem Applikationswissen schnell Lösungen für den Kunden generieren. Wir haben ja nicht nur die Entwicklungsumgebung nVision, sondern bieten unseren Kunden eine komplette Lösung mit Design der Hardware und die Umsetzung in seiner Umgebung an. Hierzu zählen neben den Kameras auch die notwendige Optik, Beleuchtung, Blitzvorgänge, Vernetzung und vieles mehr. Und eine einfach bedienbare, modulare und leistungsfähige Entwicklungsumgebung ist hier eine Grundvoraussetzung, um den Programmieraufwand, Projektzeit und Kosten zu minimieren.

Bieten Sie für eine möglichst kurze Projektzeit jetzt auch zunehmend die neuen „Ready-to-go-Lösungen“ wie für die Solarzelleninspektion an?

Dobai:

Genau das ist der Punkt! Unsere „Ready-to-go-Lösungen” für bestimmte Anwendungen wie die Solarzelleninspektion sind so entwickelt, dass das System dem Kunden auf den Leib geschnitten ist, sie aber dennoch jederzeit die Kleider wechseln können. Das heißt, dass das gesamte System genau wie unsere Entwicklungsumgebung nVision modular aufgebaut ist. Sie können also je nach Prüfling auf verschiedene verifizierte Kameras setzen, 27 vordefinierte Qualitätsmerkmale auf Mausklick ein- oder ausblenden, die Messtechnik für die Handhabung aktivieren. Wir bieten damit eine Lösung an, mit der sich fast beliebige Solarzelleninspektionen innerhalb kürzester Zeit produktiv einsetzen lassen. Und nur ein Beispiel für den Zeitvorteil beim Kunden: Mit der „Ready-to-Go“ Solarzelleninspektion haben wir den sonst üblichen Teaching-Modus für die Prüfung eines neuen Solarzellentyps von zirka vier Stunden auf zwei Minuten verkürzt. Bei Solarzellen gibt es Halbzellen, Vollzellen, mit Ecken, ohne Ecken, abgerundete Ecken, schräge Ecken, verschiedene Abmessungen, verschiedene Bedruckungen, kleine Aussparungen. Wir können bei dieser Vielfalt das Anlernen der Inspektion auf Knopfdruck erledigen, das ist ein absoluter USP von uns. Das Bedienpersonal kann neue Zellen selbständig anlernen und braucht nicht mehr den Bildverarbeitungsspezialisten – das spart enorm Zeit und Geld.

Wollen Sie künftig für weitere Anwendungen „Ready-to-go“ Vison-Lösungen anbieten?

Damaschke:

Wir arbeiten schon an weiteren Lösungen, beispielsweise für die Verpackungsindustrie zur Optimierung der Herstellung von Kartonagen. Die Anlagen arbeiten mit sechs Meter pro Sekunde Durchsatz beim Schneiden und Ausrichten der Kartonagen. Durch Luftfeuchtigkeit und Temperatur verändert sich das Schnittverhalten und es gibt Abweichungen von einigen Zehntel Millimetern. Das wäre bei Handfaltung nicht schlimm, aber bei hochautomatisierten Prozessen mit Taktzeiten von 30 Millisekunden leidet dann schnell die Haltbarkeit der fertigen Kartonagen oder es wird Ausschuss produziert. Mit unserer „Ready-to-Go-Lösung“ wird der Laserlichtschnitt mit kompletten Laserprofilen, Lichtschnittprofilen inklusive der Auswertung innerhalb der kurzen Taktzeit geprüft und Korrekturmaßnahmen spielt das System automatisch in die Anlage ein. Damit lässt sich der Ausschuss um einige Prozentpunkte reduzieren. Kunden, die sich für eine „Ready-to-Go-Lösung“ entscheiden, müssen auch nicht die kompletten Entwicklungskosten wie bei einem kundenspezifischen Projekt tragen. Neben Zeitersparnis sinken also auch die Kosten.

Warum sollen Kunden Sie als Partner für Vision-Projekte wählen?

Damaschke:

Weil wir absolute Spezialisten sind! Unser Team besteht ausschließlich aus sehr lang gedienten Bildverarbeitungsexperten. Neben der Bildverarbeitungssoftware bieten wir auch die Integration in Automatisierungssysteme sowie das Projektengineering an. Die Kunst bei Vision-Projekten liegt darin, die richtigen Komponenten zu finden, in optimaler Symbiose zusammenzutragen und alles schneller und komfortabler zu machen. Mit all unserem Know-how, nVision und den „Ready-to-Go-Lösungen“ sorgen wir beim Kunden für die schnelle und kostengünstige Umsetzung von Vision-Applikationen aller Art. Wir verkaufen nicht einfach Produkte, sondern generieren Lösungen, die funktionieren.

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