Seit 2001 ist Dr. Thomas Steffen in verschiedenen Positionen bei Rittal tätig. 2007 wird der promovierte Maschinenbauingenieur Geschäftsführer und verantwortet den Bereich Forschung und Entwicklung. Eines seiner Hauptaugenmerke liegt aktuell auf der Digitalisierung im Steuerungs- und Schaltanlagenbau.

Bild: Rittal

Kommentar von Dr. Thomas Steffen, Rittal Digitaler Zwilling für den gesamten Produktlebenszyklus

22.08.2019

Digitalisierung und die Bereitstellung relevanter Daten ermöglichen es dem Steuerungs- und Schaltanlagenbauer, seine Produktivität zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu kompensieren. Diese Daten können über den gesamten Produktlebenszyklus gewinnbringend verwendet werden.

Die Digitalisierung im Sinne von Industrie 4.0 schreitet in großen Schritten voran. Die Bedeutung der Daten als eine der wichtigsten Ressourcen wird dabei immer größer. Dies gilt auch für den Steuerungs- und Schaltanlagenbau, in dem quasi das Rückgrat der Infrastruktur für praktisch alle Branchen der Industrie entsteht.

Bei Rittal sind wir diesem Trend frühzeitig begegnet, indem wir unsere Produkte in Richtung Digitalisierung weiterentwickelt und jeweils einen digitalen Zwilling dazu bereitgestellt haben. Besonders wichtig war es für uns, die Bedürfnisse der Kunden im Steuerungs- und Schaltanlagenbau dabei zu kennen und zu berücksichtigen. Nur so konnten wir die passenden Innovationen schaffen und für unsere Kunden Lotse für den technologischen Fortschritt bleiben.

Alle Kernprodukte digitalisiert

So haben wir bereits viele Unternehmen aus dem Steuerungs- und Schaltanlagenbau dabei unterstützt, die Digitalisierung voranzutreiben. Die Durchgängigkeit der Datenhaltung von der Elektro- und 3D-Aufbauplanung über die Fertigung und Verdrahtung in der Werkstatt bis hin zur Inbetriebnahme spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Mit den Kompaktschaltschränken AX und den Kleingehäusen KX haben wir nach den Blue-e+-Kühllösungen und dem neuen Großschranksystem VX25 alle unsere Kernprodukte zum digital vernetzten System erweitert. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, die Produktivität in dieser Schlüsselbranche zu optimieren – von der Planung bis zur Auslieferung des Schaltschranks an den finalen Einsatzort durch den Steuerungs- und Schaltanlagenbauer.

Wir unterstützen unsere Kunden aktiv, die Digitalisierung voranzutreiben. Wir bieten ihnen gemeinsam mit Eplan zum Beispiel mit Panel Building Automation Matrix (PAM) ein Software-Tool, das auf Knopfdruck die Arbeitsweise eines Unternehmens im Steuerungs- und Schaltanlagenbau analysiert und Potenziale entlang der Wertschöpfungskette aufzeigt.

Kein Papier mehr im Schaltschrank

Mit unserem Systemangebot entlang der Wertschöpfungskette des Steuerungs- und Schaltanlagenbaus kann bereits heute ein enormer Fortschritt in der Produktivität erreicht werden. Kunden sprechen von bis zu 30 Prozent.

Doch als Technologieführer denken wir weiter, und damit an den gesamten Produktlebenszyklus. Wenn eine Steuerungs- und Schaltanlage als Teil einer Gesamtanlage am Einsatzort ankommt, gibt es sie zweimal: einmal als physisches Produkt und einmal als digitalen Produktzwilling. Dieser enthält alle relevanten Informationen von der Konstruktion, der Produktion, sowie Verwaltungsdaten. Welche Vorteile die Nutzer der Anlage aus diesem Datencontainer ziehen?

Eine Antwort ist die digitale Schaltschranktasche. Die Pläne, auf denen im Servicefall Änderungen eingetragen werden, sind heute in der Regel auf Papier im Schaltschrank untergebracht. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, die aktuellen Pläne in einer Cloud zu speichern. Dokumentiert der Techniker beim Serviceeinsatz Änderungen vor Ort auf einem Tablet durch Markierung im Schaltplan mit sogenanntem Redlining, bleibt der digitale Zwilling aktuell.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Anlagenbetreiber hat eine aktuelle Version inklusive der durchgeführten Änderungen stets verfügbar. So „lebt“ der ehemalige Produktzwilling als digitaler Betriebs- oder sogar als Performance-Zwilling weiter.

Dies ist nur ein Beispiel, wie Daten im Steuerungs- und Schaltanlagenbau weiterverwendet werden können. Klar ist: Durch Analyse und Nutzung einmal erzeugter Daten lassen sich mit Smart Services echte Mehrwerte für die Kunden generieren.

Dr. Thomas Steffen war mit diesem Beitrag im A&D-Kompendium 2019/2020 als Macher der Automation vertreten.

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel