Holi ist ein indisches Frühlingsfest und heißt übersetzt „Fest der Farben“.

Bild: iStock, Nikada

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Komponenten für die Schüttgutindustrie Deutsche Weichen für Indiens Farben

01.04.2019

Indien ist berühmt für seine Farbenpracht, Deutschland für seine Qualitätsprodukte. Eine deutsch-indische Kooperation kombiniert nun das Beste aus beiden Welten: Die zwei neuen Werke, die ein führender indischer Farbenhersteller derzeit in Indien aufbaut, werden mit Schüttgutweichen „Made in Germany“ bestückt. Für die richtige Weichenstellung sorgen integrierte Pneumatik-Zylinder von Mader.

Ob Milchpulver, Kunststoffgranulat oder Tierfutter – mit hoher Wahrscheinlichkeit passiert ein Schüttgut im Rahmen seines Verarbeitungsprozesses irgendwann auch eine Weiche der Marke DMN Westinghouse. Die in der oberschwäbischen Gemeinde Altshausen produzierten Komponenten für die Schüttgutindustrie werden mit sehr hohen Ansprüchen an die Qualität hergestellt.

Aus diesem Grund konnte sich auch im Jahr 2017 Gesra Gerätebau – seit 2002 eine hundertprozentige Tochter von DMN Westinghouse – in einem aufwendigen Vergabeverfahren gegen die Großen in der Branche durchsetzen. Damit erhielt das Unternehmen einen Millionenauftrag für die Lieferung von mehr als 700 Schüttgutweichen an den größten indischen Farbenhersteller. Zwar werden die beiden neuen Farbenwerke von einem auf Schüttguthandling spezialisierten indischen Anlagenbauer errichtet. „Der Endkunde hat es sich aber nicht nehmen lassen, die Vergabe der Einzelaufträge selbst in die Hand zu nehmen“, berichtet Claus Groner, Geschäftsführer bei Gesra.

Größter Auftrag der Unternehmensgeschichte

Die wirkliche Arbeit begann für Groner, nachdem klar war, dass DMN Westinghouse den Auftrag tatsächlich erhalten würde. Schließlich handelte es sich dabei um den größten Auftrag in der Unternehmensgeschichte – und im Vertrag waren hohe Strafzahlungen festgelegt worden, falls man mit der Lieferung in Verzug kommen sollte. Dass sich die allgemeine Auftragslage zuletzt ebenfalls sehr positiv entwickelt hatte, erhöhte den Druck zusätzlich.

Um alle Liefertermine einhalten zu können, ging das Unternehmen in Vorleistung: „Eigens für den Indien-Auftrag richteten wir einen Battleroom ein, in dem wir Weiche für Weiche geplant haben – denn selbst unser ERP-System war der damaligen Auftragslage kaum gewachsen“, so Groner. „Ohne unsere Belegschaft, die im Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb arbeitete, wäre der Auftrag nicht zu bewältigen gewesen.“ Auch die Zusammenarbeit mit verlässlichen, vielfach regionalen Lieferanten ist für ihn essenziell: „Ich will Lieferanten, die uns auf Augenhöhe begegnen, bei denen wir nicht nur eine kleine Nummer sind und auf die wir uns verlassen können“, sagt Groner. Für den Millionenauftrag aus Indien konnte er, dank dieser klaren Lieferantenpolitik, darauf bauen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Verlässlicher Lieferant

Seit 2006 beliefert Mader, Druckluft- und Pneumatikspezialist aus Echterdingen bei Stuttgart, Gesra mit verschiedenen Pneumatik-Komponenten, seit 2014 auch mit Pneumatik-Zylindern. Das zusätzliche Volumen durch den Indien-Auftrag konnte Mader ohne Probleme stemmen. „Wir haben uns komplett auf den Zeitplan von Gesra eingestellt und ein Pufferlager eingerichtet, um die Zylinder pünktlich zu den vereinbarten Zeiten ausliefern zu können“, berichtet Jochen Zwicker, Leiter des Produktbereichs Pneumatik bei Mader.

Für den Indien-Auftrag lieferte Mader KDI-Zylinder nach ISO 15552 in verschiedenen Durchmessern von 100 bis 160 mm mit Sonderhüben von 115 bis 200 mm, plus die passenden Komponenten. „Mit dem KDI haben wir einen Zylinder im Programm, der sich aufgrund des reinigungsfreundlichen Designs mit glatten Konturen und reduzierten Vertiefungen für den Einsatz im Schüttgutbereich eignet“, erklärt Zwicker. Zudem sind die Zylinder für Atex-Bereiche zugelassen.

Hohe Fertigungstiefe

Anders als die Großen in der Branche, die Komplettsysteme für die Prozessindustrie liefern, hat sich DMN Westinghouse auf die Entwicklung und Herstellung von Schüttgutkomponenten spezialisiert. Dazu gehören Zellenradschleusen, Weichen, Rohrkupplungen für Förderleitungen und passendes Zubehör.

Bei Gesra liegt der Fokus auf Schüttgutweichen in unterschiedlichsten Varianten. „Erst die Spezialisierung erlaubt es uns, Produkte in höchster Qualität zu liefern“, gibt sich Groner überzeugt. „Wir produzieren die Kernkomponenten unserer Weichen selbst. Wir kaufen Guss ein, fräsen, drehen und montieren selbst.“ Diese Fertigungstiefe sowie den engen Kontakt zu den Lieferanten sieht Groner als einen klaren Qualitätsvorteil. Nur so kann DMN Westinghouse Produktionszeiten für Weichen realisieren, die notfalls bei sechs statt der marktüblichen zwölf Wochen liegen.

Der Erfolg gibt Groner Recht: 2016 wurde die Produktionsfläche in Altshausen um weitere 1.400 m2 verdoppelt, der Auftragseingang ist so hoch wie noch nie. Die neue Halle ist mit modernen Montageplätzen und mit hocheffizienten Prüf­einrichtungen ausgestattet. „Wir machen 100-Prozent-Tests, das heißt jede Weiche durchläuft verschiedene Leckagetests und Schaltoperationen“, erklärt Groner.

Durch die hochautomatisierten Prüfarbeitsplätze konnte die Prüfzeit pro Weiche um zwei Drittel reduziert werden. Wie wichtig die Prüfung der Weichen ist, erläutert Groner an einem Beispiel: „Wenn eine Weiche in einem mit Milchpulver befüllten Silo ausfällt, dann wird nicht nur die komplette Produktion lahmgelegt, sondern aus Hygienegründen ist auch die komplette Charge verloren. Das verursacht schnell mal Kosten in zweistelliger Millionenhöhe!“

Die Weiche von morgen

Dennoch gibt Groner mit einem Augenzwinkern zu: „Wir produzieren Weichen und keine Rocket Science.“ Was für ihn aber nicht heißt, dass die Weiche der Zukunft nicht intelligenter sein wird. Mittelfristig will Gesra die Anzahl der produzierten Weichen pro Jahr mehr als verdoppeln. Dafür setzt das Unternehmen schon heute auf modernes Shopfloormanagement und den gezielten Einsatz moderner Informationstechnologie.

„Indus­trie 4.0 bietet einmalige Möglichkeiten, um die Transparenz im Produktionsprozess zu erhöhen“, ist Groner überzeugt. „Gerade weil die Weiche ein so kritisches Bauteil ist, denken wir in viele Richtungen weiter – sei es Energieeffizienz, präventive Instandhaltung, Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Bauteilen oder die Verknüpfung mit intelligenter Sensorik.“ Hierfür soll auch die Zusammenarbeit mit Mader intensiviert werden, nicht zuletzt, weil Mader laut Zwicker ebenfalls intensiv an intelligenten Lösungen arbeitet, um die Transparenz und Energieeffizienz in der Pneumatik zu erhöhen.

Bildergalerie

  • In der neuen Halle werden an hochmodernen Montageplätzen die Schüttgutweichen für den indischen Großauftrag montiert.

    Bild: Mader

  • Für den Indien-Auftrag wurden Zylinder nach ISO 15552 mit verschiedenen Durchmessern von 100 bis 160 mm verwendet.

    Bild: Mader

  • Die fertig montierten Weichen mit den Mader-Zylindern, die zuverlässig für die richtige Schaltstellung der Weichen sorgen.

    Bild: Mader

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