Der Export der europäischen Mikrotechnikunternehmen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Nun soll China als wichtiger Markt hinzukommen.

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Dem Fachkräftemangel zum Trotz Mitarbeiterzahlen und Umsatz der Mikrotechnikbranche steigen kontinuierlich

10.04.2018

Positive Entwicklungen der europäischen Mikrotechnikbranche, die sich in den Vorjahren abzeichneten, setzen sich in diesem Jahr, zum Teil verstärkt, fort. Dies hat die diesjährige Datenerhebung des IVAM Fachverband für Mikrotechnik bestätigt. Dazu zählen ein fortgesetzter Aufwärtstrend bei Mitarbeiterzahlen und Umsätzen sowie ausgesprochen gute Prognosen in beiden Bereichen für die kommenden drei Jahre.

Trotz des Fachkräftemangels in den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) steigen die Beschäftigtenzahlen in der Mikrotechnik-Industrie stetig. Im Jahr 2017 haben mehr als sechzig Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiterzahlen erhöhen können. Noch im vergangenen Jahr wurde die Sicherung ausreichender Fachkräfte von den Unternehmen als eine der größten Herausforderungen genannt. Auch die Erwartungen an die Personalentwicklung für die nähere Zukunft sind ausgesprochen gut: Mehr als drei Viertel der Unternehmen wollen in den nächsten drei Jahren zusätzliches Personal einstellen.

Ein kontinuierlich wachsender Anteil der europäischen Mikrotechnikunternehmen konnte in den vergangenen vier Jahren auch den Umsatz steigern. Die mittelfristigen Erwartungen an die Umsatzentwicklung sind ebenfalls sehr positiv: Fast achtzig Prozent der Unternehmen erwarten, dass ihre Umsätze in den nächsten drei Jahren steigen werden.

Export nimmt zu – China soll wichtigster Übersee-Exportmarkt werden

Der Export der europäischen Mikrotechnikunternehmen, der in den letzten Jahren verhalten gewachsen ist, kommt jetzt stärker in Schwung. Die EU und die EFTA-Staaten bleiben auf längere Sicht die wichtigste Exportregion. Beim Übersee-Exportgeschäft liegen die USA heute noch vorn, werden in den nächsten drei Jahren aber voraussichtlich von China überholt werden. Dieser Trend zeichnete sich bereits vor der Präsidentschaft Donald Trumps und den von ihm angekündigten Einfuhrbeschränkungen für Güter aus der EU in die USA ab.

Gesundheit bleibt wichtigster Markt

Die Medizintechnik und die Gesundheitswirtschaft sind und bleiben auf absehbare Zeit die wichtigsten Absatzmärkte der Mikrotechnikbranche. Die Kombination von Miniaturisierung und Digitalisierung schafft hier momentan viele neue Anwendungen, wie aktive Implantate und Wearables.

Allerdings könnte die neue Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation) der Europäischen Union mit ihren erhöhten Anforderungen an die Zulieferindustrie der Innovationskraft auf dem Gebiet der Medizintechnik einen Dämpfer verpassen. Sie stellt die hohen Anforderungen an die Zertifizierung und Dokumentation, die bisher nur für Gerätehersteller galten, nun auch an Zulieferer der Medizintechnikbranche. Der erhöhte Aufwand ist für viele kleine und mittlere Unternehmen nur schwer zu leisten. Es besteht die Gefahr, dass sich einige innovative Unternehmen aus dem Medizintechnikmarkt zurückziehen.

Über die IVAM-Befragung

Der IVAM Fachverband für Mikrotechnik erhebt einmal pro Jahr die Wirtschaftsdaten bei Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich mit Mikrotechnik, MEMS, Nanotechnik, neuen Materialien und optischen Technologien beschäftigen. Im Februar 2018 wurden 3.800 Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Europa zu ihrer wirtschaftlichen Lage und ihren Erwartungen, zu ihren internationalen Aktivitäten und zu EU-Regularien befragt. Die Teilnehmer stammen überwiegend aus Staaten in Mittel-, West- und Nordeuropa, 73 % der Teilnehmer kommen aus Deutschland. Ein Großteil der Teilnehmer sind Vertreter kleiner Unternehmen: 56 Prozent KMU, 6 Prozent Start-ups, 6 Prozent Großunternehmen, 32 Prozent Hochschul- oder Forschungsinstitute.

Bildergalerie

  • Entwicklung der Mitarbeiterzahlen in der europäischen Mikrotechnikindustrie.

    Bild: IVAM

  • Entwicklung des Umsatzes in der europäischen Mikrotechnikindustrie.

    Bild: IVAM

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