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Seit Jahren werden immer mehr Geräte mit Embedded-Systemen ausgestattet um sie smarter zu machen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.

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Trendbericht Embedded Jetzt wird umgesetzt!

22.02.2017

Auf der Embedded World 2017 steht seit längerem mal kein einzelnes Thema im Vordergrund. Stattdessen warten viele Bereiche mit spannenden Neuerungen auf. Wir haben Brancheninsider befragt, was sie in diesem Jahr von der Embedded-Welt erwarten.

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Autonomes Fahren, Security oder die Dauerbrenner Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 – Themen gibt es auf der diesjährigen Embedded World genügend. Im Gegensatz zu den Vorjahren ragt aber keines von ihnen besonders heraus. Die Zeit des Hypes scheint bei allen erst einmal vorbei zu sein. Stattdessen geht es jetzt an die Umsetzung. „IoT und Industrie 4.0 waren lange Marketingbegriffe. 2017 werden sie nun definitiv umgesetzt“, sagt Christian Binder, Geschäftsführer des Industrie-PC-Herstellers Syslogic.

Wie die Umsetzung ein Thema wieder stärker in den Fokus rücken kann, zeigt in diesem Jahr das Internet der Dinge. Obwohl es auf der Messe nicht prominenter vertreten ist als andere, wird es in diesem Jahr ein Comeback als wichtigstes Embedded-Thema erleben. „Wir sehen ganz klar, dass IoT den Embedded-Markt dominieren wird“, konstatiert Amir Sherman. Er ist Director für Embedded Technologie bei dem Distributor Arrow. Diesmal rührt das Interesse am IoT also nicht von den fantastischen zukünftigen Aussichten her, die es verspricht, sondern von fertigen Geräten und Anwendungen.

Für Sherman bedeutet das, Bauteilefertiger müssen sich noch stärker auf die Anforderungen des IoT konzentrieren. Zum Beispiel sollten sie Wireless-Komponenten häufiger in Bauteile einplanen, etwa in Mikrocontroller. „Hersteller sind gut aufgestellt, die allgemeine MCUs im Programm haben aber auch SoCs mit kombiniertem MCU und Wireless-Komponenten“, sagt er.

IoT: Mehr Komponenten mit Wireless und höherer Rechenleistung nötig

Auch Markus Mahl zufolge, Leiter des Produktmarketings für Embedded bei Data Modul, müssen Embedded-Hersteller ihre Produkte den Anforderungen des IoT anpassen. Entscheidend für ihn sind die riesigen Datenmengen, die durch die Vernetzung und die große Anzahl an intelligenten Sensoren entstehen. „Die zu verarbeitenden Datenmengen werden immer umfangreicher. Für deren Auswertung und Verarbeitung ist kontinuierlich mehr Rechenleistung nötig“, sagt Mahl. Für Edgar Huber, Manager Communications bei MSC Technologies, steht hingegen das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten und Module im Vordergrund. Sie müssten sich leicht kombinieren lassen. „Das IoT braucht einfach integrier- und vernetzbare Produkte“, meint er.

Auch die Automobilbranche wird in diesem Jahr erneut ein wichtiger Markt für Embedded-Hersteller sein. Darin sind sich die Brancheninsider einig. Mit besonders interessanten Entwicklungen rechnen sie bei Fahrerassistenzsystemen und dem autonomen Fahren. „Automotive wird auch 2017 äußerst prominent vertreten sein, vor allem das autonome Fahren“, meint Mahl. Letzteres steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Mit wirklich autonomen Autos ist daher in diesem Jahr nicht zu rechnen. Dafür ist die Technik schlicht noch zu wenig ausgereift. Das zeigten unter anderem die verschiedenen Unfälle mit Teslas Autopiloten im letzten Jahr, bei denen auch ein Fahrer tödlich verunglückte. Zumal es bisher ausschließlich darum ging, dass die Technik richtig funktioniert. Wie sich autonome Autos gegen Hackerangriffe absichern lassen, ist hingegen weiterhin ungeklärt. Gerade bei Fahrzeugen zeigt sich, wie wichtig Security ist. Schließlich bedrohen Cyberattacken auf autonome Fahrzeuge im schlimmsten Fall das Leben der Insassen und anderer Verkehrsteilnehmer.

Wenig überraschend sind sich deshalb die Experten einig über den hohen Stellenwert von Security für Embedded-Systeme. Für Amir Sherman ist klar, dass sie als Gesamtsystem geplant sein sollte. „In diesem Jahr wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass Security viel mehr ist als Advanced Encryption und ein sicherer Hash-Algorithmus. Standalone-Security-Chips, Wireless-Verschlüsselung und eine sichere Cloud gilt es zu einer sicheren Gesamtlösung zu verbinden“, sagt er. Genauso sieht das auch Mark Liu, Business Development Manager für Embedded Computing bei Moxa. Für ihn „ muss die Infrastruktur Cybersecurity vom einen bis zum anderen Ende komplett unterstützen.“ Eine weitere große Herausforderung sind Christian Binder zufolge die Updates. „Schwierig ist es, bei langfristig eingesetzter Hardware stets die neuesten Security-Features zu integrieren“, sagt er. Was sich bei Software vergleichsweise einfach umsetzen lässt, wird bei Hardware ein Problem.

Erhöhen lässt sich die Sicherheit auch, indem die Hersteller Open-Source-Software und -Hardware für ihre Systeme verwenden. Sind der Code oder die Schaltpläne offen zugänglich, werden zwar Kriminelle leichter auf Schwachstellen aufmerksam, aber auch viele normale Anwender und Sicherheitsforscher geben den
Herstellern Hinweise auf Sicherheitslücken.

Open-Source ist umstritten

Deshalb steigt Sherman zufolge auch der Anteil an Open-Source-Embedded-Systemen. „Open Source wird im Embedded-Bereich immer wichtiger. Einer der Hauptgründe dafür sind die gestiegenen Sicherheitsanforderungen“, erklärt er. Das ist aber nicht der einzige Aspekt, der für Open-Source-Systeme spricht. „Der Einsatz von Open-Source zielt nicht darauf ab, Geld zu sparen, sondern vor allem auf Innovation“, erklärt Liu. Doch nicht alle Insider sind vom Open-Source-Gedanken überzeugt. „Bei den meisten professionellen Projekten ist die Eigenschaft der quelloffenen Software kein Vorteil, sondern oft sogar ein Nachteil“, meint Edgar Huber.

Gespalten sind die Experten auch bei der Frage, welches Betriebssystem im Embedded-Bereich zukünftig die Nase vorn hat. Liu ist von Windows 10 enttäuscht. „Wir bei Moxa sehen keine überzeugende Lösung in Windows 10 für zukünftige Embedded-Systeme. Beispielsweise wird der mangelnde Support für den Windows 10 IoT Core für RISC-SoCs ein Wellenbrecher für die Industrie sein“, meint er. Auch für Huber ist ein wichtiger Punkt gegen Microsofts Betriebssystem die mangelhafte Unterstützung einer Prozessorarchitektur: „Windows 10 hat bisher nicht die Erwartungen erfüllt. Für ARM-Prozessoren ist es etwa nur in einer verkümmerten Version verwendbar.“

Linux oder Windows 10?

Die Befürworter des Betriebssystems loben hingegen vor allem die neue Lizenzstruktur. „Aktuell sieht es so aus, als ob sich Windows 10 durchsetzen wird. Immer mehr unserer Kunden sind dabei darauf umzustellen. Das ist auch auf die jetzt transparente Lizenzstrategie zurückzuführen“, sagt Markus Mahl. Dem stimmt auch Christian Binder zu.

Wer von den Experten bei diesen beiden Kontroversen Recht behält, wird sich erst in Zukunft zeigen. Vielleicht gibt 2017 darauf ja bereits ein paar Hinweise. Womöglich läuft es zumindest bei den Betriebssystemen auf ein gedeihliches Nebeneinander hinaus. Amir Sherman
etwa hält beide Systeme für durchaus attraktiv.

Bildergalerie

  • „Das IoT wird 2017 den Embedded-Markt dominieren.“ Amir Sherman, Arrow Electronics

    „Das IoT wird 2017 den Embedded-Markt dominieren.“ Amir Sherman, Arrow Electronics

    Bild: Arrow Electronics

  • „Die Datenmengen werden immer größer. Dafür ist kontinuierlich mehr Rechenleistung nötig.“ Markus Mahl, Data Modul

    „Die Datenmengen werden immer größer. Dafür ist kontinuierlich mehr Rechenleistung nötig.“ Markus Mahl, Data Modul

    Bild: Data Modul

  • „Open-Source zielt nicht darauf ab, Geld zu sparen, sondern auf Innovation“ Mark Liu, Moxa

    „Open-Source zielt nicht darauf ab, Geld zu sparen, sondern auf Innovation“ Mark Liu, Moxa

    Bild: Moxa

  •  „Windows 10 hat die Erwartungen nicht erfüllt. Für ARM-Prozessoren ist es etwa nur in einer verkümmerten Version verwendbar.“ Edgar Huber, MSC Technologies

    „Windows 10 hat die Erwartungen nicht erfüllt. Für ARM-Prozessoren ist es etwa nur in einer verkümmerten Version verwendbar.“ Edgar Huber, MSC Technologies

    Bild: MSC Technologies

  • „Eine Herausforderung ist es, bei langfristig eingesetzter Hardware stets die neuesten Security-Features zu integrieren“ Christian Binder, Syslogic

    „Eine Herausforderung ist es, bei langfristig eingesetzter Hardware stets die neuesten Security-Features zu integrieren“ Christian Binder, Syslogic

    Bild: Syslogic

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