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Bild: Honeywell; iStock, enisaksoy

Schulungen rund um den Globus auf einer Plattform Anlagenbediener lernen aus der Cloud

07.05.2018

Seine weltweiten Gasanlagen überwacht Linde über Fernleitwarten. Voraussetzung dafür ist geschultes Personal. Um Mitarbeitern auf der ganzen Welt einen einheitlichen Wissensstand zu verschaffen, nutzt das Unternehmen eine simulatorbasierte Lösung von Honeywell.

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Mehr als 1.300 Anlagen zur Gasproduktion betreibt Linde verteilt über die ganze Welt. Mehr als 500 davon sind Großanlagen, die zur Wasserstofferzeugung sowie zur Luftzerlegung dienen. Damit diese Anlagen sicher, effizient und produktiv betrieben werden können, hat das Unternehmen die Prozessbedienung in einige wenige Fernleitwarten (Remote Operating Center, ROC) zusammengelegt.

Vielschichtige Umgebung erfordert Kompetenz

Die Linde-Standorte Leuna in Deutschland, Stewartsville in New Jersey in den USA und Shanghai in China stellen jeweils einen gemeinsamen Anlagenbetrieb, ein technisches Exzellenzzentrum und darüber hinaus die zentrale Führung aller Anlagen in ihrer jeweiligen Region zur Verfügung.

Die Bediener in jedem einzelnen ROC überwachen den Betrieb von mehreren Dutzend Anlagen in verschiedenen Ländern. Dass dies überhaupt möglich ist, ist einem Automationsgrad geschuldet, der im Normalbetrieb nur wenige manuelle Eingriffe benötigt.

Eine derart vielschichtige Bediener­umgebung erfordert ein hohes Niveau an Bedienerkompetenz, um einen sicheren und reibungslosen Betrieb bei Anfahrvorgängen oder Prozessstörungen zu gewährleisten. Auch die Übergabe neuer Anlagen von der Bedienung vor Ort an das ROC muss sorgfältig geplant werden. Da derartige Ereignisse selten vorkommen, waren die Möglichkeiten zur Schulung und Vorbereitung der ROC-Bediener limitiert. Darüber hinaus besteht ein großes Ausfallrisiko bei einer Schulung am realen System.

Schulungen auf der Basis von Simulatoren

Mit Unterstützung von Honeywell erstellten und implementierten Linde-Ingenieure für alle Fernleitwarten eine Schulungslösung, die auf einem Simulator basiert. Dynamische Modelle komplexer industrieller Prozesse in Verbindung mit realen Bedienerschnittstellen verschaffen den Anwendern schnell Vertrauen, Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit normalen und ungewöhnlichen Situationen – ohne Risiko für den Betrieb.

Linde entschied sich für Unisim Operations, einen Baustein aus dem Honeywell-Portfolio zum Kompetenzmanagement aus der Unisim Competency Suite. Dieser erlaubt es dem Unternehmen, vor Ort eine cloudbasierte, zentral verwaltete Plattform zur Operator Training Simulation (OTS) für alle ROC zu implementieren. Weltweit können Bediener über ihre Workstations auf OTS-Schulungen für typische Anlagen-Konfigurationen zugreifen. Anwendungen zu verschiedenen Wasserstoffanlagen sowie einer Luftzerlegungsanlage sind über diese Lösung verfügbar.

Die OTS-Architektur basiert auf der Unisim-Design-Software zur Prozesssimulation, und auf Unisim Operations, der auf zentral verwalteten virtuellen Rechnern implementierten Trainingslösung. Im konkreten Fall ist das Leitsystem eine Emulation der PCS7 von Siemens, einschließlich der Engineering- und Bedienerstationen, die über einen SIMIT-Adapter an Unisim Operations gekoppelt ist.

Konsistente Schulung über mehrere Standorte

Die Software von Honeywell ermöglichte Linde die schnelle Einführung eines konsistenten und hochwertigen OTS-Trainings in allen ROC weltweit. Bediener erlangen einfachen Zugang zu Schulungen mit den Bedienerschnittstellen und Regelungsstrategien der realen Anlage, wo und wann immer sie es benötigen. Durch das zentralisierte Training kann Linde einen konsistenten Schulungsplan sicherstellen und damit auch Standorte vergleichen.

Die Nutzung verschiedener OTS-Applikationen für typische Anlagen bietet ein hochwertiges simulatorbasiertes Training und ermöglicht gleichzeitig die Aufteilung der Kosten auf eine breitere Anwenderbasis. Mit der Möglichkeit zur Beschaffung doppelter Hardware und Lizenzen ist das System einfach und kostengünstig skalierbar und kann so mit Personalerweiterungen oder sogar neuen ROC wachsen. Linde ist mit dieser Lösung nun außerdem in der Lage, externe Schulungen für Engineering-Kunden durchzuführen, die ihre eigene Anlage betreiben.

Zu seinen Erfahrungen mit dem System erklärt Florian Hang, HyCO Global Operations: „Unsere globale Plattform zur Operator-Schulung ermöglicht uns ein konsistentes Training in der gesamten Organisation und spart gleichzeitig Geld bei der OTS-Pflege und den Lizenzkosten.“

Jan Heinrich, HyCO Operations Manager bei Linde Gas, ergänzt: „Das OTS hat es uns ermöglicht, die Bediener in unserer Fernleitwarte in Deutschland zu schulen, und das bevor die Anlage in Finnland in Betrieb genommen wurde. Dies führte zu einer reibungslosen Übergabe des Anlagenbetriebs von der Inbetriebnahme-Phase bis hin zum normalen Fernbetrieb.“

Das Kompetenz-Paket Unisim

Unisim Competency Suite ist Honeywells simulatorbasierte Softwarelösung zur Schulung und Weiterentwicklung. Sie unterstützt den Bediener dabei, Kenntnisse aufzubauen, Wissen und Erfahrung zu sammeln und das richtige Reaktionsverhalten zu lernen, um Prozessanlagen sicher und effizient zu führen.

Die Nutzung anspruchsvoller mathematischer Modelle über Anlageneinrichtungen, Prozesssteuerungen und Bedienerschnittstellen in der Unisim Competency Suite und deren Implementierung in internen oder externen Cloud-Architekturen überträgt die OTS-Erfahrung auf den Arbeitsplatz, wo auch immer die Bediener sich befinden.

Bildergalerie

  • Der Screenshot zeigt, wie eine Schulung über das Unisim-System von Honeywell aussehen kann.

    Bild: Honeywell

  • Die Luftzerlegungsanlage, die Linde in Leuna betreibt, ist eine der Anlagen, die über eine Fernleitwarte bedient wird.

    Bild: The Linde Group

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