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Bild: iStock, Urbancow

Neue Geschäftsmodelle von Energieversorgern Energieversorgung aus ungewohnten Blickwinkeln

07.11.2017

Digitalisierung, Energiewende, Prosumer – für Energieversorger gibt es derzeit viele Gründe, sich für die Zukunft neu zu orientieren. Dabei hilft ein Perspektivenwechsel. Denn statt wie bisher nur Energie zu liefern, können sie von ihrem Wissen über komplexe Netzstrukturen profitzieren und neue Einnahmequellen finden.

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Wie werden die nächsten Schritte der Energieversorger aussehen? Das ist die Multimilliarden-Euro-Frage, vor deren Beantwortung die Energiebranche derzeit steht. Auf der einen Seite setzen erneuerbare Energien, bedarfsgesteuerte Dienste und Effizienzsteigerungen den Energieversorgern potenzielle Grenzen für ihre Zukunft. Auf der anderen Seite wird der Betrieb der Netze angesichts der Verbreitung von Elektrofahrzeugen und des IoT teurer und komplexer als jemals zuvor. Mehr Arbeit, weniger Chancen: diese Vorstellung kann beängstigend wirken.

Als Antwort auf dieses Dilemma haben einige Regionen in Texas und Großbritannien ihre Energieversorger zu reinen Netzbetreibern gemacht und dies stößt weltweit auf Interesse. Sie erzeugen und verkaufen keinen Strom mehr. Stattdessen haben sie die Verantwortung für die Leitungen und die Infrastruktur übernommen, die das Bindeglied zwischen Verbrauchern und Energieerzeugern darstellen.

Darüber hinaus gibt es aber viel mehr, was Energieversorger tun können. Denn was den Echtzeitbetrieb komplexer Netze angeht sind sie eine reiche Quelle bisher nicht genutzter Expertise. Anstatt einfach nur Strom zu verkaufen, haben Energieversorger damit begonnen, großen Energieverbrauchern, Solar- und anderen Industrieunternehmen ihre Technologien anzubieten, zu denen zum Beispiel cloudbasierte Dienste gehören.

The American Way of Energy

Ein aktuelles Beispiel aus den USA ist Sempra Energy: Der Energieversorger von San Diego hat vor kurzem mit Hilfe des Software-Anbieters OSIsoft das Tochterunternehmen Pxise gegründet. Die Tochter bietet Microgrid-Software und -Dienste an. Sowohl das Technologie- als auch das Geschäftsmodell sind einzigartig. Die öffentlichen Versorgungsbetriebe von San Francisco nutzen ihre operative Daten zur Überwachung der Anlagen in der östlichen Hälfte der Stadt. Sie sind optimistisch, dass sie 9.000 Arbeitsstunden jährlich einsparen können, indem sie Laufzeitdaten und andere Signale verwenden, um eine gezieltere Instandhaltung zu erreichen. Sie versuchen gleichzeitig Prozesse auf die Abendstunden zu verlagern, um Spitzenstromkosten zu vermeiden. Durch die Lizenzierung dieser gesäuberten Nutzerdaten wird es auch Dritten ermöglicht, effiziente Dienstleistungen zu entwickeln.

Auch andere springen auf diesen Zug auf. So splittete sich Edison International im Jahr 2016 von Edison Energy ab. Das neue Unternehmen unterstützt Kunden, die ein komplexes Energie-Portfolio verwalten. Der Netzbetreiber PJM, der das Stromnetz an der Ostküste der USA managt, hat mittlerweile die Dispatch Interactive Map Application (DIMA) entwickelt. Mit Hilfe dieser Applikation erhalten Techniker aus der Kontrollzentrale heraus Einblicke in alle Betriebsabläufe. PJM setzt die Applikation derzeit intern zur Unterstützung seiner Disponenten ein, sucht aber nach Möglichkeiten für die Kommerzialisierung. Tokyo Electric Power eruiert Möglichkeiten für die Entwicklung neuer eigener Dienste.

Einnahmequellen für Versorger

Auch die Regulierungsbehörden sitzen beim Wandel der Geschäftsmodelle in der Energieversorgung mit im Boot. Zu den interessanteren Aspekten gehört der Austausch von Daten. Künftig könnten die Regulierungsbehörden den Versorgern vorschreiben, bestimmte Daten wie Netzpläne vermutlich mit Solarherstellern und anderen zu teilen. Echtzeitdaten und -analytik lassen sich aber möglicherweise zu Geld machen. Elementare Daten sollten deshalb allen Anbietern zu Verfügung stehen. Doch die Netzbetreiber könnten durchaus eine Kompensation für die bei der Erstellung und Aufbereitung der Daten angefallenen Kosten verlangen, denn am Ende profitieren die Anbieter von diesen Daten. Die Kompensation könnte über einen nicht regulierten Zweig des Versorgers erfolgen. Die zuständige Kommission könnte jedoch auch entscheiden, dass dieses Modell für Versorgungsunternehmen, die der Regulierung unterliegen, zum legitimen Umsatzstrom zählen wird.

Zugegeben, wir stehen noch ganz am Anfang des Umbruchs, der den Energieversorgern bevorsteht. Die politischen Rahmenbedingungen müssen zunächst geschaffen und mit der Zeit angepasst werden. Und nicht alle Versuche, moderne Technik zu verkaufen, wird am Ende auch erfolgreich sein. Die Energieversorger werden zu Recht erst einmal überdenken müssen, wie solch ein Wandel ihre Rolle als unparteiische Dienstleister tangiert.

Daneben muss ein massives kulturelles Umdenken erfolgen. Ein erster Schritt in eine neue Zukunft könnte deshalb darin bestehen, Energieunternehmen als Technologieunternehmen zu betrachten, die zufälligerweise Strom verkaufen, und nicht mehr nur als Versorger, die über ungeheures technologisches Wissen verfügen.

Bildergalerie

  • Prinzip des PI-Systems

    Bild: OSIsoft

  • Die öffentlichen Versorgungsbetriebe von San Francisco nutzen ihre operative Daten zur Überwachung der Anlagen in der östlichen Hälfte der Stadt.

    Bild: OSIsoft

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