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Kuri kann sich Gesichter merken und soll auf die verschiedenen Personen in einem Haushalt unterschiedlich reagieren können.

Bild: Mayfield Robotics

Futuristisches Familienmitglied Kuri - der Roboter zum Knuddeln

08.05.2017

Während Haushaltsroboter erst so langsam im Alltag der Menschen ankommen, denkt die boomende Robotikbranche längst weiter. Das Startup Mayfield Robotics arbeitet nämlich weniger am nächsten Helfersystem als vielmehr an dem ersten künstlichen Familienmitglied.

Kuri heißt der putzige Hausroboter, den das von Bosch finanzierte Startup Mayfield Robotics Ende diesen Jahres in den Handel bringt. Die Namensgebung verrät dabei schon einiges über dessen Sinn und Zweck. Kuri ist Japanisch und bedeutet Kastanie. Doch was hat das mit einem Roboter und seinen Fähigkeiten zu tun? Auf den ersten Blick natürlich verhältnismäßig wenig: Laut Chris Matthews, Vice President of Marketing, habe man den Namen in erster Linie deshalb gewählt, weil er putzig klinge. Tatsächlich verweist die Namensgebung aber schon auf den Hauptzweck von Kuri. Er soll eben primär niedlich und liebenswert sein und erst danach praktische Funktionen bieten. Dennoch ist die Idee hinter dem Roboter faszinierend und eröffnet der Robotik einen ganz neuen Markt.

Verbesserte soziale Interaktion als Entwicklungsziel

Die Frage nach Robotern in unserer Gesellschaft weckt vermutlich sehr unterschiedliche Assoziationen. Die einen denken sicherlich zunächst an Maschinen, wie sie heutzutage in vielen Fabriken zum Einsatz kommen. Gemeint sind also zum Beispiel Schweißroboter, Greifarme und mehr oder weniger autonome Montagesysteme, die bei der automatisierten Fertigung verschiedenster Produkte helfen. Für den Haushalt gibt es inzwischen ebenfalls zahlreiche praktische Helfer, die etwa selbstständig die Wohnung saugen oder den Rasen mähen.

Vielen Menschen kommt aber bestimmt auch das Hollywood-Kino in den Sinn, in dem intelligente Roboter mit eigenem Charakter inzwischen eine lange Tradition haben. Zu den bekanntesten Vertreter zählen C3PO und R2D2 aus Star Wars, der depressive Marvin aus Per Anhalter durch die Galaxis oder der Terminator aus den gleichnamigen Actionfilmen. Die Filmfiguren zeichnet dabei vor allem durch eines aus: ihre eigene Persönlichkeit. An genau diesem Punkt setzen derzeit viele Entwickler an und versuchen Roboter zu entwickeln, die mehr sind als nur hilfreiche Maschinen. Sie sollen in den Menschen Emotionen hervorrufen und vor allem sollen sie mit ihren Besitzern interagieren können.

Robohunde und Gabelstapler mit Gefühlen

Ganz neu ist dieser Ansatz allerdings nicht. 1999 hatte beispielsweise Sony erstmals den Roboterhund AIBO vorgestellt, der auf seine Umgebung und die ihm entgegengebrachte Zuneigung reagieren konnte. In letzter Zeit werden die Ideen aber zunehmend komplexer und vielfältiger. Disney etwa arbeitet an einem Androiden, den Kinder (und Erwachsene) umarmen können. Ein weiteres Beispiel ist der kleine Spielzeugroboter Cozmo. Vergangenes Jahr brachte ihn das US-Unternehmen Anki auf den Markt. Cozmo, der aussieht wie ein Gabelstapler im Miniformat, kann wahlweise alleine mit sich selbst oder gegen einen Menschen spielen und zeigt sichtbare Emotionen, wenn er verliert oder gewinnt. Er erkennt außerdem Gesichter und nimmt seine Umgebung wahr.

Kuri, ein Roboter mit Persönlichkeit

Kuri will aber mehr sein also ein reines Kinderspielzeug. Die soziale Interaktion mit dem Hausroboter steht für die Entwickler im Zentrum. Ben Kearns, Softwareentwickler bei Mayfield Robotics, erklärt das Hauptfeature von Kuri folgendermaßen: „Wichtig ist, dass wir uns genau anschauen, wie die Menschen mit ihren Kindern umgehen, mit ihren Freunden oder auch mit ihren Haustieren – kurz gesagt, mit dem, was ihnen am Herzen liegt. Daraus kann man ableiten, welches soziale Verhalten sie von ihrem Gegenüber erwarten. Das bringen wir dem Roboter bei, wir geben ihm eine Persönlichkeit.“

Grundlage hierfür ist unter anderem auch die Fähigkeit, Personen unterscheiden zu können. Kuri kann sich Gesichter merken und soll auf die verschiedenen Personen in einem Haushalt unterschiedlich reagieren können. Auf Kommandos und Ansprache antwortet er außerdem mit verschiedenen Piep-Geräuschen oder mit rudimentärer Mimik und Gestik. Er kann etwa den Kopf schütteln oder mit den Augen zwinkern.

Laufender Lautsprecher, Überwachungskamera und freundlicher Concierge in einem

Natürlich kann der kleine Roboter noch mit ein paar praktischen Funktionen aufwarten. Kuri folgt seinem Besitzer auf Zuruf und kann währenddessen via Wifi oder Bluetooth Musik, Hörbücher oder Podcasts abspielen. Über die zugehörige App ist es außerdem möglich, unterwegs auf die integrierte Full-HD-Kamera zuzugreifen. Somit kann man jederzeit nach seinen Haustieren sehen oder kontrollieren, ob daheim noch alles in Ordnung ist. Auf Wunsch patrouilliert Kuri auch durch die Wohnung und meldet verdächtige Geräusche mit Hilfe der App. Zudem kann er seine Besitzer morgens wecken und abends nach der Arbeit begrüßen.

Um diese Aufgaben wahrnehmen zu können, verfügt der Hausroboter über viele Sensoren, die ihm die Navigation durch die Wohnung erleichtern. Er erkennt Treppen und weicht Hindernissen problemlos aus. Selbst Teppiche und kleinere Unebenheiten überwindet Kuri ohne größere Schwierigkeiten. Nebenbei lernt er den Grundriss des Zuhauses und merkt sich, wem die jeweiligen Zimmer gehören.

Erste Charge bereits ausverkauft

Allerdings ruft Mayfield Robotics einen stolzen Preis für Kuri auf. Rund 700 Dollar kostet ein Exemplar und so spannend das Konzept klingt, mehr als die beschriebenen Funktionen hat Kuri nicht vorzuweisen. Unklar ist außerdem, wie gut er tatsächlich auf Sprachbefehle reagieren wird. Zudem ist über den Umfang der zu Verfügung stehenden Kommandos nicht viel bekannt, ebenso wenig über die genauen Dimensionen der sozialen Interaktion oder wie lange der Akku unter realen Bedingungen halten wird. Nichtsdestotrotz: Kuri hat jetzt schon etliche Herzen erobert. Die erste Charge ist bereits ausverkauft.

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