Peter Gerstmann Digitalisierung als Gamechanger

Peter Gerstmann ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Zeppelin Konzerns. Bereits seit 20 Jahren ist er in unterschiedlichen leitenden Positionen für den Konzern tätig.

Bild: Zeppelin
26.10.2023

Während die Baubranche vor großen Herausforderungen steht – Fachkräftemangel, Nachhaltigkeit und Effizienzsteigerung – scheint der Schlüssel zum Erfolg zum Greifen nah: Digitalisierung als Game Changer. Doch im Vergleich bildet die Branche oft das Schlusslicht.

Graf Zeppelin war ein Visionär, der Anfang des letzten Jahrhunderts das Luftschiff entwickelte. Heute ist eine aus seinem Nachlass gegründete Stiftung Gesellschafter der Firma Zeppelin. Nach dem Krieg musste sich das Unternehmen neu orientieren und startete eine Vielzahl neuer Aktivitäten. Es fanden sich immer neue Wege. Heute sind wir der größten Caterpillar Händler der Welt. Unter anderem – und da beginnt wieder radikaler Wandel – sind wir auch der Händler für die Ukraine, für den größten Teil Russlands, für Armenien, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan. 20 Prozent unseres Umsatzes und Gewinns erwirtschafteten wir in diesen Kriegsgebieten. Aber unsere Geschichte zeigt: Wandel ist möglich.

Die Digitalisierung ist ein Schlüsselfaktor für die Industrie. Doch die Bauindustrie hinkt derzeit hinterher: Das Baugewerbe liegt bei der Digitalisierung auf dem letzten Platz. Dabei gibt es so viel Potenzial! Die Digitalisierung der Baubranche bietet Lösungen für den Fachkräftemangel und steigert die Effizienz, was letztlich zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes führt. In der Baubranche wird eine Vielzahl von Daten verarbeitet, von Planungs- und Metadaten bis hin zu Maschinendaten und Verbrauchsmessungen. Digitalisierung ermöglicht es, diese Daten zu nutzen und transparente Prozesse zu schaffen. Die Bedeutung von Daten für einen effizienten und nachhaltigen Gebäudelebenszyklus wird immer größer.

Vor rund acht Jahren haben wir mit der Integration der Digitalisierung in unsere Geschäftsmodelle begonnen. Wir haben zwei Einheiten gegründet, um bestehende Geschäftsmodelle zu digitalisieren und neue digitale Geschäftsmodelle in der Bauindustrie zu entwickeln. Dabei haben wir uns zum Ziel gesetzt, disruptiv zu sein. Wir wollen schnell auf Veränderungen reagieren können. Ein konkretes Beispiel für die Digitalisierung in der Bauindustrie ist die „digitale Baustelle“ zu entwickeln. Dabei geht es darum, unseren Kunden eine umfassende Plattform zur Verfügung zu stellen, die verschiedene Aspekte der Organisation und des Managements von Baustellen digitalisiert.

Einer der ersten Schritte in diese Richtung ist die Digitalisierung der Zugangskontrolle zur Baustelle. Durch den Einsatz einer speziellen Software sind wir in der Lage, den Zutritt zur zu steuern und zu verwalten. Dabei werden wichtige Informationen wie Sicherheitszeugnisse, Sozialversicherungsnachweise und Arbeitserlaubnisse erfasst und geprüft. Jeder, der die Baustelle betritt, erhält eine individuelle Zutrittsberechtigung, mit der er sich dort frei bewegen, bestimmte Bereiche aufsuchen und bestimmte Aufgaben ausführen kann. Dies ist ein Beitrag zur Sicherheit und zur Reduzierung möglicher Risiken.

Die Stromversorgung ist ein weiterer wichtiger Aspekt der digitalen Baustelle. Hier haben wir die Möglichkeit der individuellen Planung und Anpassung. Durch die Analyse von Lastprofilen und Verkehrsströmen sind wir in der Lage, den Strombedarf der Baustelle vorherzusagen und entsprechend zur Verfügung zu stellen. Dies ermöglicht einen effizienten Energieeinsatz und reduziert den CO2-Ausstoß. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Steuerung des Verkehrs. Verkehrsströme auf der Baustelle können durch den Einsatz digitaler Verkehrstechnik effizient gelenkt werden. Dazu gehören die temporäre Einrichtung zusätzlicher Fahrspuren, die Umleitung des Verkehrs und die Optimierung des Verkehrsflusses. Dadurch werden Staus und Verzögerungen reduziert, die Produktivität gesteigert und der CO2-Ausstoß verringert.

Insgesamt ermöglicht die digitale Baustelle, Bauprojekte auf effiziente Weise zu organisieren, zu verwalten und zu überwachen. Arbeitsabläufe können optimiert, Ressourcen effizient eingesetzt und mögliche Probleme frühzeitig erkannt werden. Dies steigert nicht nur die Produktivität und Effizienz, sondern verbessert auch die Nachhaltigkeit im Bausektor. Die Digitalisierung hat somit ein großes Potenzial als Game Changer und Treiber des Fortschritts in der Bauindustrie.

Die Digitalisierung hat in der Bauindustrie noch viel Potenzial. Wir können Daten analysieren, um zukünftige Ausfälle vorherzusagen. Das ermöglicht vorbeugende Wartung und reduziert Ausfallzeiten. Die Datenanalyse hilft uns auch bei der Entwicklung von Wartungsplänen für große Kraftwerke, die mit Motoren von Caterpillar betrieben werden. Es ist spannend zu sehen: Durch gezielte Digitalisierung können wir unsere Effizienz steigern, dem Fachkräftemangel entgegenwirken und nachhaltigere Geschäftsmodelle schaffen. Wir sind bereit, uns den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und die Bauindustrie mit unserer langjährigen Erfahrung und dem Einsatz von Technologie weiter voranzubringen.

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