Reale Steigerung um sechs Milliarden Euro Wachstumschancengesetz: Nur geringe Wirkung auf deutsche Wirtschaft

Mit dem Wachstumschancengesetz will die Bundesregierung Unternehmen zu Investitionen anregen und die deutsche Wirtschaft ankurbeln. Das IW hält sich mit seinen Erwartungen gedeckter.

Bild: iStock, Andreas Balg
03.04.2024

Am 20. März 2024 hat der Bundesrat dem Wachstumschancengesetz zugestimmt. Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge dürfte die abgespeckte Version die Wirtschaft allerdings nur geringfügig ankurbeln. Bis Ende des Jahrzehnts werden so inflationsbereinigt sechs statt 16 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen ausgelöst.

Der deutschen Wirtschaft geht es schlecht, sie muss dringend wieder in Schwung kommen – darüber sind sich alle Parteien einig. Unklar ist allerdings, wie dies geschehen soll. Geht es nach der Bundesregierung, soll das Wachstumschancengesetz viele Probleme lösen und das Land wieder wettbewerbsfähiger machen, unter anderem durch eine Investitionsprämie und steuerliche Entlastungen. Kritik kam von Ländern und Kommunen, die Angst vor geringeren Steuereinnahmen hatten. Dabei hätten Bund, Länder und Gemeinden lediglich auf 0,6 Prozent ihrer Steuereinnahmen verzichten müssen.

Im Vermittlungsausschuss wurden die geplanten Entlastungen zusammengestrichen. Das Mini-Paket sieht mit rund 16 Milliarden Euro für den Zeitraum 2024 bis 2028 nur noch weniger als die Hälfte des ursprünglich geplanten Entlastungsvolumens vor. Gänzlich gestrichen hat der Ausschuss unter anderem die vorgesehene Investitionsprämie.

Immerhin: Signalwirkung für Unternehmen

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft werden die positiven Effekte des abgespeckten Gesetzes kaum spürbar sein: Bis zum Ende des Jahrzehnts dürften die Investitionen real insgesamt um sechs Milliarden Euro höher ausfallen, zeigen neue IW-Berechnungen. Dies entspricht 1,5 Prozent der Investitionen im Jahr 2023. Zum Vergleich: Der erste Gesetzesvorschlag hätte immerhin zu einem Investitionsplus von elf Milliarden Euro geführt.

„Damit das Wachstumschancengesetz kraftvoll wirkt, müsste es vervielfacht werden“, sagt IW-Ökonom Tobias Hentze. Immerhin einen positiven Aspekt habe das Gesetz: „Es ist eine Signalwirkung für die Unternehmen. Kleine Schritte in die richtige Richtung zu machen, ist besser, als auf der Stelle zu treten.“

Dass etwas gegen die Wirtschaftsschwäche getan werden muss, ist allen Parteien klar. So beinhaltet der jüngste Zehn-Punkte-Plan der SPD unter anderem die Idee von Superabschreibungen, die FDP hingegen sieht in der Abschaffung des Soli-Zuschlags einen geeigneten Hebel, und die Grünen wollen groß angelegte Steueranreize für Investitionen einführen. „Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es wichtig, dass Regierung und Opposition an einem Strang ziehen und zunächst einmal das Wachstumschancengesetz beschließen“, sagt Hentze.

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