Hohe spektrale Auflösung und kurze Messzeiten Erstes UV-Breitband-Spektrometer zur Luftschadstoffanalyse

Erstautor Lukas Fürst beugt sich über das Breitband-UV-Dualkamm-Spektrometer, das eine große Bandbreite des ausgestrahlten UV-Lichts mit einer hohen spektralen Auflösung und kurzen Messzeiten kombiniert.

Bild: Helmut Lunghammer
12.04.2024

Ein an der TU Graz entwickelte laserbasierte Technologie gibt neue Möglichkeiten zur kontinuierliche Echtzeitanalyse von Luftschadstoffen sowie deren Interaktion mit anderen Gasen und Sonnenlicht.

Sonnenlicht hat einen großen Einfluss auf chemische Prozesse, vor allem seine energiereiche UV-Strahlung wird von allen Materialien stark absorbiert und löst photochemische Reaktionen der in der Luft vorhandenen Stoffe aus. Ein bekanntes Beispiel ist die Bildung von bodennahem Ozon, wenn UV-Licht auf Stickoxide trifft.

Neue Methode für das Umweltmonitoring

Ein Forschungsteam um Birgitta Schutze-Bernhardt vom Institut für Experimentalphysik der TU Graz macht sich dieses hohe Reaktionspotenzial nun für eine neue Methode des Umweltmonitorings zunutze: Sie haben das weltweit erste Breitband-UV-Dualkamm-Spektrometer entwickelt, mit dem Luftschadstoffe kontinuierlich gemessen und ihre Reaktion mit der Umgebung in Echtzeit beobachtet werden können. Ein Paper zu der Entwicklung ist jüngst im Fachmagazin Optica erschienen.

Dualkamm-Spektrometer gibt es seit knapp 20 Jahren. Dabei emittiert eine Quelle Licht in einem breiten Wellenlängenbereich, das in der Darstellung nach seinen optischen Frequenzen geordnet an die Zinken eines Kamms erinnert.

Durchdringt dieses Licht eine gasförmige Materialprobe, absorbieren die darin enthaltenen Moleküle einen Teil des Lichts. Die so veränderten Lichtwellenlängen lassen Rückschlüsse auf die Inhaltsstoffe und die optischen Eigenschaften des untersuchten Gases zu.

Doppelte Laser-Lichtimpulse bewegen Gasmoleküle

Das Besondere an dem von Birgitta Schutze-Bernhardt entwickelten Spektrometer ist, dass ein Lasersystem doppelte Lichtimpulse im ultravioletten Spektrum emittiert. Wenn dieses UV-Licht auf Gas-Moleküle trifft, regt es die Moleküle elektronisch an und versetzt diese zusätzlich in Rotationen und Vibrationen - sogenannte rovibronische Übergänge -, die bei jedem gasförmigen Stoff einzigartig sind.

Zudem kombiniert das Breitband-UV-Dualkamm-Spektrometer drei Eigenschaften, die gängige Spektrometer bislang nur in Teilen zu bieten hatten:

  • Eine große Bandbreite des ausgestrahlten UV-Lichts, wodurch sehr viele Informationen über die optischen Eigenschaften der Gasproben mit einer einzelnen Messung gesammelt werden können

  • Eine hohe spektrale Auflösung, die in Zukunft auch die Untersuchung komplexer Gasgemische wie unserer Erdatmosphäre ermöglichen werden

  • Eine kurze Messzeiten bei der Untersuchung der Gasproben.

„Dadurch eignet sich unser Spektrometer für empfindliche Messungen, mit denen sich Änderungen von Gaskonzentrationen und der Verlauf von chemischen Reaktionen sehr genau beobachten lassen“, erläutert Lukas Fürst, Doktorand in der Arbeitsgruppe „Coherent Sensing“ und Erstautor der Publikation.

Entwickelt und getestet am Beispiel Formaldehyd

Entwickelt und getestet haben die Forschenden ihr Spektrometer anhand von Formaldehyd. Der Luftschadstoff entsteht beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen und Holz ebenso wie in Innenräumen durch Ausdünstungen von in Möbeln verwendeten Klebstoffen.

„Mit unserem neuen Spektrometer ließen sich Formaldehydemissionen in der Textil- oder holzverarbeitenden Industrie oder in Städten mit erhöhtem Smogaufkommen in Echtzeit überwachen und so der Schutz von Personal und Umwelt verbessern“, erläutert Birgitta Schultze-Bernhardt.

Weitere Anwendungsgebiete für den Spektrometer

Die Anwendung des Spektrometers kann auch auf andere Luftschadstoffe wie Stickoxide und Ozon und weitere klimarelevante Spurengase übertragen werden. Dadurch erhofft sich das Forschungsteam neue Erkenntnisse über deren Wirken in der Atmosphäre. Darauf aufbauend ließen sich neue Strategien zur Verbesserung der Luftqualität ableiten.

Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen eines ERC Starting Grants (Horizon 2020, Projektnummer 947288) und eines FWF START Preises (Projektnummer Y1254) finanziert.

Bildergalerie

  • Das Team um Birgitta Schultze-Bernhardt am weltweit ersten Breitband-UV-Dualkamm-Spektrometer.

    Das Team um Birgitta Schultze-Bernhardt am weltweit ersten Breitband-UV-Dualkamm-Spektrometer.

    Bild: Helmut Lunghammer

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