Mehr Sicherheit bei der Mensch-Roboter-Kollaboration Kollisionskräfte an Cobots standardisiert messen

Die Zahl an kolloborativen Anwendungen wird zunehmen – und so auch das Gefahrenpotenzial.

Bild: iStock, AndreyPopov
26.01.2024

Robotikexperten am Fraunhofer IFF haben in Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Partnern eine neue ISO-Norm entwickelt, die aufzeigt, wie Kontaktkräfte und -drücke an Cobots zukünftig standardisiert gemessen werden. Diese ISO-Norm wurde nun veröffentlicht und bietet ab sofort eine genormte Grundlage für die sichere Kollaboration von Mensch und Roboter.

Cobots machen manuelle Arbeit weniger mühsam und interessanter – und helfen produzierenden Unternehmen dabei, ihre Standorte langfristig zu sichern. Allerdings stellen diese Roboter in punkto Sicherheit höhere Anforderungen an das Wissen der Nutzer, da Mensch und Cobot hier unmittelbar zusammenarbeiten. In dem EU-Forschungsprojekt COVR wurde daher eine digitale Anlaufstelle entwickelt, die Unternehmen dabei hilft, Wissen zu teilen und Cobot-Applikationen abzusichern.

Mit den Projektergebnissen aus COVR haben die Wissenschaftler am Fraunhofer IFF zusammen mit internationalen Experten seit September 2020 einen neuen Standard für das Messen von Kontaktkräften und -drücken an Cobots entwickelt, die durch „Leistungs- und Kraftbegrenzung“ (nach ISO/TS 15066, Einhaltung von biomechanischen Grenzwerten) abgesichert sind. Daraus entstanden ist die ISO-Norm „ISO/PAS 5672:2023“, die kürzlich veröffentlicht wurde. Dieses normative Dokument vereint neueste Kenntnisse aus der Wissenschaft und Messpraxis, durch die die messtechnische Überprüfung von Cobots erleichtert wird.

Einheitliche und konsensbasierte Prüfpraxis

Entstanden ist die neue Norm in der Arbeitsgruppe „ISO/TC 299 WG 8: Validierungsmethoden für kollaborative Anwendungen“. Unter Leitung von Dr. Roland Behrens (Gruppenleiter Modellbasierte MRK-Integration und Sicherheit am Fraunhofer IFF) ist die Arbeitsgruppe der Frage nachgegangen, wie sich unterschiedliche Regelungen in den ISO-Mitgliedstaaten vereinheitlichen und durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse vorteilhaft ergänzen lassen. Nur so war es möglich, eine einheitliche und konsensbasierte Prüfpraxis für zukünftige Cobot-Applikationen zu spezifizieren.

„Die ursprünglichen Regelungen auf nationaler Ebene hatte diese Frage nicht ausreichend abgedeckt und viele Punkte waren noch offen oder teilweise widersprüchlich. Hier konnten wir mit den Projektergebnissen aus dem COVR-Projekt ideal ansetzen“, erklärt Behrens die Ausgangssituation.

„Wir sind gespannt zu sehen, welche Auswirkungen diese Norm auf die Welt der Robotik und die Sicherheit in der Mensch-Roboter-Kollaboration haben wird. Ich kann aber jetzt schon verraten, dass das nächste ISO-Projekt die Prüfabnahme von Cobots nochmal deutlicher vereinfachen wird“, sagt Behrens.

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