„Vacon und Danfoss ergänzen sich durch ihre Stärken in unterschied­lichen vertikalen Märkten ideal.“ Poul Harder Nielsen, Senior Vice President Segment Drives bei Danfoss

Bild: Danfoss

Interview mit Poul Harder Nielsen, Danfoss „Wir treiben alle Motoren an“

26.10.2016

Danfoss hat vor rund zwei Jahren den Antriebshersteller Vacon mit dem Ziel übernommen, führender Anbieter bei Frequenzumrichtern zu werden. Was daraus geworden ist und wie sich die verschiedenen Produktfamilien entwickeln, erläutert Poul Harder Nielsen, Senior Vice President Segment Drives bei Danfoss, im Gespräch mit A&D.

A&D:

Sind Danfoss und Vacon inzwischen zu einer Einheit verschmolzen?

Harder Nielsen:

Es ist eine Reise. Wir verfolgen unseren Plan und erreichen die gesetzten Meilensteine. Die verbleibenden Herausforderungen beziehen sich überwiegend auf die Vereinheitlichung der internen Tools, IT-Plattformen und damit unserer Prozesse. Ich freue mich über den Fortschritt und gegenüber vergleichbaren Mergern sind wir schon viel weiter.

Was war am einfachsten, was am schwierigsten?

Sehr einfach war die Definition einer gemeinsamen Marktstrategie, weil die Überschneidung der Geschäfte von Vacon und Danfoss sehr gering war. Die Herausforderung für beide Organisationen bestand natürlich darin, das zusätzliche Produktportfolio in allen Facetten von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zum Service zu verinnerlichen. Das erforderte erhebliche Anstrengungen für das erste Jahr.

Warum kauften Sie ein Unternehmen, dass auf den ersten Blick doch sehr ähnliche Produkte hat?

Sowohl Danfoss als auch Vacon produzieren Frequenz­umrichter, trotzdem waren die Überlappungen der Produkte sehr gering. Beide Produktportfolios waren und sind in verschiedenen vertikalen Märkten sehr stark. Danfoss ist beispielsweise in der Lüftungs- und Gebäudetechnik sowie der Nahrungsmittel- und Getränkebranche mit seinen Antrieben sehr erfolgreich und etabliert. Vacon dagegen ist der Spezialist bei Frequenzumrichtern für den Bergbau und Marine, für sehr raue Umgebungen, teils auch Sonderlösungen. Besonders im starken Wachstumsmarkt der Schiffe erlauben die Vacon-Lösungen Antriebe von bis zu 5,3 Megawatt. Danfoss-Frequenzumrichter bilden dagegen sehr feingranularige Leistungen von 0,37 Kilowatt bis hin zu 2 Megawatt ab. Sowohl das Leistungsspektrum als auch die Zielmärkte, wo die jeweiligen Produkte sehr verbreitet sind, ergänzen sich ideal. Alleine hätten wir diese Bandbreite so erfolgreich nie anbieten können.

Wann fusioniert alles in eine Familie?

Wir haben durch die Fusion beider F&E-Abteilungen eine deutliche Steigerung der Entwicklungsleistung und -kompetenz erhalten. Wir erwarten, die ersten Produkte auf Basis einer gemeinsamen Plattform schon innerhalb der nächsten 2 Jahre zu starten. Dies ist möglich, da beide Unternehmen bereits intensiv an der Entwicklung neuer Plattformen und Technologien arbeiteten. Durch die Kombination der Aktivitäten können wir unsere neuen Produkte viel schneller auf den Markt bringen.

Können Kunden weiter auf ihre gewohnten Frequenzumrichter zurückgreifen?

Unser Fokus ist kundenzentriert, deswegen hatten und haben Vacon und Danfoss bereits vor dem Zusammenschluss sehr zufriedene Anwender. Das werden wir keinesfalls ändern, im Gegenteil. Wir liefern deshalb bestehende Produkte weiter, bis der typische Lebenszyklus erreicht ist. Und hier sprechen wir von mindestens 10 Jahren und den üblichen Übergangszeiten. Klare Ansage von Danfoss Drives: unsere Kunden gehen kein Risiko mit den Produkten ein. Wenn unsere neue gemeinsame Plattform und Technologie auf den Markt kommt, dann erhalten unsere Kunden zusätzlich eine effizientere Alternative, die natürlich abwärtskompatibel ist.

Das Ziel der Übernahme war, führend auf dem Antriebsmarkt zu werden. Wo befinden Sie sich jetzt?

Vor der Fusion war Danfoss die Nr. 3 und Vacon auf Rang fünf bei den weltweiten Marktanteilen von Frequenzumrichtern. Nach dem Zusammenschluss haben wir Siemens überholt und sind mit 11 Prozent Marktanteil nur noch zwei Prozentpunkte hinter dem Spitzenreiter ABB. Ohne den Zusammenschluss mit Vacon wäre uns der Sprung nicht gelungen. Mit dem Unternehmensbereich Danfoss Drives haben wir jetzt auch die kritische Masse, um den Weltmarktführer herauszufordern. Unseren Auswertungen zufolge gewinnen wir global gesehen auch Marktanteile dazu.

Gewinnen Sie diese Marktanteile durch die Produktstrategie, Frequenzumrichter individuell für Kunden zu fertigen?

Ja, damit decken wir Kundenbedürfnisse bestmöglich ab. Aktuell können Kunden über unseren Online-Konfiguration aus über einer Million Produktvarianten wählen. Damit gewährleisten wir die optimale Anpassung des Frequenzumrichters an die Bedürfnisse der Anwendung. Unsere Wachstumsstrategie beinhaltet, die Flexibilität und Optionen der Frequenzumrichter weiter zu erhöhen, damit Kunden noch zielgerichteter ihr passendes Produkt bekommen. Durch unser Build-to-Order-System stößt jeder Kunde seine Produktion direkt an, wir haben kein Lager an fertigen Frequenzumrichtern. Selbst das Handbuch wird individuell zum Schluss gedruckt. Das Verfahren gewährleistet, dass Kunden genau das bekommen, was sie brauchen. Durch die individuelle Fertigung muss der Kunde auch nicht für einen Frequenzumrichter zahlen, der unglaublich viele Features hat, die aber nie ausgenutzt werden.

Danfoss wirbt mit Unabhängigkeit vom Motorenhersteller. Was können die Umrichter besser als die Konkurrenten?

Die Elektromotoren der verschiedenen Hersteller bieten zwar bei gleicher Effizienzklasse einen vergleichbaren Wirkungsgrad im Nennpunkt, aber sie besitzen auch viele Unterschiede, beispielsweise beim Anlaufverhalten oder im Teillastbetrieb. Als unabhängiger Hersteller von Frequenzumrichtern musste sich Danfoss darauf spezialisieren, alle gängigen Motoren zu unterstützen – genau das ist unsere Expertise. Die besondere Intelligenz unserer Algorithmen steuert alle Motoren von beispielsweise ABB, SEW oder Siemens mindestens genauso gut an, wie der eigentliche Hersteller selbst. Dazu gibt es auch die ‚Automatische Motoranpassung’ AMA. Dieses Inbetriebnahme-Tool analysiert die Motordaten und unterstützt den Anwender bei der schnellen Ansteuerung des Motors. Im gebotenen Umfang dürfte das ein Alleinstellungsmerkmal sein. Unser Vorteil ist insofern auch, dass wir keine bestimmten Motoren mit unseren Geräten als Bündel verkaufen müssen oder wollen, sondern den Anwender immer bei der Auswahl der für seine Anwendung optimalen Motortechnologie unterstützen.

Individualität und Unabhängigkeit scheint Danfoss nicht zu reichen. Oder warum steigen Sie mit dem Vacon 3000 in den Markt der Mittelspannungsumrichter ein?

Wir haben seit vielen Jahren den Markt von Frequenzumrichtern im Mittelspannungsbereich evaluiert. Uns hat jedoch lange eine attraktive Differenzierungsstrategie gefehlt. Vacon hatte zum Zeitpunkt der Akquisition bereits eigene Mittelspannungsantriebe in der Entwicklung, basierend auf einer neuen sehr modularen Philosophie. Diese Produkte sind im Hochleistungsbereich ein sehr attraktives Angebot. Wir haben die Investitionen in den Bereich erhöht, weil wir durch die neuen Mittelspannungsumrichter zusätzliches Wachstum erwarten.

Auf welche Entwicklungen können sich Kunden demnächst noch freuen?

Neben dem Start der Vacon 3000 Serie bringen wir zum Jahresende kompaktere Bauformen: Die VLT-Frequenzumrichter zwischen 315 und 800 kW dürften dann die kleinsten Geräte am Markt sein. Außerdem steht die Version 2.0 von AMA, der Automatischen Motoranpassung, in den Startlöchern. Hier wurden viele neue intelligente Funktionen realisiert. Obwohl wir also an einer neuen, für Danfoss und Vacon gemeinsamen, Plattform arbeiten, entwickeln wir die vorhandenen Produktfamilien weiter und bauen sie aus.

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  • Danfoss hat vor rund zwei Jahren den Antriebshersteller Vacon mit dem Ziel übernommen, führender Anbieter bei Frequenzumrichtern zu werden.

    Bild: iStock, manfredxy

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