Mit der richtigen Beratung lassen sich Ideen schnell in neue Produkte umwandeln.

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Kampfansage an die „old economy“ Vom Asset-Management zum Industrie-4.0-Geschäftsmodell

17.09.2018

Damit Unternehmen am Markt nicht den Anschluss verlieren, müssen sie möglichst schnell neue Produkte und Anwendungen als Ergänzung zu ihrem Kerngeschäft entwickeln und umsetzen. Die richtigen Partner und schlanke Entwicklungsprozesse helfen hierbei.

Wäre es nach den Hightech-Managern aus dem Silicon Valley und anderen Zentren der Start-up-Szene gegangen, dann wäre die digitale Transformation inzwischen sehr viel weiter fortgeschritten, und unser Leben hätte sich bereits massiv verändert. Sie propagierten disruptive Geschäftsmodelle – und kleideten damit eine Kampfansage an die „old economy“ in euphemistische Worte. Eine Umschreibung, die nichts weniger bedeutet, als die geltenden Marktregeln außer Kraft zu setzen, die bisherigen Akteure zu entmachten und durch neue, digitale Prozesse, die von agilen Start-ups und wendigen Newcomern getrieben werden, komplett veränderte Wirtschaftsbeziehungen zu implementieren.

Zwar hat weder Uber es geschafft, die Taxi-Branche überflüssig zu machen, noch ist die Hotelbranche von Airbnb verdrängt worden. Doch sie und viele andere Unternehmen haben Entwicklungen angestoßen, die nicht mehr aufzuhalten sind. Die digitale Transformation ist also keinesfalls gescheitert. Ihre bisherige Entwicklung zeigt lediglich, dass die etablierten Marktführer durchaus Gelegenheit haben, sich dem Veränderungsprozess zu stellen.

Ergänzende Angebote entwickeln

Das Kerngeschäft muss keineswegs abgeschaltet oder zerschlagen werden. Die Aufgabe lautet vielmehr, neues Geschäft als ergänzendes Angebot zu entwickeln, und damit alte und überholte Prozesse abzulösen – in der Geschwindigkeit, die der Markt verlangt. Doch die verbleibende Zeit muss gut genutzt werden, um die sich schnell verändernden Technologien in die eigene Entwicklung zu integrieren und daraus innovative Angebote zu schaffen. Diese müssen dem Kunden deutliche Mehrwerte bieten und die eigene Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Dies gilt insbesondere auch für die Industrie.

Das Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0 sind nach wie vor Entwicklungen, bei denen vielen Unternehmen nötige Erfahrungs- und Vergleichswerte fehlen. Sie müssen sich nicht nur in unbekannte Gefilde vorwagen. Erschwerend kommt hinzu, dass die üblichen Methoden zur Konzept- und Anwendungserstellung nicht immer geeignet sind. Wie aber soll man die eigene Position bestimmen und verlässliche Ziele festlegen? Das hat man auch bei Lenze, einem Hersteller für Motion Centric Automation, erkannt. Hier hat man die strategische Entscheidung getroffen, die digitale Transformation des Unternehmens konsequent voranzutreiben und sich dafür kompetente Unterstützung ins Haus zu holen. Anfang 2017 übernahm der Automatisierer das IT-Beratungs- und Projekthaus Logicline, das auf IoT- und Cloud-Anwendungen spezialisiert ist. Innerhalb kurzer Zeit wurden dann die Grundlagen für die Entwicklung einer ersten Industrie-4.0-Anwendung gelegt: das Asset-Management.

Die verschiedenen Disziplinen der Forschungs- und Entwicklungsabteilung beider Unternehmen sehen die Innovation im Unternehmen als gemeinsame Anstrengung. Ingenieure, Forscher, Product Owner und Service-Mitarbeiter von Lenze arbeiten daher eng zusammen mit Softwarearchitekten, Business Consultants, Entwicklern und Designern von Logicline. Der konkrete Entwicklungsprozess für das Asset-Management lief dabei ähnlich ab wie ein Projekt von Logicline mit einem externen Kunden.

Dass man sich dazu entschlossen hatte, nicht nur für ein Projekt zusammenzuarbeiten, sondern Logicline in die Lenze-Gruppe aufzunehmen, liegt an der Vision von Lenze in Bezug auf die digitale Transformation. Das Unternehmen möchte die Art und Weise, wie Service konzipiert und ausgeführt wird, radikal verändern – und sich damit auch selbst verändern. Lenze verfolgt hierbei ein konkretes Ziel: Man will die Kunden dabei unterstützen, intelligentere Geräte und service-orientierte Produkte zu bauen, den Lebenszyklus zu verbessern und dem Anwender Vorteile in der Produktion zu verschaffen. Doch trotz dieser Anbindung an Lenze ist Logicline vor allem als selbstständiges Unternehmen für Projektkunden tätig.

Startpunkt: Die Idee

Am Anfang jeden Projektes steht die Idee. Zu den Aufgaben von Logicline zählt es, bereits in der Startphase dafür zu sorgen, dass nicht Schlagworte, sondern ein konkreter Kundennutzen die Triebfedern des Projektes sind. Durch Ideenworkshops, Analysen der Customer Journey und interner Prozessen sowie durch Interviews mit Schlüsselkunden kristallisieren sich Annahmen über neue Geschäftsmodelle und Einnahmequellen heraus. Das Vorgehen entspricht der Vision einer dynamischen Innovations-Roadmap, wie sie auch Unternehmensgründer im Silicon Valley einsetzen. „Lean Startup“ heißt diese von Eric Ries entwickelte Methode.

Zu diesem Konzept gehört es, allen, die zur Entwicklung beitragen können, eine Stimme zu geben. Damit ändert sich auch die Zusammenarbeit mit dem potenziellen Kunden. Die Erfahrungen von Logicline zeigen, dass die Product Owner zwar meist noch keine Erfahrung mit der Entwicklung softwarebasierter Lösungen haben, dass sie aber sehr schnell lernen und wichtige Impulse und Einsichten für die Produktentwicklung liefern. Der Erkenntnisgewinn für die Logicline-Experten geht dabei weit über das eigentliche Produkt hinaus. Durch die Zusammenarbeit erfahren sie auch mehr über die Anforderungen des Marktes und die Firmenkultur des Kunden – beides sind wichtige Einflussfaktoren, wenn aus der Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell werden soll.

Der erste Schritt: Minimalismus

Statt nun eine Lösung zu bauen, die alle Eventualitäten abdeckt und mit zahlreichen Features glänzt, ist Konzentration auf das Wesentliche angesagt. Im ersten Schritt wird lediglich das minimal Notwendige umgesetzt, um die getroffenen Annahmen testen zu können, Informationen zur Umsetzbarkeit zu gewinnen und erstes Kundenfeedback einzuholen. Auf dieser Basis lässt sich die Roadmap validieren und noch anpassen. Gleichzeitig sorgt dieses Vorgehen dafür, dass schnelle Fortschritte erreicht werden und das Investitionsrisiko gering bleibt.

Bereits auf der Hannover Messe 2017 konnten Lenze und Logicline erste Gespräche zum geplanten Asset-Management führen und damit das gemeinsame Projekt vorantreiben. Eine solche Gelegenheit ist für die Entwicklung ein erster Prüfstein, denn es werden wichtige Daten für die Fortsetzung der Entwicklung gewonnen. Wie reagieren die Nutzer auf das Produkt? Bietet es ihnen echten Mehrwert? Welche Funktionen sind relevant, welche werden vermisst? Die Antworten liefern wichtige Erkenntnisse darüber, ob die zugrundeliegenden Annahmen und Sichtweisen zutreffend waren oder ob sie berichtigt werden müssen.

Zweiter Schritt: Lernphase

Die von den Kunden gesammelten Daten müssen sorgfältig analysiert werden, um daraus neue Erkenntnisse abzuleiten. Wie anfangs bereits erwähnt, ist die Entwicklung neuer Services eine Aufgabe, die eine Zusammenarbeit über zahlreiche Abteilungen hinweg erfordert. So können auch Marketing und Vertrieb einbezogen werden, um vom Kundenfeedback zu profitieren und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Damit wird ein weiterer Mosaikstein gelegt, um schnell und kostengünstig ein Produkt zu entwickeln, das den Anforderungen des Marktes möglichst optimal entspricht.

Dritter Schritt: Anpassung und Loop-back

Mit Blick auf das erhaltene Kundenfeedback können nun die Produkteigenschaften angepasst, Funktionen überarbeitet oder ergänzt werden. Die Entwicklung verläuft dabei in einem Kreislauf: Mit kleinen, überschaubaren Schritten, die sich schnell realisieren und im Kundenfeedback validieren lassen, kann das Produkt zügig ausgebaut und marktreif gemacht werden. Und auch nach dem Go-to-Market lässt sich mit Hilfe dieses Konzeptes die Weiterentwicklung eng an die Kundenwünsche koppeln.

Das Problem, vor dem Lenze stand, betrifft nicht nur die Hersteller von Komponenten und Zubehör, sondern auch die Maschinenbauer: Zwar erkennt man die Möglichkeiten der digitalen Transformation, hat jedoch zu wenig Erfahrung mit datenbasierten Geschäftsmodellen und zu wenig Ressourcen, um das nötige Know-how aufzubauen und Entwicklungen schnell genug zu einem marktfähigen Produkt voranzutreiben. Eine Kooperation mit einem Partner wie Logicline schafft Abhilfe. Deren Experten haben die Erfahrung mit Cloud-Anwendungen und Innovationsmanagement, und sie stellen die benötigten Ressourcen auf Seiten der IT-Entwicklung bereit. Mit dieser Unterstützung gelingt es, Produkte in kurzer Zeit zu entwickeln. Die Konzentration aufs Wesentliche in der Startphase trägt dazu bei, dass der Aufwand und damit das Risiko geringgehalten wird und der Ressourceneinsatz erst nach und nach ansteigt. Regelmäßige Kundenfeedbacks und kleinere Entwicklungsschritte gewährleisten, dass die aktuellen Anforderungen des Marktes getroffen werden und das Produkt schnell verfügbar ist.

Mit der Vorstellung der Asset-Management-Applikation auf der Hannover Messe 2018 konnte Lenze zeigen, dass es möglich ist, innerhalb eines Jahres eine Anwendung zu entwickeln, die nicht allein ein Stück Software ist, sondern die ein neues Geschäftsmodell für OEMs eröffnet, das nicht nur Erstausrüstern, sondern auch deren Kunden Mehrwerte aufgrund besserer Services bietet.

Asset-Management-Applikation von Lenze

Durch eine Bestandsaufnahme der gesamten (vernetzten) Maschine werden alle relevanten Komponenten der Maschine („Assets”) mit Seriennummer, Gerätekennzeichnung, Einbaulagen-Fotos und Funktionsbereich in der Lenze-Asset-Management-Software vor Ort aufgenommen. Dieser Datenstamm wird angereichert mit Informationen wie zum Beispiel Lieferzeiten und Verfügbarkeit Wartungsintervallen, dem Lebenszyklus der Komponente sowie Dokumentationen wie Bedienungsanleitungen und vielem mehr. Dadurch entsteht ein digitales Profil der Maschine – der sogenannte digitale Zwilling.

Als Ausgangspunkt für alle Services rund um die Maschine gilt diese Datensammlung als „Single Point of Truth“, sprich: diese Daten sind verlässlich, weisen eine hohe Aktualität und Qualität auf. Entscheidend ist dabei, dass nicht nur Lenze-eigene Komponenten erfasst werden, sondern dass sich das Asset Management auf die komplette Infrastruktur erstreckt, also für das Brownfield geeignet ist.

Ein erster Nutzen für den Kunden – also den Anlagenbetreiber – ist der einfachere Zugang zu gesicherten Informationen. Beispielsweise kann im Fehlerfall das digitale Handbuch aufgerufen und durchsucht werden, um schnell die benötigten Informationen zu bekommen. Soll ein Service-Auftrag erteilt werden, oder wenn der Kunde Ersatzteile benötigt, kann dies direkt über die Anwendung ausgeführt werden. Nicht selten werden bislang bei Antrieben falsche Konfigurationen, beispielsweise bei der Flansch- und Wellenlage, angegeben. Das Asset-Management trägt dazu bei, viele Nachfragen und Fehlbestellungen zu verhindern und damit die Abwicklung zu beschleunigen und kostengünstiger zu gestalten. Denn der Empfänger – je nach Service- Modell der OEM oder direkt Lenze – bekommt aus der App verlässliche Daten.

Mittels der Asset-Management-Applikation können zudem kontinuierlich Betriebsdaten erhoben werden. Werden diese gesammelt und ausgewertet, bieten sie die Basis für Predictive Maintenance. Ebenso können Fernwartung und Remote-Services über die Anwendung unterstützt werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Logicline.

Dieser Artikel ist im A&D-Kompendiums 2018/2019 erschienen. Das E-Paper finden Sie hier zum kostenlosen Download.

Bildergalerie

  • Die Entwicklung eines neuen Produkts läuft idealerweise in einem Kreislauf ab.

    Bild: Logicline

  • Eine neue Anwendung lässt sich in drei Schritten ent­wickeln: Konzept auf das Wesentliche reduzieren, Kundenfeedback einholen, Produkt anpassen.

    Bild: Logicline

  • Das Asset Management von Lenze: Durch eine Bestandsaufnahme der gesamten (vernetzten) Maschine werden alle relevanten Komponenten der Maschine („Assets”) mit Seriennummer, Gerätekennzeichnung, Einbaulagen-Fotos und Funktionsbereich in der Lenze-Asset-Management-Software vor Ort aufgenommen. Der einfache Zugang zu zu diesen Informationen ist dabei nur einer der Vorteile für die Kunden.

    Bild: Logicline

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