Das Werkzeug für den Wartungsmonteur von morgen: Ein kompakter RFID-Reader und ein Tablet.

Bild: Gemü

Pumpen & Kompressoren Ventildaten per App erfassen

01.09.2016

Wartungen werden heute meist noch händisch auf Papier dokumentiert, was fehleranfällig ist. Vernetzung und digitale Datenverarbeitung machen es nun möglich, Wartungsinformationen von Komponenten elektronisch zu hinterlegen und somit sicher und auswertbar zu machen.

An die Instandhaltung werden heute vielschichtige, ja häufig sogar miteinander konkurrierende Anforderungen gestellt: Stillstandszeiten sollen reduziert und gleichzeitig muss die Prozesssicherheit einer Anlage erhöht werden. Ebenso steigen die Anforderungen an die Prozessdokumentation, wobei der Monteur immer weniger Zeit für die Wartung zur Verfügung hat. Hinzu kommt die zunehmende Komplexität der Komponenten in einer Anlage. Trotz dieser Herausforderungen werden für die Wartungen immer häufiger Kräfte eingesetzt, die nicht aus der Instandsetzung kommen.

Obwohl sämtliche Abläufe in einer pharmazeutischen Anlage technisch optimiert und validiert sind, sieht die Realität im Wartungsfall heute häufig noch anders aus. Monteurtrupps schwärmen turnusmäßig mit ausgedruckten Wartungsplänen und Wartungsprotokollen in die Anlage aus, um dort die anstehenden Wartungen durchzuführen. Durch dieses Vorgehen können folgende Probleme entstehen: Fehler beim händischen Übertragen, vertauschte Ersatzteile, das Wartungsprotokoll wird verschmutzt oder beschädigt, es wird die falsche Betriebsmittelstelle gewählt oder die Betriebsmittelstelle wird doppelt beziehungsweise gar nicht gewartet. Selbst wenn das händisch ausgefüllte Wartungsprotokoll ordnungsgemäß geführt wurde, kann es nicht elektronisch weiterverarbeitet, beziehungsweise ausgewertet werden.

Gemü, Hersteller von Ventil-, Mess- und Regelsystemen, hat mit Conexo ein System entwickelt, welches diesen Problemstellungen im Wartungsprozess entgegenwirkt. Die Wartung von Ventilen wird dadurch sicherer, transparenter und elektronisch erfassbar. Dies ist möglich durch RFID-Chips, die an den Ventilen angebracht sind. Sie dienen der eindeutigen, elektronischen Identifikation. Die Daten werden mittels eines kompakten Lesegerätes ausgelesen und an die Conexo App auf ein mobiles Endgerät, also zum Beispiel ein Tablet, übermittelt. Die komplette Verwaltung der Komponenten und Wartungsaufträge erfolgt dabei über ein Portal – eine portierbare Serveranwendung, welche idealerweise beim Betreiber installiert ist.

Alle Ventilinformationen vor Ort verfügbar

Während der Wartung benötigt die App keine Funkverbindung zum Portal. Die Daten werden offline über das Tablet erfasst. Sobald der Wartungsdurchlauf beendet ist, werden die Daten an das Portal überspielt. Dort können die Wartungsberichte verwaltet und analysiert werden. Über eine Historienfunktion ist es möglich, alle Wartungsprotokolle an der jeweiligen Betriebsmittelstelle miteinander zu vergleichen. Wartungsprotokolle müssen nun nicht mehr von Hand ausgefüllt werden, ebenso erfolgt das Beurteilen der Verschleißteile elektronisch und kann somit auch systematisch ausgewertet werden. Da ebenfalls die Membrane, also das Verschleißteil selbst, mit einem integrierten RFID-Chip ausgestattet ist, bleibt diese eindeutig rückverfolgbar – auch nach dem Ausbau. Ein versehentlicher Wiedereinbau kann systemseitig verhindert werden, ebenso wie der versehentliche Einbau einer falschen Membrane.

Die App führt den Monteur durch den Wartungsprozess und unterstützt ihn im Ablauf. Darüber hinaus kann er sich vor Ort alle notwendigen Unterlagen, wie zum Beispiel die Betriebsanleitung und Zeugnisse, anzeigen lassen. Nach dem Ausbau der Membranen hat der Monteur die Möglichkeit, die Membrane mit seinem Tablet zu fotografieren. Durch diese Fotodokumentation wird der visuelle Zustand der Membrane direkt mit dem Wartungsprotokoll verknüpft.

Das Werkszeugnis direkt am Ventil

Das System wurde zunächst für Anlagenbetreiber entwickelt, da es den Wartungsprozess optimiert. Allerdings hat es auch signifikante Vorteile für den Anlagenbauer. Denn Prozesssicherheit kann als Kaskade verstanden werden: Um die angestrebte Sicherheitsebene zu erreichen, müssen alle involvierten Parteien wie Komponentenhersteller, Anlagenbauer sowie -betreiber ihre Prozesse und verbauten Komponenten präzise dokumentieren. Auch beim Anlagenbauer ist der Dokumentationsaufwand durch Qualifizierungsprotokolle und diverse Zeugnisse sowie andere relevante Unterlagen von Komponenten hoch. Somit gilt auch hier wieder: Mit jedem Element, das hilft diesen Aufwand zu reduzieren, lassen sich auf Kundenseite Einsparungen erzielen.

Da künftig die verbauten Komponenten im Feld elektronisch identifiziert werden können, beschleunigt dies die einzelnen Qualifizierungsphasen. Zu jeder Komponente können eindeutig und schnell die ihr zugeordneten Dokumente und Werkszeugnisse elektronisch angezeigt werden. Alle der Anlagen zugeordneten Dokumente werden effizient verwaltet.

Ein variables System

Das System wurde offen ausgelegt. Das bedeutet, dass nicht nur Ventile, sondern auch andere Komponenten und Verschleißteile einer Anlage darin verwaltet werden können. Voraussetzung hierfür ist, dass diese mit einem RFID-Chip versehen sind. Zwar funktioniert das Conexo-Portal als eigenständiges System, allerdings ist es systemtechnisch so ausgelegt, dass Schnittstellen zu gängigen ERP-, Scada-, oder Maintenance-Systemen hergestellt werden können. Diese Möglichkeit spielt noch mehr Vorteile aus, da sich somit einzelne Prozesse von Instandhaltungsmanagement, zustandsorientierter Wartung, bis hin zu Ersatzteilmanagement und -beschaffung effektiv verzahnen. Hierin bieten sich für die Zukunft weitere Lösungen für die Wartung im Zeitalter von Industrie 4.0.

Die Anlagenkomponenten werden zunehmend intelligenter und stärker vernetzt. So steigt auch das Verständnis darüber, was genau in einer Anlage passiert und wie sich bestimmte Einflussfaktoren auf die Lebensdauer von Verschleißteilen auswirken. Es kann also präziser ermittelt werden, wie viel Abnutzungsvorrat bei den einzelnen Komponenten besteht, um so die Anlage an das sichere Betriebsoptimum heranzuführen.

Bildergalerie

  • Durch den kleinen RFID-Reader können auch Ventile in kompakten Anlagen ausgelesen werden.

    Bild: Gemü

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel