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Smarte Geräte allein reichen für Industrie 4.0 nicht aus. Die gesammelten Daten müssen gleichsam aufbereitet und analysiert werden. Sind hierfür jedoch zwingend externe Data-Spezialisten notwendig?

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Data-Know-how von Partnern nutzen Umfrage: Ist Industrie 4.0 nur über Kooperationen möglich?

13.03.2019

Industrie 4.0 verlangt Unternehmen einiges an Know-how ab. Maschinen und Anlagen müssen vernetzt, die entstehenden Daten gesammelt, aufbereitet und analysiert werden. Doch können Unternehmen, insbesondere KMUs, dies überhaupt leisten? Führt der Weg zur vollendeten Industrie 4.0 vielleicht sogar nur über enge Kooperationen mit Data-Spezialisten?

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Wir haben Vertretern aus der Industrie die Frage gestellt, ob sich Unternehmen nur über Kooperationen mit Data-Spezialisten zu Industrie 4.0 führen lassen. Das haben sie geantwortet:

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  • Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen erweist sich die Kapazität, Know-how in den geforderten Disziplinen der Digitalisierung und Vernetzung sowie Datenanalyse aufzubauen, als eher begrenzt. Zwingender Schritt ist daher die Identifikation und Formulierung des Use Cases, in dem für das Unternehmen Prozesse digitalisiert werden und durch die Untersuchung der Daten zukünftig Nutzen und Mehrwerte entstehen. Hier gilt es, das Augenmerk auf überschaubare Umsetzungsprojekte zu richten, um Erfahrungen zu sammeln und auch kurzfristig Nutzen zu erzeugen. Die Digitalisierung von Prozessen und Integration der Partner über Serviceplattformen in das Wertschöpfungsnetzwerk ist mehr eine unternehmerische, also strategische und organisatorische als eine technische Herausforderung.

    Frank Knafla, Master Specialist Industrie 4.0, Phoenix Contact Electronics

    Bild: Phoenix Contact Electronics

  • So wie sich heute beim Einschalten von Licht kaum einer mehr Gedanken macht, dass dabei ein elektrischer Kreis geschlossen wird, werden das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz in Zukunft einfach anwendbar sein und alle Bereiche durchdringen. Unternehmen jeder Größe werden lernen, intuitiv damit umzugehen, ohne zu hinterfragen, was exakt dahintersteckt. Dem Feld der Datenanalyse kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Wir bei ABB halten den Ansatz des „Big Data“ für wenig erfolgversprechend. Wir glauben eher an „Smart Data“. Dabei geht man mit Ingenieurswissen an die Datenanalyse heran und erhöht damit die Relevanz der ermittelten Erkenntnisse. Die Verbindung von Applikations- und Data-Analytics-Know-how ist hierfür essenziell, um für den Kunden echten Mehrwert zu generieren.

    Armin Wallnöfer, Digital Leader Drives & Motors, ABB Automation Products

    Bild: ABB

  • Aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und Nutzen von IIoT-Projekten ist es gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen von Bedeutung, anzufangen, Daten zu sammeln und zu analysieren, um eine zusätzliche Wertschöpfung zu erzielen. Es ist wichtig, mit dem Thema IIoT zu beginnen und erste Erfahrungen zu machen. Dabei müssen nicht immer nur neue Maschinen und Anlagen an eine Cloud angeschlossen werden. Ein lohnenswerter Anfang ist zum Beispiel auch das Nachrüsten von Bestandanlagen mit speziellen IIoT-Gateways, welche die Cloud-Kommunikation ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit einem Kommunikationsexperten, wie zum Beispiel HMS Networks, ist immer empfehlenswert. HMS bietet nicht nur ein breites Portfolio an unterschiedlichsten Produkten für die Cloud-Anbindung, sondern kann auch den sicheren Transport der Daten gewährleisten. Wie man Big Data analysiert und sinnvoll nutzt, stellt viele Anwender vor ebenso große Herausforderungen wie die Suche nach der passenden Datenkommunikationslösung. HMS hat dazu ein breit aufgestelltes Partnernetzwerk mit Spezialisten aufgebaut, die eine Vielzahl von unterschiedlichsten Anwendungsbereichen abdecken.

    Thilo Döring, Geschäftsführer, HMS Industrial Networks

    Bild: HMS

  • Industrie 4.0 ist eine Herausforderung aus technischer, aber auch sehr stark aus organisatorischer Sicht. Mit der richtigen Mentalität und Herangehensweise kann ein Unternehmen insbesondere Data Science nutzen, um sein Kerngeschäft weiterzuentwickeln. Unserer Meinung nach braucht es für die ersten Schritte in Richtung Data Science einen Kooperationspartner. Dabei bin ich überzeugt, dass sowohl das neue Know-how der Data Scientists benötigt wird als auch das domainspezifische Wissen der eigenen Branche. Analytics-Kompetenzen allein werden bei Boge nie das Produkt oder die 111-jährige Erfahrung ersetzen. Wird Data Science dann zu einem wesentlichen Teil des Kerngeschäfts, sollte sich ein Unternehmen aber auf lange Sicht befähigen, den Weg selbst weiterzugehen.

    Aljoscha Schlosser, Digital Innovation Manager, Boge Kompressoren

    Bild: Boge Kompressoren

  • Tatsächlich müssen die Daten, um sie systematisch nutzen zu können, erst einmal sinnvoll zusammengeführt werden. Wir als Yaskawa haben als entsprechendes Angebot für industrielle Anwender, seien es Maschinenbauer oder Endkunden jeder Größe, 2018 erstmals unsere i3-Mechatronics Lösung „Yaskawa Cockpit“ vorgestellt, die wir seitdem kontinuierlich weiterentwickeln und die im Sommer für unsere Kunden verfügbar sein wird. Über diese Software-Plattform lassen sich Daten unserer Komponenten, Roboter oder ganzer Anlagen inklusive Produkte von Drittanbietern in Echtzeit erfassen und die daraus generierten Informationen visuell ansprechend, verständlich und aussagekräftig darstellen und auswerten.

    Armin Schlenk, Director Marketing Europe, Yaskawa Europe

    Bild: Yaskawa

  • Eine vollendete Industrie 4.0 wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Das ist ein fließender Prozess mit zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten, an die wir heute noch gar nicht denken. Und natürlich brauchen wir spezialisierte Partner, die uns in diesem Prozess unterstützen. Wir verfügen seit Jahren über ein eigenes transportables Virtual Reality Center, einem Werkzeug des Digital Engineerings. Die Maschinen und Anlagen werden dadurch bereits in der Entwicklungsphase erlebbar. Auch Programmierung von Anlagen mithilfe eines digitalen Zwillings ist bei uns schon Realität. Gemeinsam mit unseren strategischen Partnern der Excellence United haben wir außerdem ein IoT-Hub entwickelt: eine offene und modulare Plattform für Softwareentwicklung und Systemintegration. Hier können Anwender sowohl Anlagen der Excellence United als auch Anlagen anderer Anbieter integrieren. Dies bauen wir derzeit konsequent gemeinsam aus.

    Dr. Hagen Gehringer, Geschäftsführer, Bausch+Ströbel Maschinenfabrik

    Bild: Bausch+Ströbel

  • Die Maschinen und Anlagen sind vollgepackt mit Sensoren, die zusammen mit den Steuerungen jede Menge Daten liefern. Diese Daten werden nur selten genutzt. Hat die Geschäftsleitung das Potenzial der Daten erkannt, können Projekte gestartet werden, beispielsweise mit dem Ziel, Produktionsausfälle rechtzeitig zu erkennen und Kosten zu senken. Meist ist die eigene IT-Abteilung aber überfordert, da das Know-how in Richtung Datenanalyse fehlt. Hier ist es sinnvoll, dass KMUs sich Experten zu Rate ziehen, die die Daten systematisch mit entsprechenden Algorithmen auswerten und aus den großen Datenmengen einen Mehrwert generieren. Im VDMA Software und Digitalisierung sind mehr als 400 Mitglieder vereint, darunter Softwarehersteller und Anbieter von Digitalisierungslösungen, die hierfür gewinnbringend Unterstützung für den Maschinenbau bieten.

    Thomas Riegler, Referent VDMA Software und Digitalisierung

    Bild: VDMA

  • Mit einer Digitalisierungsstrategie wurde bei Denios die Richtung für den Aufbau datenbasierter Smart Services und einer neuen Generation des Gefahrstoffmanagements vorgegeben. Wir beteiligen uns in diesem Rahmen an Kooperationen mit Spezialisten, etwa an dem Verbundprojekt Digital Business des Spitzenclusters it’s OWL – einem Netzwerk aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Das Projekt dient dazu, die Markteinführung digitaler Services vorzubereiten und unsere technische und regulatorische Expertise im Bereich der Gefahrstofflagerung durch externe Kompetenzen in Hinblick auf digitale Geschäftsmodelle zu ergänzen. Darüber hinaus setzen wir auf eine frühzeitige, projektbezogene Einbindung von Zielkunden: Nur so können wir passgenau auf Individualanforderungen eingehen.

    Udo Roth, Projektleiter Smart Services, Denios

    Bild: Denios Direct

  • Gerade für Pharmamaschinenhersteller wie L.B. Bohle ist Industrie 4.0 Herausforderung und Chance zugleich. Durch Kooperationen mit Prozessspezialisten, weiteren Maschinenbauunternehmen und Hochschulen, mit denen wir in unserem Technology Center an kontinuierlichen Verfahren arbeiten, gelingt es uns immer aufs Neue, Patente zu entwickeln und Lösungen zu präsentieren. Zudem erweitern wir unseren Personalstamm und stellen uns so auf die geänderten Anforderungen ein. Durch erfolgreiche Projekte wie QbCon, unserer kontinuierlichen Fertigungstechnologie für die pharmazeutische Feststoffproduktion, oder der Monitoring-App b.sure, die eine Echtzeitüberwachung von Einzelprozessen ermöglicht, beweisen wir, dass wir für Industrie 4.0 gerüstet sind.

    Dr. Robin Meier, Wissenschaftlicher Leiter, L.B. Bohle

    Bild: L.B.Bohle

  • Die intelligente Nutzung von Daten wird in der Prozessindustrie eine deutliche Produktivitätssteigerung bringen. Feldgeräte in aktuellen Prozessanlagen erheben schon heute sehr viele Daten, durchschnittlich werden jedoch nur 3 Prozent davon genutzt. Endress+Hauser zeigt mit dem Netilion-IIoT-Ökosystem, dass es für Anwender nicht kompliziert sein muss, mehr aus ihren Feldgeräten herauszuholen. Ganze Anlagen lassen sich im Handumdrehen vollautomatisch erfassen, die Daten können dann mit Onlinediensten zur Geräteverwaltung und -wartung ausgewertet werden. Das funktioniert für Geräte von Endress+Hauser ebenso wie für Fremdgeräte, weitestgehend unabhängig von Anlagengröße und Automatisierungslandschaft. Wer möchte, kann das schon heute kostenlos ausprobieren.

    Benedikt Schumann, Produktmanager Industrie 4.0, Endress+Hauser

    Bild: Endress+Hauser Messtechnik

  • Der Kern von Industrie 4.0 ist die Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinaus und die damit ermöglichte Automatisierung der gesamten Lieferkette ohne menschliche Eingriffe. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen profitieren von den Aktivitäten der Namur: Sei es bei der Datenintegration – Stichwort: NOA (Namur Open Architecture) – oder bei der Einbindung von Anlagenmodulen – Stichwort: MTP (Module Type Package). Mit diesen Ko-Entwicklungen von Anwendern und Anbietern von Digitalisierungslösungen können Daten transparent und sicher genutzt werden. Bei Kern-Know-how sollte man das selbst machen, bei anderen Anwendungen mit Partnern kooperieren. Die Namur dient auch als Plattform, um sich zu Anwendungsfällen auszutauschen.

    Dr. Felix Hanisch, Vorstandsvorsitzender, Namur

    Bild: Namur

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