Per Blockchain-Technologie wird es Haushalten möglich, ohne einen dazwischengeschalteten Energieversorger mit Strom zu handeln.

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Blockchain-Technologie Strom privat weiterverkaufen

26.10.2017

Im Energiemarkt der Zukunft werden Haushalte eine wesentlich aktivere Rolle einnehmen als bisher. Der zunehmende Wandel von reinen Stromverbrauchern hin zu Haushalten, die sowohl Strom verbrauchen als auch selbst produzieren, ist nur eine von vielen Herausforderungen für Energieversorger und Netzbetreiber. Das Allgäuer Überlandwerk und das New Yorker Start-Up LO3 Energy wollen künftig den direkten Stromhandel zwischen Privatpersonen auf Basis der Blockchain-Technologie ermöglichen.

Das Start-Up LO3 Energy aus New York machte es in Brooklyn vor – das Brooklyn Microgrid. Es ist eines der meistgenannten Beispiele, wenn es um die praktischen Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie geht. Es beschreibt die digitale Vernetzung von Nutzern mit einem virtuellen Stromnetz, in dem überschüssige Energie von regenerativen Erzeugungsanlagen direkt an andere Teilnehmer in der Nachbarschaft verkauft wird. Die Blockchain bildet die Grundlage für die Vertragsabschlüsse und gilt als besonders fälschungssicher.

Ökostrom aus der Region

Das Allgäuer Überlandwerk aus Kempten (AÜW) freut sich deshalb, in einem ersten Projekt mit dem New Yorker Unternehmen die Vorteile der Blockchain-Technologie für den Allgäuer Energiemarkt und die möglichen Einsatzzwecke zu erforschen. Ziel des Projekts im Allgäu ist der Aufbau einer Handelsplattform, auf der Stromerzeuger und Stromverbraucher zusammengebracht werden und untereinander – ohne einen dazwischengeschalteten Energieversorger – Strom handeln können.

Das kommt einem Paradigmenwechsel im Energiemarkt gleich: Statt wie bisher Strom unbekannter Herkunft von nur einem Stromversorger zu beziehen, sollen Haushalte nun aus einer Vielzahl verschiedener Lieferanten flexibel selbst auswählen können. Gleichermaßen ist es auf Erzeugungsseite denkbar, überschüssig produzierten Strom nicht über die EEG-Vergütung ins Netz einzuspeisen, sondern lokal an den nächsten Abnehmer, beispielsweise den Nachbarn, zu verkaufen.

Basis ist die Blockchain

Den Schlüssel zur sicheren Abwicklung der Transaktionen liefert dabei die Blockchain-Technologie. Mit ihr kann die Vielzahl der bilateralen Handelsgeschäfte in dezentraler Art und Weise verifiziert und gespeichert werden, ganz ohne Bank oder Zahlungsdienstleister.

„Im ersten Versuch nutzen wir unsere bestehenden Erfahrungen aus dem ‚Allgäu Microgrid‘, welches wir bereits für andere Projekte erfolgreich in Wildpoldsried aufgebaut haben“, erläutert Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW. „Im zweiten Schritt möchten wir den Stromhandel auf unser gesamtes Netzgebiet ausweiten. Denkbar ist dann zum Beispiel, dass ein Landwirt aus Niedersonthofen mit einer großen PV-Anlage seinen überschüssigen Strom an einen Mieter in Kempten verkauft, der bis dato keine Möglichkeit hatte, gezielt die regionale Ökostromproduktion zu unterstützen.“

Für den Aufbau der Plattform werden Pilotkunden ausgewählt, die mit einem von LO3 Energy speziell entwickelten Smart Meter, welcher Teil der Blockchain ist, ausgestattet werden. Über eine darauf zugeschnittene App wird es den Teilnehmern dann ermöglicht, auf der Plattform untereinander mit Hilfe einer digitalen Währung Strom zu handeln. Dabei sollen sie Präferenzen angeben können, wie sich ihr Strommix, produziert aus lokalen Erzeugungsanlagen, zusammensetzt.

Stimmen der Projektpartner

Nach Lucke sind die zentralen Herausforderungen des heutigen Energiemarkts die Dezentralisierung, die Dekarbonisierung und die Digitalisierung. Die Blockchain-Technologie stelle einen Baustein dar, um diese Herausforderungen zu meistern. „Aufgrund ihres Verständnisses der Vorteile dieser Technologie im Energiemarkt und ihrer tiefgreifenden Erfahrung freut es uns sehr, dass LO3 Energy unser Partner bei diesem spannenden Projekt sein wird", ergänzt er.

Auch der CEO von LO3 Energy, Lawrence Orsini, freut sich über die Kooperation: „LO3 Energy ist stolz, mit AÜW in einer der technologisch am weitesten entwickelten Regionen des deutschen Energiemarktes zusammenzuarbeiten. Die hohe Konzentration an erneuerbarer Energieerzeugung, Batteriespeichersystemen und die moderne Netzinfrastruktur machen diese Region für den Test innovativer Energiekonzepte sehr attraktiv." Zudem eröffnen die Geschäftsmodelle lokalen Stromerzeugern und Batteriespeicherbesitzern die Möglichkeit, ihre Energie an lokale Verbraucher zu verkaufen oder in bestimmten Fällen sogar zu spenden.

Das Vorhaben zwischen dem AÜW und LO3 Energy ist Teil eines dreijährigen Versuchsprojektes, welches sich gerade in der Planung befindet und im ersten Quartal 2018 starten soll. „Wir sind davon überzeugt, dass viele Teilnehmer erkennen werden, dass der Kauf von lokaler Energie ihre Gemeinschaft und die regionale Wirtschaft stärkt", zeigt sich Orsini zuversichtlich.

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