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Solange es die Elektronikindustrie gibt, begleitet Roland Ackermann sie. Unter anderem als Chefredakteur, Verlagsleiter und Macher des "Technischen Reports" im Bayrischen Rundfunk prägt er die Branche seit den späten 1950er-Jahren mit.

Bild: Roland Ackermann
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Ackermanns Seitenblicke Spuren, die niemals verwischen

30.03.2016

„Wenn über eine dumme Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrisst.“ Diese Lebensweisheit von Wilhelm Busch, die mich schon immer beeindruckte, gilt heute mehr denn je. Nachdem Kamele in unseren Breiten eher selten anzutreffen sind, braucht man nur besagtes Trampeltier durch „Suchmaschine“ zu ersetzen.

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Gar nichts mehr, nichts Positives und nichts Negatives, geht im digitalen Orkus verloren, und läge es noch so weit zurück. Eltern und Erzieher werden nicht müde, dies ihren Internet-affinen Zöglingen warnend einzuhämmern – mit mäßigem Erfolg. Es bleibt eine Binsenwahrheit: Wer unvorteilhafte Details in seinen Accounts veröffentlicht hat, dem kann das noch Jahre später unbarmherzig um die Ohren fliegen.

Erschwerend kommt hinzu: Immer noch viel zu viele gehen leichtfertig mit ihrer digitalen Identität um, die per Definition einmalig und unverwechselbar sein sollte. Sie ist Voraussetzung für Geldüberweisungen und Einkäufe, fürs Einloggen in E-Mail-Accounts, soziale Netze, Foren und Nutzergruppen. Man wird über Benutzername und Passwort erkannt, authentifiziert und autorisiert.

So weit, so gut. Aber müssen die Kennwerte im Netz/in der Cloud gespeichert sein? Das ist so leichtsinnig, als ließe man seinen Schlüssel außen in der Haus- oder Wohnungstür stecken. Oder: Müssen wir die ganze Welt glückselig wissen lassen, dass wir längere Zeit weit weg von zuhause sind – vergleichbar einem Zettel auf der Tür zur Straße „Wir sind in Urlaub“? Diese Einladung an Böswillige ist fast sträflich. Datensicherheit sieht anders aus: Natürlich gibt es bessere (biometrische) Verfahren wie Fingerabdruck- und Netzhautscanner sowie die Stimm- oder Gesichtserkennung. Doch ihr Nutzungsgrad ist, selbst wenn er (wie Fingerabdruck in Smartphones) möglich wäre, noch sehr überschaubar.

Zu Lebzeiten sammelt wohl jeder von uns eine Menge von Kenn- und Passwörtern, Kundennummern und Benutzernamen, Netzwerkschlüssel, Passphrasen, PINs, SuperPINs und Codes für den Aufenthalt in der virtuellen Welt an, nur wer gut drauf und geistig höchst leistungsfähig ist, hat die meisten davon im Kopf (sie sollten ja möglichst unterschiedlich sein und oft gewechselt werden). Doch wer laufend oder auch (mühsam) in Abständen zusammenstellt, bei wie vielen Anbietern er sich registriert hat und welche Verträge sich automatisch verlängern, der wird über die Länge der entstehenden Liste erstaunt sein.

Was aber geschieht mit den Daten von Verstorbenen? Alle drei Minuten stirbt nach neuesten Untersuchungen ein Facebook-Nutzer, ohne Angaben, was mit seinem digitalen Nachlass geschehen soll. Ich werde immer häufiger auf die Geburtstage längst Verstorbener hingewiesen oder gebeten, mich mit ihnen zu vernetzen. Angesichts dieser Tatsachen sollte jeder sich mit seinem digitalen Nachlass auseinandersetzen, um den Angehörigen mühsames Suchen oder gar Rechtstreit zu ersparen. Am einfachsten wäre eine Liste mit allen Zugangsdaten, möglichst auf einem – passwortgeschützten? – USB-Stick (wegen der ständig notwendigen Aktualisierung), der beim Testament im Safe liegt. Es gibt allerdings auch Dienstleister, die einem einen Teil der Mühe abnehmen.

Gleichwohl bleibt das eingangs Erwähnte bestehen: Das Netz vergisst nichts. Selbst wenn Google verurteilt wird, bestimmte Links zu entfernen: Das geht technisch nur, solange diese nicht weiterverarbeitet oder anderswo abgespeichert sind. Man kann sich nie sicher sein. Denn das hungrige Kamel, pardon: die Suchmaschine, werden immer findiger.

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